Alexa ist überall. Mal taucht sie im Kühlschrank auf, mal wartet sie im Auto. Sie kann richtig laut werden, sitzt aber auch ganz leise im Kinderzimmer, und wenn man sie höflich bittet, passt sie auf, dass niemand zu Hause einbricht. Zwischendurch wirft sie noch die Waschmaschine an und dimmt das Licht, damit die Stromrechnung nicht zu hoch wird. Alexa ist ein Multitalent – und deshalb wie schon im vergangenen Jahr ein Star auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas.

Alexa ist die virtuelle Assistentin von Amazon. Bislang war sie vor allem als die Stimme des vernetzten Lautsprechers Echo bekannt. Der ist bereits seit 2014 in den USA erhältlich, in Deutschland hat der Verkauf erst im vergangenen November begonnen. Mit dem Sprachbefehl "Alexa" können Echo-Besitzer die Assistentin aktivieren und ihr anschließend Fragen stellen, die Einkaufsliste bestücken oder Bahnverbindungen der Deutschen Bahn suchen lassen. Alles sehr simple Aufgaben – noch.

Amazon ist nämlich nicht die einzige Firma, die Alexa neue Sachen beibringt. Im Gegenteil, Drittentwickler können und sollen Alexas Spracherkennung und künstliche Intelligenz für weitere Fähigkeiten nutzen, Skills genannt. Zumindest in Deutschland sind diese noch überschaubar, doch wie der für Echo verantwortliche Manager Mike George diese Woche auf der CES sagte, gebe es mittlerweile insgesamt 7.000 dieser Skills. So können Nutzer in den USA etwa Taxi über den Anbieter Lyft bestellen oder mit Footballstars plaudern.

Alexa soll zum Betriebssystem des Smart Home werden

Künftig soll die Assistentin zahlreichen weiteren Geräten ihre Stimme und ihr Wissen leihen. Auf der CES gibt es erste Entwürfe: LG etwa packt Alexa in einen Kühlschrank, Lenovo zeigt einen eigenen vernetzten Lautsprecher und mindestens drei TV-Hersteller verkaufen ihre Geräte demnächst mit Amazons Software. Des Weiteren hören künftig unter anderem Samsungs neuer Staubsaugerroboter, Waschmaschinen von Whirlpool und einige Autos von Ford auf Alexas Wort.

Während Apple, Google und Microsoft seit einigen Jahren versuchen, die eigenen virtuellen Assistenten in ihre eigenen Produkte zu packen, hat es Amazon auf das Smart Home abgesehen. Alexa soll dabei nicht bloß eine sprachgesteuerte Assistentin sein, sondern ein Betriebssystem, wie es der Branchenbeobachter Ben Thompson in seinem Blog Stratechery beschreibt.Ähnlich wie Windows für PCs und Firmennetzwerke, Android und iOS für Smartphones und die Google-Produkte für das Internet sei Alexa auf dem Weg, ein Betriebssystem für das vernetzte Eigenheim zu werden.

Amazon hat dabei den Vorteil, mit Alexa sowohl eine leistungsfähige künstliche Intelligenz als eine fortgeschrittene Spracherkennung zu besitzen, die sie den Herstellern zur Verfügung stellt. Je mehr Firmen Alexa in ihre Produkte integrieren, desto dominanter wird die Software. Schließlich ist es für Kunden komfortabler, nur einen Assistenten für die Waschmaschine, den Kühlschrank und die Überwachungsanlage zu nutzen. Wer sich erst einmal an Alexa gewöhnt hat, wird so leicht nicht wechseln – die alte Rivalität zwischen Windows und Mac lässt grüßen.