Das moderne Äquivalent zur Briefbombe ist unter Umständen ein animiertes Gif. Eine Bilddatei, die elektronisch verschickt wird. In diesem Fall auf Twitter.

Das FBI hat am Freitag bekannt gegeben, den 29-jährigen John Rayne Rivello festgenommen zu haben, weil er dem US-Journalisten Kurt Eichenwald auf Twitter ein Gif geschickt hat, das ein stroboskopartiges Licht zeigt und bei Eichenwald umgehend einen epileptischen Anfall auslöste.

Rivello wird nun nach Angaben der New York Times angeklagt wegen Cyberstalking mit der Absicht, Eichenwald zu verletzen oder zu töten. Ihm drohen demnach bis zu zehn Jahre Haft. Denn der mutmaßliche Täter wusste, dass sein Opfer ein Epilepsiepatient ist. Eichenwald, der unter anderem für Newsweek und die New York Times schreibt, hat seine Erkrankung bereits vor 20 Jahren öffentlich gemacht.

"Dies ist seine Ehefrau, Sie haben einen Anfall ausgelöst"

Der Angriff fand am 15. Dezember 2016 statt, und zwar praktisch öffentlich. An jenem Abend sah Eichenwald, dass ihm der Twitternutzer @jew_goldstein auf einen seiner Tweets geantwortet hatte, und zwar mit einem Bild. Offenbar wurde es aufgrund der Accounteinstellungen des Journalisten nicht sofort angezeigt, aber Eichenwald klickte auf den Link, der stattdessen zu sehen war. Daraufhin wurde das Gif abgespielt und Eichenwald fiel zu Boden. Seine Frau fand ihn kurz darauf.

In seiner Timeline ist noch immer zu sehen, dass er wenige Minuten zuvor Tweets über ein Thema verfasst hatte, das ihn schon länger beschäftigte. Im darauffolgenden Eintrag steht dann: "@jew_goldstein Dies ist seine Ehefrau, Sie haben einen Anfall ausgelöst. Ich habe Ihre Daten und die Polizei gerufen".

Seinem Anwalt zufolge war Eichenwald nach dem Vorfall mehrere Tage arbeitsunfähig, konnte seine linke Hand nicht mehr spüren und hatte wochenlang Schwierigkeiten beim Sprechen. Mittlerweile arbeitet er aber wieder.

Der US-Journalist und Autor Kurt Eichenwald © Charles Eshelman/Getty Images

Es ist unklar, wie das FBI herausgefunden hat, dass Rivello hinter dem Twitteraccount @jew_goldstein steckte. Das Unternehmen hatte zwar offenbar angedeutet, kooperationsbereit zu sein und Nutzerdaten herauszugeben. Denkbar wäre zum Beispiel die Herausgabe der IP-Adresse gewesen, mit der die Strafverfolger wiederum zum Internetanbieter hätten gehen und erfragen können, welchem Anschluss die IP-Adresse zu jenem Zeitpunkt zugeordnet war. Aber ob die Ermittlungen wirklich so abliefen, ist derzeit nicht bekannt, weil die entsprechenden Gerichtsunterlagen noch nicht öffentlich sind.

Klar ist hingegen, dass die Polizei den Twitteraccount von Rivello durchsuchte und darin sogenannte Direktnachrichten (die nur Sender und Empfänger sehen, also abseits der öffentlichen Twittereinträge laufen) an andere Nutzer fand, die ihn schwer belasten. In einer solchen Nachricht hatte er geschrieben "Ich weiß, dass er Epilepsie hat", in einer anderen "Ich hoffe, hiervon bekommt er einen Anfall", in einer dritten "Habe Eichenwald das hier geschickt, mal sehen, ob er stirbt".

In Rivellos iCloud-Konto fanden die Ermittler zudem den Screenshot einer gefälschten Wikipedia-Seite über Eichenwald, die eine Todesanzeige mit dem Datum 16.12.2016 zeigte, Screenshots einer Website, auf der typische Auslöser für epileptische Episoden aufgelistet sind sowie Auszüge aus Artikeln, in denen über den Vorfall und Eichenwalds eigene Versuche, den Täter zu identifizieren, berichtet wurde.