Als der Bitcoin-Kurs zum ersten Mal um 1.000 Prozent gestiegen war, wäre das ein exzellenter Zeitpunkt gewesen, mit dem Investment in die Kryptowährung zu beginnen. Statt zuvor 0,008 US-Dollar war ein Bitcoin im Juli 2010 plötzlich 0,08 Dollar wert, also acht Cent. Für gerade einmal zehn Dollar hätte man dementsprechend 125 Bitcoin bekommen und sie einfach nur aufbewahren müssen. Heute wären sie rund eine halbe Million Dollar wert. Denn am vergangenen Wochenende hat der Bitcoin-Kurs erstmals die Grenze von 4.000 Dollar überschritten.

Hätte, hätte, Fahrradkette. Beziehungsweise hätte, hätte, Blockchain. Im Jahr 2010 waren Bitcoin und die dahinterliegende Blockchain-Technologie kaum mehr als ein interessantes technolibertäres Gedankenexperiment. Niemand hatte damals die Absicht, damit aus zehn Dollar 500.000 zu machen. Die Bitcoin-Erfinder wollten, so steht es in ihrem Whitepaper, ein Peer-to-Peer-Zahlungssystem vorschlagen, das kein Vertrauen in Finanzinstitutionen wie Banken erfordert – weil es ohne sie auskommt.

Mittlerweile sind Bitcoins vornehmlich ein Spekulations- und Investmentobjekt. Für den aktuellen Höchststand gibt es denn auch mehrere mögliche Erklärungen, von denen nur eine etwas mit der eigentlichen Technologie zu tun hat.

1. Der Einfluss der Weltpolitik

Der erste Grund hat mit der geopolitischen Situation und dem Befinden von Anlegern zu tun. Investoren aus Japan, Südkorea und China waren am Wochenende zusammen für rund 70 Prozent des Bitcoin-Handelsvolumens verantwortlich, besagt eine Analyse von Cryptocompare. Auslöser waren die Spannungen zwischen Nordkorea und den USA – die Anleger flüchteten in eine vielleicht wortwörtlich atombombensichere Alternativwährung, die aber natürlich auf ganz andere Weise volatil ist als der japanische Yen oder der chinesische Renminbi.

2. Investition in neue Kryptowährungen

Eine große Rolle spielt laut TechCrunch auch, dass derzeit ständig neue Kryptowährungen entstehen. Die entsprechenden Projekte finanzieren sich durch sogenannte ICOs (Initial Coin Offering), das digitale Gegenstück zum IPO (Initial Public Offering), also dem klassischen Börsengang.

Die funktionieren so: Statt Geld gegen Wertpapiere zu tauschen, überweisen Unterstützer in einem ICO dem Erfinder der neuen Kryptowährung eine gewisse Menge einer bestehenden Kryptowährung, meistens Bitcoin. Dafür bekommen sie sogenannte Token, das sind die ersten digitalen "Münzen" der neuen Währung. Wenn sie Glück haben, steigt deren Wert nach erfolgreicher Finanzierung und dem Beginn des Handels.

Weil diese Mischung aus Crowdfunding und Börsengang unreguliert ist, kann es sich auch um groß angelegte Betrugsversuche handeln. Doch erfolgreiche, mitunter Hunderte Millionen schwere ICOs wie vor wenigen Tagen der von Filecoin sorgen dafür, dass mehr Menschen Bitcoins kaufen, um sich an einer Finanzierung beteiligen zu können. Das lässt den Bitcoinkurs steigen. Mit anderen Worten: Der Erfolg von Bitcoin führt zur Entwicklung neuer Kryptowährungen, wovon wiederum Bitcoin-Besitzer profitieren.

3. Aufspaltung schafft Vertrauen

Der dritte Grund für den aktuellen Rekordwert liegt noch ein wenig näher an der eigentlichen Bitcoin-Technik: Die erzwungene Aufspaltung (Fork) in klassische Bitcoins und Bitcoin Cash zu Beginn des Monats ist nicht geräusch-, aber reibungslos verlaufen. Es gibt nun zwei Bitcoinblockchains, je eine für die alte und eine für die neue Kryptowährung. Die befürchteten technischen Probleme sind ausgeblieben, was wiederum das Vertrauen von Anlegern in Bitcoin erhöht hat.

4. Ein Update macht Bitcoin zukunftssicherer

Erst der vierte Grund ist wirklich Bitcoin-inhärent. Die große Mehrheit der Miner ("Schürfer"), die das Netzwerk bilden und neue Bitcoins generieren, hat einer Änderung des Bitcoin-Protokolls zugestimmt, einem für die Benutzbarkeit der Währung wichtigen Update.

Es wird Segwit-Update genannt und beinhaltet zwei technische Neuerungen, die in den nächsten Monaten eingeführt werden und sicherstellen sollen, dass man Bitcoin mittelfristig als echtes Zahlungsmittel verwenden kann. Segwit steht für Segregated Witness (abgetrennter Zeuge) und entlastet die Blockchain, in der alle Bitcoin-Transaktionen festgehalten werden.

Diese Entlastung ist notwendig, weil die zunehmende Verbreitung und Beliebtheit von Bitcoin zu immer mehr Transaktionen führt. Vereinfacht gesagt kommen die Computer im Bitcoinnetzwerk kaum noch mit der Protokollierung hinterher, weshalb es bei Bezahlvorgängen zunehmend zu Wartezeiten kommt. Zu einer Art Stau in der Blockchain. Eine ausführliche Erklärung von Segwit findet sich auf Golem.de.

Trotzdem sollte niemand einen Automatismus aus dieser Entwicklung ableiten. Der Bitcoinkurs könnte schon bald auf 5.000 Dollar steigen – aber ebenso gut massiv abstürzen. Wer in Bitcoin investieren will, sollte deshalb eine Summe wählen, deren Totalverlust er verkraften könnte.