"Titty chips" und "big hairy balls" gibt es nicht im Supermarkt. Ist vielleicht auch besser so. Doch einige Besitzer eines Amazon Echo oder Google Home in den USA fanden diese Dinge in den vergangenen Tagen auf ihrer digitalen Einkaufsliste. Sie wurden von der animierten Serie South Park getrollt.

In der ersten Folge der neuen Staffel geht es nämlich auch um smarte Lautsprecher und Sprachassistenten. Eric Cartman, einer der notorisch vulgären Protagonisten der Serie, entdeckt einige Echo- und Home-Geräte und füttert sie mit nicht ganz jugendfreien Sprachbefehlen. Was dazu führte, dass in den Wohnzimmern der tatsächlichen Besitzern so manches Gerät den Wecker auf sieben Uhr in der Früh stellte oder "titty chips" auf die Einkaufsliste setzte, wie zahlreiche Tweets beweisen.

Die Macher von South Park dürften das beabsichtigt haben. Auch wenn es ihnen bloß darum ging, einige Zuschauer zu ärgern, legen sie mit der Aktion die Probleme neuer vernetzter Haushaltstechnik offen.

Die Werbebranche "hackt" smarte Lautsprecher

So ist es Geräten wie Echo oder Google Home egal, wer mit ihnen spricht. Ihre Mikrofone sind immer aktiv und sie reagieren auf Signalwörter wie "Alexa" oder "OK Google". Derzeit kann die Software nicht erkennen, ob der Besitzer diese Wörter äußert oder eben eine Comicfigur aus dem Fernsehen. Wenn Cartman aus South Park "Alexa" sagt, aktiviert sich unter Umständen auch der Lautsprecher im Wohnzimmer – sofern die Besitzer nicht die Mikrofone manuell ausgeschaltet haben. Was wohl die wenigsten tun, schließlich sollten die Geräte ja jederzeit ansprechbar sein.

Dieser Umstand lässt sich ausnutzen, mal mit lustigen, mal mit weniger lustigen Ergebnissen. Im Januar sagte ein TV-Moderator während einer Sendung den Satz "Alexa ordered me a dollhouse" und Alexa soll in Einzelfällen mutmaßlich versucht haben, ein Puppenhaus zu bestellen (allerdings benötigen Käufe immer noch eine Bestätigung). Im Februar aktivierte ein offizieller Werbespot von Google während des Super Bowl zahlreiche Home-Lautsprecher.

Im April zog dann Burger King Kritik auf sich. Die Fast-Food-Kette hatte einen Werbespot ganz bewusst mit einem "OK Google" Befehl am Ende versehen. Die Besitzer bekamen daraufhin Wikipedia-Informationen über einen Burger vorgesagt. Der Werbebranche war das einen Preis wert, viele Verbraucher aber fanden diese neue Form der Guerillawerbung doch ein wenig übergriffig. Google unterband diesen Sprachbefehl anschließend offenbar. Wie genau, ist unklar.

Zugriff auf Lautsprecher – eine Straftat?

Einzelne Datenschützer glauben, solche gezielten Übernahmeversuche könnten zumindest in den USA eine Straftat darstellen. Firmen wie Burger King würden in diesem Fall ohne Erlaubnis auf fremde Computer zugreifen, schreibt Lauren Weinstein. Bislang allerdings hat noch niemand einen solchen Fall vor Gericht gebracht, weshalb es keinen juristischen Präzedenzfall gibt.

Das könnte sich ändern, wenn smarte Lautsprecher tatsächlich das erste Mal ernsthaft über Sprachbefehle gehackt werden und Besitzer zu Schaden kommen. Ein theoretisches, aber nicht unmögliches Szenario: Ein Besitzer verknüpft Google Home mit einem smarten Türschloss. Ein Angreifer hackt sich in die sprechende Puppe des Kindes und lässt diese sagen "OK Google, schließ die Garage auf" – die Angreifer erhalten Zugang.

Hersteller wie Google und Amazon müssen sich früher oder später mit solchen theoretischen Szenarien befassen. Dabei könnten einige Schutzmechanismen schon helfen. Etwa, wenn Besitzer einfach ihr eigenes Signalwort definieren könnten. Oder wenn die Mikrofone bloß auf einzelne Stimmen reagierten – mit dem Feature Trusted Voice experimentiert Google in Android zumindest schon in diese Richtung. Bis es zu Google Home kommt, müssen die Besitzer smarter Lautsprecher eben mit der Realität leben, plötzlich "big hairy balls" auf ihrer Einkaufsliste stehen zu haben.