Grün ist die Hoffnung. Die Hoffnung all derer, die einen US-Präsidenten Donald Trump noch verhindern wollen. Jill Stein, die in der Wahl chancenlose Kandidatin der Grünen Partei, ist entschlossen, eine Neuauszählung der Stimmen in Wisconsin, Michigan und Pennsylvania zu beantragen und zu bezahlen.

In allen drei Staaten hat Trump nur mit hauchdünnem Vorsprung vor Hillary Clinton gewonnen. Wenn überhaupt – in Michigan ist das endgültige Ergebnis noch gar nicht offiziell verkündet worden, weil es so knapp ausfällt und derzeit für das Gesamtergebnis irrelevant ist. Falls Clinton jedoch die Wahlmännerstimmen (siehe Infokasten) aller drei Bundesstaaten nachträglich zugesprochen bekäme, hätte sie die Wahl gewonnen.

Stein teilte mit, die vielen Hacks rund um die Wahl und der Einsatz von Wahlcomputern, die nachweislich manipulierbar sind, "sollten jeden US-Amerikaner beunruhigen". Einige der in Wisconsin eingesetzten Wahlcomputer etwa seien in Kalifornien nicht mehr zugelassen, nachdem Forscher demonstriert hätten, wie leicht angreifbar sie sind.

"Statistische Anomalien"

Zudem deuten die Daten in den drei Bundesstaaten nach Steins Angaben "auf signifikante Diskrepanzen" und "statistische Anomalien" hin. Gemeint sind wohl auch die angeblich auffälligen Unterschiede in den Wahlergebnissen von Bezirken, in denen mit Wahlcomputern abgestimmt wurde im Vergleich zu Bezirken, die nicht auf Computer gesetzt hatten. In letzteren erhielt Clinton sieben Prozent mehr Stimmen, was manche als Hinweis auf eine mögliche Manipulation von Wahlcomputern deuten. Am Dienstag hatten das Magazin New York und CNN berichtet, ein Team um den renommierten Computerwissenschaftler und Wahlcomputerexperten Alex Halderman dränge das Clinton-Team wegen genau solcher Unterschiede dazu, die Neuauszählung zu beantragen.

Der Statistikexperte Nate Silver hatte die angeblichen Anomalien umgehend in Zweifel gezogen, Halderman selbst hat bisher weder bestätigt noch dementiert, dass er sie für relevant hält. Frei heraus sagt er allerdings, dass er Clintons Team überreden will, die Überprüfung der Wahlergebnisse in den drei Staaten zu verlangen. Er wolle das Vertrauen ins Wahlsystem stärken und dazu sei es nötig, die Stimmen erneut auszuzählen und die Wahlcomputer forensisch zu untersuchen. In Wisconsin muss bis zum morgigen Freitag Einspruch gegen das Wahlergebnis eingelegt werden. In Pennsylvania endet die Frist am Montag, in Michigan am kommenden Mittwoch.

Noch hat sich die Clinton-Kampagne nicht offiziell dazu geäußert. Einer von Clintons Beratern sagte dem Magazin New York, im Weißen Haus sei man gegen eine Neuauszählung, man wolle lieber einen reibungslosen Übergang ermöglichen.

Die Grünen um Jill Stein nutzen das Zögern des Clinton-Teams nun aus und kündigen selbst an, in allen drei Bundesstaaten Einspruch einlegen zu wollen. Dazu starteten sie noch am Dienstag eine Crowdfunding-Kampagne. Denn wer die Neuauszählung und Überprüfung beantragt, muss sie auch bezahlen. In Wisconsin kostet allein der Antrag 1,1 Millionen US-Dollar, in Pennsylvania 500.000 und in Michigan 600.000 Dollar. Stein wollte deshalb zunächst 2,5 Millionen Dollar sammeln, also etwas mehr, als für die Anträge allein nötig wäre.

Keine 48 Stunden später hatte die Kampagne das erste Ziel erreicht. Nun wollen die Grünen im zweiten Schritt auf insgesamt 4,5 Millionen Dollar kommen, um auch die Anwaltskosten bezahlen zu können, die im Laufe eines Einspruchsverfahrens anfallen können – in Wisconsin etwa werden Antragsteller explizit ermutigt, sich rechtlichen Beistand zu holen. Für den Fall, dass ihre Anträge angenommen und die Überprüfung angeordnet wird, rechnet die Partei damit,  insgesamt sechs bis sieben Millionen Dollar zu benötigen. Auch die für die Neuauszählung nötigen Beobachter müssen vom Antragsteller selbst bezahlt werden.

Neben den Grünen und der Gruppe um Alex Halderman wird es nach Informationen des Guardian noch einen weiteren Aufruf zur Überprüfung der Wahlergebnisse geben. Eine lose Gruppierung von bisher nicht namentlich genannten Akademikern und Aktivisten werde Anfang der kommenden Woche einen 18-seitigen Bericht an verschiedene Bundesbehörden und Ausschussvorsitzende im Kongress übergeben. Darin wolle sie ihre Bedenken gegenüber den Wahlergebnissen in Wisconsin, Pennsylvania und Michigan darlegen. Aber auch die Grünen dürften daran interessiert sein. Je mehr Argumente sie für eine Überprüfung vorlegen können, desto besser dürften ihre Chancen stehen.

Dem Clinton-Lager dürfte das alles mehr als recht sein: Es müsste keine Kosten für die Anträge tragen, würde nicht als schlechter Verlierer dastehen und könnte letztlich nur gewinnen. Auch wenn das sehr unwahrscheinlich ist.

US-Wahlergebnis - New Yorker protestieren mit Klebezetteln In einer U-Bahn-Station sammeln sich immer mehr Post-its mit enttäuschten Stimmen zum Wahlausgang. Die Idee für die „subway therapy" hatte der Künstler Matthew Chavez. © Foto: Lucas Jackson/Reuters