Nur eine Woche nach seiner Vereidigung hat US-Präsident Donald Trump neue Gegner gefunden. Sie stehen hinter einer Reihe von Twitteraccounts, die angeblich von Mitarbeitern von US-Behörden wie der Nasa, der Umweltbehörde EPA oder dem Nationalparkdienst NPS eröffnet wurden, die aber anonym bleiben wollen. Sie haben Trump und seiner Administration den Kampf angesagt. Ihre Munition: Fakten, Forschung und die Sympathien von Wissenschaftlern rund um die Welt.

Angeführt wird die Guerillabewegung auf Twitter vom Account AltNatParkSer. Der Name ist eine Anspielung auf den offiziellen Account des National Park Service, NatlParkService. Mehr als 920.000 Follower hat er inzwischen und seine Betreiber bezeichnen sich als das "inoffizielle Widerstandsteam des Nationalparkdienstes". Dieser "Widerstand" hofft, sowohl eine neue Graswurzelbewegung unter Wissenschaftlern starten, als auch die Öffentlichkeit auf seine Seite ziehen zu können. Einzelne Prominente wie der Schauspieler George Takei haben AltNatParkSer bereits gelobt, die sogenannten rogue accounts werden auch außerhalb der wissenschaftlichen Community diskutiert und könnten das nächste Protestmittel gegen die Trump-Regierung sein.

Ob der Account tatsächlich von Mitarbeitern der Behörde ins Leben gerufen wurde, ist unklar. Am Donnerstag hieß es in einem Tweet, man hätte die Kontrolle an Aktivisten und Journalisten übergeben, die nicht im Dienste der Regierung stehen. Die Angst vor Strafverfolgung sei zu groß und der Schutz der Kollegen zu wichtig gewesen. Ähnlich äußerten sich die Betreiber des ebenfalls beliebten Accounts RogueNasa. Was ebenfalls alle gemeinsam haben: Sie verbreiten derzeit vor allem Infos über den Klimawandel, über Umweltschutz und Erderwärmung – und schrecken auch vor kleineren Seitenhieben gegen den Präsidenten nicht zurück.

Trumps "Krieg gegen die Wissenschaft"

Dass in den vergangenen Tagen mehr als ein Dutzend solcher Accounts auftauchte, ist kein Zufall. Vergangenen Freitag wurde dem Nationalparkdienst eine kurzzeitige Twittersperre auferlegt, nachdem auf dem offiziellen Profil zwei kritische Retweets über die Zahl der Besucher zur Vereidigung von Trump erschienen. Diese wurden später mit einer Entschuldigung gelöscht. Wie sich herausstellte, hatte das Innenministerium allen Nationalparks vorübergehend die Nutzung von Twitter untersagt. Daraufhin veröffentlichte der Badlands-Nationalpark in South Dakota eine Reihe von Tweets mit Fakten über den Klimawandel. Auch sie sind mittlerweile gelöscht. Ein früherer Mitarbeiter habe sich unerlaubt eingeloggt, heißt es.

Wer auch immer die Tweets verfasste, hat damit andere zu ähnlichen Taten inspiriert. Zum Beispiel die Dokumentarfilmerin Jenna Ruddock. Sie betreibt den Account NatlSciService und hat ihn in dieser Woche erstellt, wie sie im Gespräch mit der Washington Post sagte. Die Accounts würden für Aufmerksamkeit sorgen und somit der Zensur von wissenschaftlichen Institutionen wie Journalisten vorbeugen.

Was zunächst nach wenig mehr als einer Aktion in den sozialen Netzwerken aussieht, hat ernste Absichten und ist Teil einer größeren Bewegung, die gerade in der wissenschaftlichen Community in den USA stattfindet.  "Die inoffiziellen Twitteraccounts sind spaßig, aber Wissenschaftler und Angestellte der Regierung haben Angst, dass sie gefeuert werden, wenn sie ihren Mund aufmachen und Fakten teilen", schreiben die Betreiber von RogueNasa

Seit der Wahl von Donald Trump im November stehen zahlreiche Forscher und Wissenschaftler der neuen Regierung kritisch gegenüber. In einem Gastbeitrag für das US-Magazin New Yorker spricht etwa Lawrence M. Krauss, Vorsitzender des Bundes Amerikanischer Wissenschaftler, von Trumps "Krieg gegen die Wissenschaft". Schon seine ersten Ankündigungen zeugten von einem "größeren Bestreben, die Institution der Wissenschaft und ihren Einfluss auf politische Entscheidungen zu untergraben".

Ein Kabinett aus Klimawandelskeptikern und Impfgegnern

Zum Beispiel durch sein Kabinett. Mit Scott Pruitt soll künftig ein Klimawandelskeptiker die US-Umweltbehörde EPA leiten. Pruitt hatte sich in der Vergangenheit gegen den Ausbau erneuerbarer Energien ausgesprochen. Kritiker fürchten, mit der Auswahl von Pruitt könne Trump die EPA schwächen – wenn er sie schon nicht komplett abschaffen kann. Unter ihrem neuen Leiter wird das Thema Klimawandel in der öffentlichen Debatte möglicherweise nicht mehr stattfinden. Auf der neuen Website des Weißen Hauses ist der Begriff schon jetzt nicht mehr zu finden. Eine Unterabteilung der Gesundheitsbehörde hat in dieser Woche ohne weitere Begründung eine Klimakonferenz abgesagt, was die Washington Post als "chilling effect" bezeichnet: Die kritische Haltung der Regierung beeinflusse bereits die Entscheidungen der für sie tätigen Wissenschaftler.

Neben den Klimawandelleugnern könnten auch die Impfgegner künftig die Gesetzgebung beeinflussen, glauben einige Forscher. Trump selbst hatte auf Twitter vor drei Jahren die unter Impfgegnern gebräuchliche Behauptung verbreitet, Impfungen könnten Autismus verursachen. Beweise dafür gibt es nicht. Die Redaktion des Fachmagazins Nature warnt in einem aktuellen Leitartikel vor den Folgen für die Gesundheit der US-Bürger, sollten die Impfpraktiken geändert oder gar abgeschafft werden. Auch von der Erforschung erneuerbarer Energien und von Stammzellen hält Trump nachweislich wenig.