Was ist echt an der Aufnahme von Königsmund? Die Straßen? Die Menschen, die die Straßen bevölkern? Der Rote Bergfried im Hintergrund? Die Vögel, die ihn umkreisen? Der dramatische Himmel? Game of Thrones setzt, was die Bilder und visuelle Effekte angeht, neue Maßstäbe unter TV-Serien. Mit dafür verantwortlich sind nicht nur die Studios aus Hollywood, sondern auch das Stuttgarter Unternehmen Mackevision.

Die Effektspezialisten des Unternehmens haben aus der Altstadt im kroatischen Dubrovnik das fiktionale Königsmund (im Original King's Landing), die Hauptstadt der Sieben Königslande, gemacht. Sie haben karge Landschaften mit Soldaten bevölkert und eine riesige Flotte über die Meerenge segeln lassen. "Die Kunst besteht darin, Fiktion mit Wirklichkeit verschmelzen zu lassen und ein imposantes Bild zu erzeugen", sagt Jan Burda, Senior Compositor und seit der zweiten Staffel der Serie mit dabei.

Auch an der aktuellen Staffel hat Mackevision wieder mitgearbeitet. Die letzten Shots für die siebte Staffel wurden am Tag vor unserem Besuch abgenommen. So haben er und Heiko Burkardsmaier Zeit für ein Gespräch. Burkardsmaier ist Gründer und Leiter von Mackevisions Abteilung für Computertricks oder visuelle Effekte (VFX), die vor allem im Auftrag der großen Autohersteller arbeitet.

Visuelle Effekte - So entstehen die Drachen bei "Game of Thrones" Die berüchtigten Drachen aus der Erfolgsserie werden in Frankfurt produziert. Wie die Effekte gemacht werden, zeigen wir hier im Video.

Autobilder und Spielfilme

Seit vier Jahren erzeugen die Illusionisten aber auch Fantasywelten für Serienfans: Er habe, zusammen mit Mackevision-Chef Armin Pohl, die Idee gehabt, zusätzlich VFX für Film anzubieten, sagt Burkardsmaier. Über die Kontakte von VFX-Supervisor Jörn Großhans kamen sie mit dem US-Sender HBO ins Gespräch, der Game of Thrones produziert. "Das war der Ansatzpunkt, in Season 4 etwas zu bekommen. Das haben wir offensichtlich gut gemacht, und deswegen sind wir seitdem dabei", erzählt Burkardsmaier.

Die "offensichtlich gut gemachte" Szene ist der Beginn der sechsten Folge in der vierten Staffel: eine 20-sekündige Sequenz, in der die freie Stadt Braavos eingeführt wird, deren Zugang von einer 200 Meter hohen Bronzestatue bewacht wird. Wenig an der Szene ist real: lediglich die Schiffskulisse, auf der die Schauspieler waren, ist echt. Der Rest entstand an den Rechnern von Jan Burda und seinen Kollegen. Die Szene brachte den Künstlern den Award der Visual Effect Society ein, die höchste Auszeichnung in dem Bereich.

Und eine Belohnung für viel Arbeit. Da die Szene recht lang ist, war sie auch aufwendig zu bauen: Sechs Mitarbeiter arbeiteten etwa drei Monate daran. Bei einer Produktion wie Game of Thrones hätten die Verantwortlichen schon eine recht klare Vorstellungen, wie ein Shot aussehen solle, erzählt Burda. Mackevision bekomme – als Vorlage – Konzeptzeichnungen und eine Prävisualisierung, eine Animation im Stil einer Game-Grafik von vor zehn oder 15 Jahren, die Kamerafahrt, Aufnahmewinkel, Brennweite etc. zeige. Auf dieser Basis machen sich dann die Mackevision-Artists an die Arbeit.

Inspiration aus dem Teutoburger Wald

Als Erstes kommt ein sogenanntes grobes Blocking, das die Anordnungen der Inseln der Kanalstadt Braavos und die Geometrie des Kolosses zeigen. Dann geht es immer weiter ins Detail: Wie sieht die Oberfläche des Titans aus, wie der Helm? Wie viele Schiffe fahren durch das Bild? In welche Richtung? Wenn das geklärt ist, geht es in die nächste Detailstufe, etwa wie die Segel aussehen sollen, wie die Vegetation.

Das Ganze geschehe in enger Abstimmung mit dem Auftraggeber, sagt Burda. "Wir bauen nicht die Szene und schicken das fertig zum Kunden, sondern wir stehen in einem regelmäßigen Kontakt, einem regelmäßigen Austausch." Beide Parteien entwickelten die Szene gemeinsam immer weiter. So wollte der Auftraggeber etwa, dass mehr Kanäle in der Totale zu sehen seien, damit klar werde, dass es sich um eine Kanalstadt wie Venedig handelt.

Das Team um Burkardsmaier und Burda recherchiert auch selbst, etwa die Materialität des Kolosses anhand von antiken Bronzestatuen oder die Pose am Beispiel des Hermannsdenkmals im Teutoburger Wald. Für die Gestaltung der Stadt Mandala im Film Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer etwa seien sie zur Inspiration sogar nach China gereist.