Rund 3.000 Anzeigen mit politischen Botschaften aus Russland sollen im Zuge der US-Präsidentschaftswahl im Herbst 2016 auf Facebook geschaltet worden sein. Nach Schätzungen des Konzerns sahen diese rund zehn Millionen Nutzer

Die Werbeanzeigen, die offenbar mit einer russischen Werbeagentur in Verbindung stehen, hätten sich auf umstrittene Themen wie Waffenbesitz, Einwanderung und LGBT-Rechte konzentriert, sagte Facebooks Kommunikationsvizechef Elliot Schrage. Sie hätten "politische Botschaften mit einem weiten ideologischen Spektrum" widergespiegelt. In vielen Fällen hätten die Anzeigen die Nutzer dazu aufgefordert, Facebook-Seiten mit entsprechenden Ansichten zu liken und zu abonnieren, so Schrage.

Für 99 Prozent der Anzeigen seien jeweils weniger als 1.000 Dollar (etwa 854 Euro) bezahlt worden. Knapp die Hälfte der Anzeigen sei vor der Wahl veröffentlicht worden, 56 Prozent danach. Für manche der Werbeanzeigen sei mit der russischen Währung Rubel bezahlt worden, sagte Schrage. 

Facebook, Twitter, Google

Facebook hatte die Inhalte Tausender Werbeanzeigen am Montag drei Kongress-Ausschüssen offengelegt, die wegen der Wahleinmischung Russlands ermitteln, und dabei betont, dass das Recht auf freie Meinungsäußerung ernst genommen werde und nie alle unerwünschten Inhalte entfernt werden könnten. "Auch wenn wir alle Schritte unternommen haben, um einen Missbrauch zu kontrollieren, wird auf unserer Plattform politischer und sozialer Inhalt auftauchen, den Leute anstößig finden werden und den wir anstößig finden werden", sagte Schrage. 

Anfang September hatte Facebook die Wahleinmischung öffentlich gemacht: Das Unternehmen fand nach eigenen Angaben heraus, dass 470 Facebook-Konten und etwa 100.000 Dollar (rund 84.000 Euro) für die Werbung verwendet wurden.

Auch Twitter hat eingeräumt, möglicherweise für russische Manipulationen des US-Präsidentschaftswahlkampfs benutzt worden zu sein. Eine russische Mediengruppe habe 2016 knapp 2.000 Anzeigen oder promotete Tweets gekauft, die zur Beeinflussung der US-Wahl gedacht gewesen sein könnten, teilte das Unternehmen mit. Die mit der russischen Regierung in Verbindung stehende Mediengruppe RT gab demnach 274.000 Dollar für die Anzeigen aus, die sich an "Nutzer von Mainstream-Medien" richteten und auf RT-Nachrichten verwiesen. Twitter-Profile, die mit den fraglichen Facebook-Profilen übereinstimmten, seien gesperrt worden.

Das Unternehmen erklärte sich ebenfalls zur Zusammenarbeit mit den Behörden bereit, ebenso Google.