Fahnder in den USA und Europa haben zwei große Onlineplattformen für den Handel mit Drogen, Hackersoftware und Waffen im sogenannten Darknet stillgelegt. Nach Angaben von US-Justizminister Jeff Sessions handelt es sich bei den Plattformen um die beiden Websites AlphaBay und Hansa Market, deren Administratoren dingfest gemacht worden sind. Dem FBI zufolge war allein AlphaBay zehnmal größer als die Plattform Silk Road, die bereits vor vier Jahren stillgelegt wurde.

Die Betreiber der Plattformen hatten im versteckten Teil des Internets, der über normale Suchmaschinen nicht zugänglich ist, eine enorme Vertriebsstruktur aufgebaut. Mehr als 40.000 Händler versorgten weltweit mehr als 200.000 Kunden mit ihren illegalen Waren und Dienstleistungen. Darunter waren harte Drogen wie Fentanyl und Heroin, Waffen, Juwelen, Falschgeld oder gefälschte Ausweispapiere, ausgespähte Kreditkartendaten und Internet-Kundenkonten. Oft erfolgte die Zustellung der Dokumente, Pistolen oder Kanülen per Post. Insgesamt sollen die Portale Hunderttausende Dollar pro Tag umgesetzt haben.

Der Schlag gegen AlphaBay war dem FBI gemeinsam mit Ermittlern aus Kanada und Thailand bereits im Juni geglückt. Die Behörden schlossen den Handelsplatz – hielten dies aber absichtlich geheim, um die Nutzer auf den zu diesem Zeitpunkt bereits von der Polizei überwachten Marktplatz Hansa zu locken. Vier Wochen lang handelten die Kriminellen unter der Aufsicht der Fahnder ahnungslos weiter. Dann wurde der Administrator von AlphaBay, der 25-jährige Kanadier Alexandre Cazes, in Thailand festgenommen. Eine Woche später wurde er erhängt in seiner Zelle gefunden. "Anscheinend nahm er sich das Leben", heißt es in einer Mitteilung der US-Behörden, die daraufhin erhebliche Vermögenswerte einfroren, die Cazes und seiner Ehefrau gehörten, darunter mehrere Luxusautos, Häuser sowie ein Hotel und Millionenwerte in der Internetwährung Bitcoin.

Im Fall von Hansa wurden wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frankfurt zwei Deutsche festgenommen. Demnach sollen ein 31-Jähriger aus Köln und ein 30-Jähriger aus dem nordrhein-westfälischen Kreis Siegen-Wittgenstein das Portal betrieben haben. Sie befinden sich seit dem 21. Juni in Untersuchungshaft – zum Zeitpunkt also, als die Ermittler die Website AlphaBay unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Nach Angaben der niederländischen Polizei wurden auch in den Niederlanden eine unbekannte Zahl von Verdächtigen festgenommen und Dutzende Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Nach Angaben von US-Justizminister Sessions und Europol-Direktor Rob Wainwright gelang den Ermittlern mit der Schließung dieser Portale der bisher größte Schlag gegen illegale Machenschaften im sogenannten Darknet. Beteiligt waren Polizeieinheiten in mehreren Ländern, darunter in den USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Thailand, Kanada und Litauen. Europol-Direktor Wainwright sprach von "einer der größten und ausgefeiltesten Ermittlungen im Bereich Cybercrime in der Kriminalgeschichte".

"Sie sind nicht sicher"

Der US-Justizminister wertete den Ermittlungserfolg als klares Signal an die Betreiber und Interessenten, dass sie "entdeckt werden, ihre Organisationen und Netzwerke zerschlagen werden und wir sie strafverfolgen". Sessions fügte hinzu: "Sie sind nicht sicher, Sie können nichts verbergen."

Das Darknet ist ein anonymer und schwer zu kontrollierender Bereich des Netzes. Dort werden Informationen auf wechselnden Routen über verschiedene Server hin- und hergesendet, sodass der Weg der Daten nicht nachvollziehbar ist. In Deutschland rückte das "dunkle Netz" vor einem Jahr in den Fokus, weil die Spur des Münchner Attentäters dorthin führte. Er soll im Darknet die Waffe gekauft haben, mit der er am Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen tötete.