Googles wertvollster Besitz ist nicht der Algorithmus der Suchmaschine. Oder YouTube. Oder Android. Es sind sechs Buchstaben, die buchstäblich über all diesen Produkten stehen: Die Marke Google ist aktuellen Schätzungen zufolge rund 110 Milliarden US-Dollar wert. Das Recht am eigenen Namen zu verlieren, wäre ein wirtschaftliches Desaster für das Unternehmen. Doch genau darum geht es in einem Rechtsstreit, der vor dem Obersten Gerichtshof in den USA landen könnte.

David Elliott und Chris Gillespie heißen die zwei Männer, die Google stürzen wollen. Sie argumentieren, das Wort "googeln" (im Original "to google") sei mittlerweile ein Begriff, der stellvertretend zur Suche im Internet verwendet wird, unabhängig von der tatsächlich verwendeten Suchmaschine. Wer googelt, sucht im Netz nach Informationen. Und weil das so allgegenwärtig sei, habe Google keine Grundlage mehr, Marken- und Urheberrechte durchzusetzen.

Der Generizid ist Lob und Gefahr zugleich

Das Argument ist nicht abwegig. Nicht selten verlieren Unternehmen das Recht, alleinig Produkte unter ihrem Namen zu vertreiben. Das heutige englische Wort für Rolltreppe, "escalator", wurde etwa im Jahr 1900 als geschützte Marke eingetragen. Aspirin ist zwar in Deutschland ein geschütztes Produkt von Bayer, in den USA und einem Dutzend anderer Länder aber darf jeder Hersteller Kopfschmerzmittel als Aspirin verkaufen. Und wer eine Thermoskanne erwirbt, bekommt nicht unbedingt ein Gefäß der gleichnamigen US-Firma.

Der Erfinder der Rolltreppe, Bayer und Thermos, sie alle wurden Opfer eines Generizids. Das Wort, eine Mischung aus "generisch" und "Suizid" beschreibt in der Urheberrechtsszene den Prozess, wenn ein Markenname in den allgemeinen Sprachgebrauch übergeht, also nur noch beschreibend für ein Produkt steht.

"Generizid ist äußerst selten, aber eine abstrakte Gefahr", sagt der Düsseldorfer Anwalt und Markenrechtsexperte Georg Jacobs im Gespräch mit ZEIT ONLINE. "Je größer das Unternehmen ist, desto größer ist das Risiko, dass eine Marke synonym für den beschreiben Begriff verwendet wird." Gerade wenn ein Unternehmen sehr bekannt ist und die Konkurrenten nicht die Mittel haben, um beispielsweise ein gleichgroßes Marketing zu betreiben, könne das vorkommen. 

Für den ursprünglichen Markeninhaber ist das einerseits ein großes Lob, schließlich steht der Name dann für eine gesamte Produktgattung. Andererseits ist es ein Problem. Denn wie will man sich noch von der Konkurrenz abgrenzen, wenn plötzlich jeder Produkte unter dem Namen vertreiben darf? Wie gegen Fälschungen oder Betrüger vorgehen? "Jeder könnte den Begriff dann frei verwenden, aber niemand mehr für sich monopolisieren. Es ist dann schlicht keine Marke mehr", sagt Jacobs. Das ist dann aber der erwähnte seltene Extremfall. Tatsächlich werden mittlerweile einige Marken im Sprachgebrauch generisch verwendet – zum Beispiel Tempo, Coke oder Frisbee – sie sind aber weiterhin rechtlich geschützt.

Elliot und Gillespie würden gerne den Namen Google ganz offiziell nutzen. Das aber wurde ihnen in der Vergangenheit verboten. 2012 hatte Gillespie einen Rechtsstreit gegen Google verloren. Zuvor hatte er rund 750 Domains registriert, die "google" in ihrem Namen hatten, wie etwa googledisney.com. Möglicherweise in der Hoffnung, sie später mit Profit weiterverkaufen zu können. Doch Google klagte auf Urheberrechtsverletzungen und bekam die Domains überschrieben. Daraufhin klagte wiederrum Elliot gegen das Unternehmen mit der Begründung, der Markenname sei mittlerweile generisch, die Firma habe deshalb gar keine Grundlage, urheberrechtliche Ansprüche geltend zu machen.