Der US-Justizminister Jeff Sessions plante schon vor den Einstellungen der Ermittlungen, Haftbefehle gegen Assange und weitere Mitarbeiter zu erlassen. Einem Bericht der Washington Post aus dem April zufolge werfen die US-Staatsanwälte ihnen Verschwörung, Diebstahl von Regierungseigentum und Verstöße gegen das Spionagegesetz vor. CIA-Direktor Mike Pompeo bezeichnete die Plattform unlängst als "feindlichen Geheimdienst". Sollte die USA tatsächlich Haftbefehl erlassen, wäre Assanges Reisefreiheit stark eingeschränkt, wenn er die Botschaft in London verlässt.

Was bedeutet die Entwicklung für WikiLeaks?

Durch die Einstellung der Ermittlungen dürfte sich an der Rolle und Ausrichtung von WikiLeaks nichts ändern. Auch in seiner Zeit in der Botschaft war Assange für die Plattform verantwortlich. Wer genau noch im Hintergrund an WikiLeaks beteiligt ist, ist weitestgehend unbekannt. In der Öffentlichkeit tritt vor allem die britische Journalistin Sarah Harrison als Sprecherin auf. Im Dezember hieß es auf dem Twitter-Account, dass nur Assange, Harrison und in Ausnahmefällen die Anwälte im Namen von WikiLeaks sprechen dürfen.

Welche Rolle hat WikiLeaks heute?

In den vergangenen Jahren stand WikiLeaks zunehmend in der Kritik, sowohl aufgrund der Veröffentlichungen als auch den öffentlichen Äußerungen. Nach dem Anschlag im Pariser Bataclan-Theater etwa twitterte die Plattform, der Anschlag sei das "Resultat einer westlichen Politik". Ähnliche verschwörungstheoretische Äußerungen, verbale Angriffe auf vor allem westliche Staaten wie die USA, Großbritannien und die EU sowie antisemitisch interpretierbare Tweets folgten.

Die Plattform hat es in mehreren Fällen unterlassen, vor der Veröffentlichung von Dokumenten die darin genannten Namen und Daten von Unbeteiligten zu schwärzen und diese damit zumindest theoretisch einer Gefahr ausgesetzt. Im vergangenen Sommer veröffentlichte WikiLeaks interne E-Mails der US-Demokraten im Wahlkampf von Hillary Clinton, die von mutmaßlich russischen Staatshackern gestohlen wurden. Der Leak könnte den Ausgang des US-Wahlkampfs beeinflusst haben. Seitdem sieht sich WikiLeaks mit der Behauptung konfrontiert, mit der russischen Regierung zusammenzuarbeiten und eine politische Agenda zu haben. Julian Assange bestreitet das.