Bei der Bundeswehr hat ein neues Kommando die Arbeit aufgenommen: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat bei einem feierlichen Appell in Bonn das Kommando Cyber- und Informationsraum in den Dienst gestellt. Es soll nicht nur Angriffe abwehren, sondern sich notfalls auch offensiv verteidigen können. Bis es soweit kommt, hat die Bundeswehr aber noch einige Probleme zu lösen.

Was ist das für eine Truppe?

Zunächst arbeiten für das Kommando nur 260 Soldaten. Ab dem 1. Juli sollen ihm dann insgesamt 13.500 Soldaten unterstellt sein. Neue Posten werden dabei erst einmal kaum geschaffen. Ziel ist es vielmehr, alle IT-Experten der Bundeswehr zu bündeln, wie etwa Spezialisten für elektronische Kampfführung und die Fernmelder.

Einmal zusammengelegt wird das Kommando fast so groß wie die ganze Marine sein. Bis 2021 soll die Cyber-Armee voll einsatzbereit sein. Dann sollen dort 15.000 Menschen arbeiten. Geführt wird es von einem Drei-Sterne-General.

Warum braucht die Bundeswehr eine Cyber-Armee?

Die Bundesrepublik ist seit Langem Ziel von kriminellen und staatlichen Hackern. Die Landesverteidigung findet also längst nicht mehr nur zu Wasser oder zu Land statt.

Verteidigungsstaatssekretärin Katrin Suder sagte diese Woche bei einer Konferenz für Sicherheitspolitik in Berlin, das Thema Cybersicherheit sei das größte Sicherheitsproblem für die Bundeswehr überhaupt. "Cybergefahren lassen mich nachts nicht schlafen", sagte Suder und verwies beispielsweise darauf, dass die Bundeswehr ein riesiges SAP-Softwaresystem betreibe, um all ihre Geräte zu verwalten und zu warten. Und darauf, dass jeder Hubschrauber inzwischen eine digitale Wartungsschnittstelle habe, um neue Software aufzuspielen. All das seien Angriffspunkte, die auch genutzt würden.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurden die Bundeswehr-Rechner allein in den ersten neun Wochen des Jahres mehr als 284.000 Mal attackiert.

Weil Angriffe beispielsweise auch durch das Ausschalten gegnerischer Netzwerke abgewehrt werden können, plant die Bundeswehr ein eigenes Software-Entwicklungszentrum. Denn natürlich könne man digitale Waffen kaufen oder von Partnerländern wie Israel bekommen, sagte Suder. Aber dabei sei es wichtig, dass Deutschland den Quellcode kenne und genau wisse, was die Software tue.

Was passiert in den kommenden Monaten?

Bevor die Truppe an Gegner oder Gegenhacks denken kann, hat sie erst einmal mit sich selbst zu tun: Kommandostrukturen müssen geändert, Büros getauscht werden. In einem zweiten Schritt wird ein Großteil des neuen Kommandos damit beschäftigt sein, die Sicherheit der Bundeswehrnetzwerke zu garantieren, eine vernünftige Computer- und Sicherheitsarchitektur aufzubauen und die Technik auf einen aktuellen Stand zu bringen. Auch in Zukunft werden die meisten Soldaten ausschließlich dafür zuständig sein.

Wieso soll die Bundeswehr aktiv hacken?

Nur 80 Personen werden tatsächlich zu der operativen Gruppe gehören, die Angriffe führen, Netzwerke hacken oder ausschalten kann. Sie nennt sich Computer-Netzwerk-Operationen (CNO). Auch diese Truppe für offensive Kriegsführung existiert bereits, bislang arbeiteten dort 60 Personen.