Allein der Titel. Planet of the Apps. Durch wie viele Instanzen des Apple-Managements der Titel für die erste TV-Show des Unternehmens wohl gegangen ist? Möglicherweise sogar bis auf den Schreibtisch von CEO Tim Cook. In jedem Fall hielt es offenbar jeder Verantwortliche für eine grandiose Idee, eine bis dato nie gehörte und gelesene Anspielung auf Planet der Affen (im Original Planet of the Apes) zu verwenden. Immerhin: Man kann ja auch nicht Apple ohne App schreiben.

Am Dienstag präsentierte Apple auf der Recode-Konferenz den ersten Trailer für Planet of the Apps. "In Kürze" soll die Sendung exklusiv für die Kunden von Apple Music verfügbar sein. Dass Apple künftig nicht nur Musik, sondern auch selbst produzierte TV-Inhalte streamen möchte, ist schon länger bekannt. Auch das Konzept von Planet of the Apps wurde bereits im vergangenen Sommer vorgestellt. Was einige zwar vermutet, aber doch nicht erwartet hätten, ist, wie peinlich das Ergebnis ist.

Das Konzept der Show sieht so aus: In jeder Folge haben App-Entwickler 60 Sekunden Zeit, einer Jury aus vier Persönlichkeiten ihre Idee vorzustellen. Kommen sie gut an, können sie einen von ihnen als Mentor wählen, der sie auf den weiteren Schritten in der App-Entwicklung begleitet – bis hin zum Treffen mit führenden Risikokapitalgebern aus dem Silicon Valley. Der oder die Gewinner werden zum Schluss prominent in Apples App Store beworben und haben die Chance, das nächste Pokémon Go zu werden. Oder, was wahrscheinlicher ist, ebenso schnell wieder zu verschwinden wie 95 Prozent aller anderen iPhone-Apps.

Gary wer?

Planet of the Apps ist also eine Kreuzung der amerikanischen Reality-TV-Show Shark Tank (in der junge Unternehmer Investoren ihre Geschäftsideen vorstellen) und einer Castingshow wie The Voice. Das ist auch gleich die erste Feststellung: Für eine "original" Show ist das Konzept so originell wie die Musikauswahl im Musikantenstadl. Mehr noch, dem Trailer nach zu urteilen, könnte die Sendung auch eine Satire auf die Technikbranche sein.

Das fängt schon bei der Auswahl der sogenannten Berater an, die von Apple als vier der "weltweit kulturell einflussreichsten Unternehmer" vorgestellt werden. Da wäre der Unternehmer und frühere YouTuber Gary Vaynerchuk. Gary wer? Genau. Der zweite in der Runde ist der Musiker will.i.am von den Black Eyed Peas, der auch schon bei The Voice in der Jury saß. Die Dritte ist Schauspielerin Jessica Alba, die vielen mehr für ihre Model- als ihre Filmkarriere bekannt ist. Sie hat aber auch ein Start-up mitgegründet, das im Januar Schlagzeilen machte, weil es kontaminiertes Babypuder zurückrufen musste. Solche Probleme kennt auch Gwyneth Paltrow, die vierte Beraterin. Sie verkaufte unlängst über ihre Lifestyle-Website Goop Jade-Schmucksteine für 66 Dollar, die sich Frauen in die Vagina stecken sollen. Der Rat von Frauenärzten: Don't try this at home, girls!

Also wissen die Berater zumindest, was miese Produkte ausmacht. Ahnung von App-Entwicklung haben sie dagegen nicht. Was aber auch nicht so schlimm ist, denn Hauptsache, sie haben "das Bauchgefühl und die Intuition" (O-Ton Alba) und "goldene Schuhe an" (will.i.am). Vor allem aber sollen sie unterhalten und möglichst witzigironischfiese Kommentare zu den vorgestellten Softwareideen abgeben, die von den – allesamt anscheinend höchsten zwanzigjährigen – Entwicklern zunächst auf einer 60-sekündigen Rolltreppenfahrt abgesondert werden. Dieser escalator pitch ist übrigens eine Ableitung des elevator pitch und ähnlich peinlich wie die Rolltreppenfahrt eines gewissen Präsidenten.

"Ein Prototyp für schlechtes Fernsehen"

Vollends zur Realsatire verkommt Planet of the Apps aber, wenn es um die eigentlichen Produkte geht. Schon im zweiminütigen Trailer fallen Sätze wie "Wir sind das eBay für die Snapchat-Generation" (die Formel "Uber für X" ist bekanntlich schon wieder durch) und "wir revolutionieren Social Media" (yeah, right), Vokabeln aus der Start-up-Fibel wie "pitch", "pivot" und "burn rate" und aktuelle Buzzwörter der Branche wie "künstliche Intelligenz". Es ist, als hätten die Produzenten eigentlich eine Folge der Comedyshow Silicon Valley drehen wollen und dabei im falschen Studio gelandet sind.

Nun sollte man eine Sendung nicht einzig anhand eines Trailers bewerten. Und tatsächlich ist Apples Idee, eine Show über Apps zu machen, die dann tatsächlich auch im App Store erscheinen werden, gar nicht doof. Die Umsetzung allerdings lässt das Schlimmste erwarten, nämlich dass Planet of the Apps am Ende wenig mehr ist als eine klischeebeladene Castingshow mit einem Technikdreh. Oder, wie es die Apple-Blogger von Cult of Mac nennen: "ein Prototyp für schlechtes Fernsehen". 

In der Branche kommt der Trailer so schlecht an, dass sogar Apple-Mitarbeiter zwischenzeitlich auf Twitter schrieben, dass sie sich in diesem Moment schämen, für das Unternehmen zu arbeiten (der entsprechende Tweet des Entwicklers Renaud Lienhart wurde inzwischen gelöscht). Andere fürchten, durch die Sendung werde der Beruf des App-Entwicklers völlig falsch dargestellt. Und wieder andere fragen allgemeiner, ob das wirklich Apples Vision von guten, eigenproduzierten TV-Inhalten sei.

Das ist vielleicht die wichtigste Frage. Dass Apple nicht sofort mit Eigenproduktionen vom Schlage eines House of Cards ins TV-Geschäft einsteigen würde, war klar. Doch dass das Unternehmen für seine erste eigene Show auf ein ebenso seichtes wie abgedroschenes Format setzen würde, ist überraschend. Auf der gleichen Veranstaltung, auf der auch der Trailer enthüllt wurde, sagte Apples verantwortlicher Manager Eddy Cue: "Wir wollen Dinge machen, die einzigartig und kulturell sind." Planet of the Apps scheitert schon mit seinem Titel an diesem Anspruch.