Eine Milliarde Geräte mit Windows 10 wollte Microsoft eigentlich bis zum Jahr 2018 in der Welt sehen. Auf seiner Entwicklerkonferenz Build hatte das Unternehmen vor zwei Jahren dieses ehrgeizige Ziel ausgegeben. Das ist nicht mehr zu schaffen. 500 Millionen aktive Windows-10-Geräte sind es jetzt, sagte CEO Satya Nadella zu Beginn der Build 2017 in dieser Woche. Die Hälfte.

Einer der Gründe dafür ist die Politik der abgeschlossenen Gärten – walled gardens – in der Branche. In unterschiedlich starker Ausprägung versuchen die großen Anbieter von Hardware, Software und Diensten, ihre Kunden in ihr Ökosystem einzusperren, allen voran Microsoft selbst und Apple. Nutzer bekommen immer dann Probleme, wenn nicht alle ihre Geräte, Betriebssysteme und Anwendungen vom gleichen Hersteller kommen.

In einem Bereich haben die Verbraucher besonders wenig Anreiz, den Garten von Microsoft zu betreten: in dem von Smartphones. Der Marktanteil von Windows 10 im mobilen Bereich ist mikroskopisch klein, und Microsoft hat sich nach mehreren erfolglosen Versuchen in den vergangenen Jahren mit der Tatsache abgefunden.  

Abgeschaut bei Apple

Das ist für sich genommen schon ein Grund, warum die ursprünglich angepeilte Milliarde noch weit entfernt ist. Ohne nennenswerte Windows-10-Smartphones ist Microsoft in einem riesigen Marktsegment schlicht nicht vertreten. Gleichzeitig stellt sich für iPhone- und Android-Nutzer die Frage, warum ihre weiteren Geräte – zum Beispiel ihr Notebook oder Desktop-Rechner – ausgerechnet Windows-Maschinen sein sollten. Sobald sie nämlich anfangen wollen, die Geräte zusammen zu benutzen, wird es kompliziert. Das will Microsoft nun ändern.

Am zweiten Tag der Build stellte das Unternehmen mehrere Neuerungen vor, mit denen es iOS- und Android-Nutzern einen Grund geben will, wenigstens ein Windows-Gerät zu kaufen wenn es schon kein Smartphone ist.

Das beginnt mit der Ankündigung, iTunes in den Windows Store aufzunehmen. Ende des Jahres soll es soweit sein. Zwar lässt sich Apples Multimedia-Software längst auf Windows-10-Geräten installieren, aber in der kommenden Variante Windows 10 S etwa lassen sich nur Anwendungen aus dem Windows Store starten. Die App wird auch den Zugang zu Apple Music und dem iTunes Store für Inhalte bieten und möglicherweise etwas anders aussehen als die bisherige Windows-Ausgabe.

Microsoft-Manager Joe Belfiore auf der Entwicklerkonferenz Build. © GLENN CHAPMAN/AFP/Getty Images

Außerdem vereinfacht Microsoft das copy and paste zwischen iOS- oder Android-Geräten und Windows-Maschinen mit einer neuen, Clipboard genannten Funktion. Links, Textpassagen oder GIFs können dann plattform- oder geräteübergreifend ausgetauscht werden, entweder über Microsofts Swiftkey-Tastatur oder das Kontextmenü in Office-Apps. Die Verbindung zwischen den jeweiligen Geräten läuft über Microsofts Cloud.

Funktion und Name sind mindestens ein bisschen bei Apple abgeguckt, dort heißt das ganze Universal Clipboard und wurde vor knapp einem Jahr mit dem Betriebssystem macOS Sierra eingeführt. Allerdings funktioniert Apples Lösung nur mit Apples Hardware.

Microsoft hingegen versucht, seine Anwendungen und Cloud-Dienste auch für iOS- und Android-Nutzer interessant zu machen. Mindestens so interessant wie deren eigene. Es ist sozusagen der Versuch, eigene Bäume in fremde Gärten zu pflanzen. Schon seit einiger Zeit kooperiert Microsoft zudem mit Herstellern wie Samsung, damit Anwendungen wie OneNote und Office etwa auf Galaxy-Smartphones vorinstalliert sind.