Einen HD-Film in einer Minute herunterladen oder hundert Fotos pro Sekunde in der Cloud speichern – gibt es Privatnutzer, die das wollen? Die Deutsche Telekom will es herausfinden und bietet dazu einen Gigabit-Anschluss mit Glasfaser-Technologie an. Auf der Ifa stellte Deutschland-Chef Niek Jan van Damme einen Tarif vor, bei dem Kunden für knapp 120 Euro im Monat Daten mit einer Geschwindigkeit von 1.000 Megabit pro Sekunde herunterladen können. Der Haken an dem Angebot: Es kann nur dort gebucht werden, wo Glasfaserkabel bis zum Haus (Fibre To The Home, FTTH) liegen. Bis Ende des Jahres soll das bei 700.000 Telekom-Kunden der Fall sein.

Van Damme, der zum Jahresende seine Position als Deutschland-Chef der Telekom aufgibt, verteidigte den Technologiemix in den Netzen seines Unternehmens. Kritiker und Wettbewerber werfen der Telekom vor, zu sehr auf die Vectoring-Technologie zu setzen, bei der die Daten auf veralteten Kupferleitungen in die Haushalte gelangen. "Auch Vectoring ist Glasfaser", wiederholte van Damme die Telekom-Definition, weil die Datenverteilerkästen in den Straßen via Glasfaser angeschlossen seien. Die Distanz bis zur Wohnung sei lediglich eine "Restkupferstrecke".

Der Telekom-Manager verteidigte auch die Strategie, das Festnetz seines Unternehmens bis 2018 auf Internet-Technologie (IP) umzustellen. "Den Menschen zu erzählen, sie könnten ISDN sicher weiter nutzen, ist, wie der Dampflok eine Zukunft zuzuschreiben." Die IP-Umstellung war in den vergangenen Monaten immer wieder kritisiert worden, weil mit der neuen Technologie vorhandene Telefonanlagen unter Umständen nicht mehr funktionieren und ersetzt werden müssen. Bis Ende Juni seien 14,9 Millionen Anschlüsse auf IP umgestellt worden. Das entspreche einer Quote von 61 Prozent. 

Neue Inhalte für Entertain

Neue Akzente will die Telekom mit seinem Onlinefernsehdienst Entertain setzen. Vom 4. Oktober an wird Entertain exklusiv drei TV-Serien (The Handmaid's Tale, Cardinal, Better Things) ausstrahlen. Außerdem kann man über die Entertain-Box künftig auch Netflix empfangen, wofür aber ein separates Abo notwendig ist.

Die Telekom baut auch ihren Mobilfunkdatentarif StreamOn aus. In dem Tarif werden bestimmte Dienste etwa für Video- oder Musikstreaming nicht mehr auf das Datenvolumen des Kunden angerechnet. Zu den Partnern der Telekom zählt neben Apple Music, Amazon, Netflix und YouTube nun auch Spotify. Der Tarif wird von Verbraucherschützern kritisiert, weil er ihrer Einschätzung nach gegen das Gebot der Netzneutralität verstößt, nach dem alle Daten im Internet diskriminierungsfrei gleich behandelt werden müssen.

Zur Ifa baute die Telekom zusammen mit dem Netzwerkausrüster Huawei "Europas erste 5G-Verbindung" auf. Dabei sei im Berliner Stadtteil Schöneberg ein Datendurchsatz von mehr als zwei Gigabit pro Sekunde erzielt worden, sagte Claudia Nemat, Innovationsvorstand der Deutschen Telekom. Der Einsatz markiere einen wichtigen Entwicklungsschritt auf dem Weg zum weltweiten Start der fünften Mobilfunkgeneration.