Am heutigen Dienstag, voraussichtlich ab 14.20 Uhr deutscher Zeit, wird das Bitcoinnetzwerk geteilt. Eine Gruppe von Minern, Unternehmen und Aktivisten will eine zusätzliche Variante von Bitcoin ins Leben rufen: Bitcoin Cash.

Was ist da los?

Fork heißt es, wenn ein Softwareprojekt in zwei oder mehr Folgeprojekte aufgespalten wird, Hard Fork, wenn die neue Version der Software nicht abwärtskompatibel zur alten ist. Dem Bitcoincode steht heute ein solcher Hard Fork bevor. Ein Teil jener Miner ("Schürfer"), die das Bitcoinnetzwerk bilden und neue Bitcoins durch einen aufwendigen Rechenprozess erzeugen, kann und wird aller Voraussicht nach auf eine andere Software umsteigen, die im Grunde der bisherigen entspricht, aber eben einige entscheidende Änderungen im Code enthält.

Sollte der Plan tatsächlich umgesetzt werden, wird es fortan zwei eigenständige Bitcoinblockchains geben: die bisherige Bitcoinblockchain und die neue Bitcoin-Cash-Blockchain. Der Begriff bezeichnet die dezentrale, fälschungssichere Datenbank, in der alle Bitcointransaktionen verzeichnet sind, die jemals durchgeführt wurden. Wobei sich eine breite Mehrheit der Nutzer bereits im Vorfeld dafür ausgesprochen hat, das originale Bitcoin weiterhin als Bitcoin zu bezeichnen und zu behandeln und der neuen Variante Bitcoin Cash den Status eines Altcoins zu geben, also einer von vielen alternativen Kryptowährungen.

Was unterscheidet die beiden Währungen voneinander?

Der bisherige Bitcoincode hat eine Art Flaschenhals, die Blockgröße. Ein Block ist der Baustein der Blockchain, er enthält alle oder einen Teil der jüngst erfolgten Bitcointransaktionen. Die gesamte Blockchain enthält folglich alle jemals durchgeführten Transaktionen. Das Bitcoinwiki vergleicht einen Block mit der Seite eines Grundbuchs.

Ein Block der klassischen Bitcoinblockchain ist derzeit ein Megabyte groß. Weil aber aufgrund der steigenden Verbreitung und Beliebtheit von Bitcoin immer mehr Transaktionen in die Blockchain geschrieben werden müssen, steigen die Transaktionskosten und der ganze Vorgang kann sich verzögern. Im Alltag kann das dazu führen, dass jemand etwas mit Bitcoin bezahlen will, aber entweder hohe Transaktionskosten einrechnen oder mehr als 24 Stunden warten muss, bis der Vorgang in die Blockchain geschrieben und damit abgeschlossen ist. Praxistauglich ist das nicht. Größere Blocks können das Problem lindern – und Bitcoin Cash soll eine Blockgröße von acht Megabyte bekommen.

Voraussichtlich ebenfalls noch im August bekommt auch der alte Bitcoincode eine Aktualisierung namens SegWit2x. Die beinhaltet immerhin eine Verdoppelung der Blockgröße auf zwei Megabyte, aber auch die Einführung von Transaktionen außerhalb der Blockchain. Wie die funktionieren und welche Vorteile das hätte, wird hier erklärt.

Ob das zusammen mit den anderen Änderungen der bessere Weg ist, Bitcoin zukunftsfähig zu machen, ist in der Bitcoincommunity eine Glaubensfrage. Sozusagen die Judäische Volksfront gegen die Volksfront von Judäa, nur mit Blockchain.

Gab es so etwas schon einmal?

Eine Aufspaltung ist kein ungewöhnlicher Vorgang. Der Code von Bitcoin wurde schon Hunderte Male geforkt und hat dabei jede Menge Altcoins hervorgebracht. Besonders an diesem Fall ist jedoch nicht nur der möglicherweise große Support für Bitcoin Cash, sondern auch die bevorstehende Duplizierung sämtlichen Bitcoinguthabens.

Denn da die Bitcoin-Cash-Blockchain nicht bei null anfängt, sondern sich aus der aktuellen Bitcoinblockchain ausgründet, übernimmt sie als eigenen Ausgangswert den Status quo der bisherigen Bitcoinblockchain und damit die Verteilung der Bitcoins, wie sie aktuell ist.

Was heißt das für Bitcoinbesitzer?

Jede Bitcoinadresse, die zum Stichtag 1. August über Bitcoins auf der originalen Bitcoinblockchain verfügt, wird dann genau die gleiche Menge auch auf der Bitcoin-Cash-Blockchain besitzen. Oder um es ganz einfach zu sagen: Wer Bitcoins besitzt, der bekommt durch die Fork noch einmal die gleiche Menge Bitcoin Cash geschenkt.

Ob sich deren Wert ebenso rasant entwickelt wie der von klassischen Bitcoins, ist allerdings alles andere als sicher. Das hängt zunächst einmal davon ab, wie viele bisherige Bitcoinminer dazu übergehen, stattdessen Bitcoin Cash zu erzeugen. Wer heute also Bitcoin im Wert von 100 Euro besitzt und mit der Spaltung auch Bitcoin Cash erhält, kann nicht davon ausgehen, dass auch die 100 Euro wert sind oder es jemals sein werden.