Der sternförmige Calliope mini war im November der heimliche Star des Nationalen IT-Gipfels der Bundesregierung. Google-CEO Sundar Pichai lobte den Kleinstcomputer, und auch die Bundeskanzlerin ließ sich die Platine vorführen, mit der Grundschüler programmieren lernen und auf die Digitalisierung der Gesellschaft vorbereitet werden sollen.

Der Calliope mini ist rund sieben mal acht Zentimeter groß, hat ein Display aus 25 LEDs, einen bluetoothfähigen Prozessor und vier Input-Output-Kontakte zum Basteln, von denen zwei touchsensitiv sind. Er hat zudem einen Lage- und Beschleunigungssensor, einen Mikro-USB-Anschluss und zwei Grove-Anschlüsse für externe Geräte wie zum Beispiel Lautsprecher oder ein Mikrofon. Programmiert werden kann er bisher über drei verschiedene Editoren, die sich ausdrücklich an Anfänger richten. Der Computer kann so zum Beispiel als Schrittzähler, Zufallsgenerator oder zur Steuerung eines Roboters eingesetzt werden. Generell sollen Kinder am Calliope spielerisch lernen, wie Schaltungen, Software und Sensoren funktionieren, was Algorithmen sind und wie die Computer um sie herum prinzipiell arbeiten. 

Der IT-Gipfel und die damit verbundene Aufmerksamkeit haben dem potenziell revolutionären Projekt maximalen Auftrieb verschafft. Das Saarland hat dort bekannt gegeben, den Minirechner ab 2017 allen Drittklässlern zur Verfügung zu stellen. Bremen wird wohl folgen. Und auch aus Nordrhein-Westfalen kommen "positive Signale", sagen die Macher des Projekts, darunter die ehrenamtliche Internetbotschafterin der Bundesregierung, Gesche Joost, und der Kölner Unternehmer Stephan Noller. Das ist noch keine feste Zusage, den Calliope an allen Schulen des Landes zu verteilen, aber zumindest gibt es ein ernsthaftes Interesse in der Regierung von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Dieses Momentum wollen Joost, Noller und ihre Mitstreiter nutzen, um den Calliope bekannter zu machen und das Bildungssystem schon mal ein wenig von unten zu hacken. Deshalb haben sie nun eine Crowdfunding-Kampagne gestartet.

Für Bastler und neugierige Lehrer

Wer sich mit 30 Euro beteiligt, bekommt ein Calliope-Starterset und kann den Minirechner als einer der ersten ausprobieren. Das ist etwas mehr, als das Gerät in der Massenfertigung kosten soll und auch mehr als andere vergleichbare Kleincomputer wie der Raspberry Pi kosten. Aber dafür ist es auch besser ausgestattet und speziell für den Gebrauch im Schulunterricht konzipiert. 

Das Angebot richtet sich nicht nur an Bastler, die mal etwas anderes testen wollen als einen Raspberry oder ein Arduino-Board – sondern vor allem an Lehrer, die schon jetzt Lust haben, den Calliope in ihren Unterricht zu integrieren. Auch dort, wo es noch keinen entsprechenden Beschluss der Landesregierung gibt. Für 750 Euro gibt es ein Calliope-Set für eine Schulklasse: 25 Geräte plus Bedienungsanleitung und Lehrmaterialien vom Schulbuchverlag Cornelsen, die übrigens vervielfältigt, weiterverbreitet, verändert und ergänzt werden dürfen, weil sie unter einer entsprechenden Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht sind.

Das Crowdfunding ist also eine Übergangslösung. Für eine flächendeckende Verteilung fehlen der Calliope gGmbH (das kleine "g" steht für gemeinnützig) noch die definitiven Zusagen der meisten Länder – und Geld. Zwar haben die Deutsche Telekom Stiftung, Google und Microsoft auf dem IT-Gipfel bekannt gegeben, das Projekt mit einigen Hunderttausend Euro unterstützen zu wollen. Aber das reicht nicht, um auf Jahre hinaus genug Geräte für jeden Grundschüler zu produzieren. Jedes Jahr werden in Deutschland rund 800.000 Kinder eingeschult und das "Bildungsboard" wird in der Massenproduktion pro Stück zwischen zehn und 20 Euro kosten. Auch die Entwicklung des Lehrmaterials und die Schulungen für interessierte Pädagogen kosten Geld.

Calliope wird deshalb auf Sponsoren aus der Wirtschaft angewiesen sein, bis die Länder die Beschaffung in ihre Haushaltsplanung aufnehmen. Und das könnte dauern. Im Positionspapier des Bundeswirtschaftsministeriums zu Digitaler Bildung heißt es denn auch vorsichtig: "Ein bundesweit flächendeckender Einsatz ist in Abstimmung mit den Schulen für die nächsten Jahre geplant." Und was das Papier nach der Bundestagswahl noch wert ist, bleibt abzuwarten. Denn bisher unterstützt Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel das Projekt, aber wer nach der Bundestagswahl das Ministerium leitet, ist ungewiss.

Das Finanzierungsmodell hatte vereinzelt für Kritik gesorgt. Manche befürchteten, die Gründer würden sich unter dem Deckmantel eines Bildungsprojekts an den Spenden großer IT-Unternehmen bereichern. In der kürzlich veröffentlichten Satzung der gGmbH heißt es jedoch unter anderem ausdrücklich: "Die Mittel der Gesellschaft dürfen nur für die satzungsgemäßen Zwecke verwendet werden. Die Gesellschafter dürfen keine Gewinnanteile und auch keine sonstigen Zuwendungen aus Mitteln der Gesellschaft erhalten".

Die Sponsoren Google, Microsoft und Telekom haben auch keinerlei Einfluss auf den Unterricht, versichert der Bonner IT-Berater, Netzpolitiker und Calliope-Gesellschafter Maxim Loick in seinem Blog. Profitieren werden sie bestenfalls später, wenn die Schulen jene Spezialisten hervorbringen, die sie als Fachkräfte so dringend benötigen.