Ab Herbst soll schneller gelöscht werden: Facebook baut die Zahl seiner Mitarbeiter in Deutschland, die strafbare oder beleidigende Einträge entfernen, demnächst stark aus. In Essen werde ein zweites Löschzentrum mit 500 Mitarbeitern eingerichtet, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.

Am ersten Standort in Berlin wird derzeit die Zahl der Mitarbeiter der Bertelsmann-Dienstleistungsfirma Arvato, die für Facebook im Einsatz sind, von 650 auf 700 erhöht. Wie dort gearbeitet wird, durften sich Journalisten im Juli erstmals ansehen.

Das neue Zentrum in Essen soll hingegen nicht von Arvato, sondern dem europäischen Anbieter Competence Call Center betrieben werden. Weltweit will Facebook die Zahl der Mitarbeiter, die Inhalte prüfen und löschen, von 4.500 auf 7.500 ausbauen.

Reaktion auf das umstrittene NetzDG

Das vor Kurzem im Bundestag angenommene Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) verpflichtet die Betreiber sozialer Netzwerke ab Oktober, erstens einen Ansprechpartner für Gerichte und Strafverfolger in Deutschland zu benennen und zweitens von Nutzern gemeldete "offensichtlich rechtswidrige Inhalte" binnen 24 Stunden zu löschen oder zu sperren. Bei weniger eindeutigen Sachverhalten muss das innerhalb einer Woche geschehen, oder der Sachverhalt muss zur Beurteilung an eine "anerkannte Einrichtung der Regulierten Selbstregulierung" übergeben werden, die vom Bundesamt für Justiz überwacht wird.

Kritiker auch aus der Branche selbst bemängeln zum einen die durch das NetzDG eingeführte Privatisierung der Rechtsdurchsetzung, also dass Unternehmen eine Deutungshoheit über die Meinungsfreiheit bekämen. Zum anderen bestehe die Gefahr, dass mehr gelöscht werde als nötig, auch wenn das im Gesetz angedrohte Bußgeld von bis zu 50 Millionen Euro nur verhängt werden soll, wenn sich ein Unternehmen jeder Form von Beschwerdemanagement verweigert. Außerdem sieht das Gesetz keine verschärfte Verfolgung und damit Abschreckung der Täter vor.