Nach Telekom-Maßstäben ist es der Anfang vom Ende einer Ära: Auf der Ifa in Berlin kündigte das Unternehmen erstmals einen DSL-Tarif ohne Festnetztelefonie an. MagentaZuhause Surf heißt er. Klingt ein wenig nach Internet für E.T., verdeutlicht zehn Jahre nach der Vorstellung des ersten iPhones aber noch einmal, wie sehr Mobilfunk und mobiles Internet die Kommunikation verändert haben.

Seit Jahrzehnten steht die Deutsche Telekom für das, was in Abgrenzung zum Mobilfunk heute Festnetzanschluss genannt wird. Denn ihr gehört in Deutschland in weiten Teilen die sogenannte letzte Meile – die Verbindung der Ortsvermittlungsstelle mit dem Haus des Kunden. Deshalb hat sie stets mehr Festnetztelefonate vermittelt als alle ihre Mitbewerber zusammen, zumindest gemessen an den Gesprächsminuten. Das geht aus den Jahresberichten der Bundesnetzagentur hervor.

Dort steht aber auch, dass diese Zahl seit 2009 sinkt. Dafür dürfte es vor allem zwei Gründe geben: Die Menschen telefonieren erstens vermehrt über ihre Mobiltelefone, seit diese zu mehr oder weniger unverzichtbaren Begleitern geworden sind und seit viele Handytarife auch Flatrates ins Festnetz beinhalten. Zweitens ersetzen sie Telefonate gleich ganz durch Chats, Videos oder Sprachnachrichten über Messenger-Apps wie WhatsApp. Von Snap(chat) über Facebook bis LG haben das die meisten Technikunternehmen verstanden: Bewegtbild gilt derzeit als Kommunikationsform der unmittelbaren Zukunft.

Andere Anbieter haben solche Tarife schon länger

Die Telekom hat das mitbekommen. Wie behutsam sie aber mit dem Ende einer Ära vorgeht, wird an den Beschränkungen ihres neuen Tarifs sichtbar: Buchen können ihn nur Menschen, die jünger sind als 27 Jahre und bereits einen Mobilfunkvertrag mit der Telekom haben. Anders ausgedrückt: Wer länger lebt als Kurt Cobain und Amy Winehouse, ist festnetzverdächtig.

In der günstigsten von drei Varianten ist die Leistungsfähigkeit des DSL-Anschlusses auf maximal 16 Megabit pro Sekunde im Download begrenzt. Was wenig ist für eine Generation, die gerade mit hochauflösenden Netflix-Inhalten, Twitch-Streams und anderen bandbreitefressenden Diensten aufwächst. Der andere zukunftsweisende, ebenfalls auf der Ifa angekündigte Telekom-Tarif ist in dieser Hinsicht das genaue Gegenteil: Er bietet Kunden, bei denen die letzte Meile schon mit Glasfaser überwunden wird, einen Internetanschluss mit bis zu 1,2 Gigabit pro Sekunde im Download.

Ein Telekom-Sprecher hat am Dienstag aber klargestellt, dass es MagentaZuhause Surf noch in zwei weiteren, teureren Varianten gibt, mit bis zu 50 respektive 100 Megabit pro Sekunde im Download. Auf die Frage, ob es einen reinen DSL-Tarif ohne Festnetztelefonie in Zukunft auch für Kunden geben wird, die 27 Jahre oder sind, antwortete er: "Die Telekom stellt Ihre Angebote regelmäßig auf den Prüfstand, dies gilt auch für die Mobilfunk- und Festnetztarife".

Ein Novum ist der festnetzlose Tarif auch nur bei der Telekom. Kabelnetzbetreiber mit eigenen Netzen haben so etwas schon länger im Angebot, ebenso Provider, die auf der letzten Meile das Telekom-Netz nutzen. Vodafone hat ein entsprechendes Angebot namens GigaCube – es beinhaltet einen Router, der die Internetverbindung über Vodafones LTE-Netz aufbaut. Die Endgeräte wiederum verbinden sich per WLAN mit dem Router. Ein Telefonanschluss wird nicht benötigt und nicht unterstützt.

Dieser Artikel wurde um die Antworten der Telekom ergänzt und in Bezug auf die maximale Bandbreite des neuen Tarifs korrigiert.