Nachrichten wie diese sorgen unter Datenschützern gerne mal für Schnappatmung: WhatsApp teilt künftig den aktuellen Standort seiner Nutzer mit deren Kontakten. Oder anders gesagt: Nutzer können dann in Echtzeit verfolgen, wo sich einzelne Freunde gerade befinden – wenn diese das möchten. Was auf den ersten Blick nach einem Privatsphären-Fiasko klingt, kann aber durchaus nützlich sein.

Live-Standort heißt das Feature, wie WhatsApp in einem Blogbeitrag schreibt. Bislang konnten die Nutzer ihren aktuellen Standort nur als Schnappschuss verschicken. Der Live-Standort wird dagegen über einen längeren Zeitraum übertragen. Dieser dauert entweder 15 Minuten, eine Stunde oder acht Stunden an. Über die "Anhang"-Schaltfläche lässt er sich in einem Chat oder in einer Chatgruppe aktivieren. Die Übertragung kann jederzeit vorzeitig beendet werden.

Die Freunde bekommen den aktuellen Standort anschließend auf einer Karte angezeigt. Wenn mehrere Nutzer gleichzeitig ihre Bewegungen teilen, werden auch mehrere Profilbilder dargestellt, die sich dann in Echtzeit auf der Karte bewegen. So lässt sich ziemlich genau verfolgen, welcher Freund beispielsweise schon auf dem Weg zur Party in der Bahn sitzt und wer noch zu Hause vor dem Fernseher herumtrödelt.

Standortdaten sind kritisch

Facebook, das Unternehmen hinter WhatsApp, bietet die gleiche Funktion in seinem Messenger schon seit Frühjahr an, auch der auf Privatsphäre ausgelegte Chatdienst Telegram enthält sie. Im Juni präsentierte Snapchat mit Snap Map ein ähnliches Feature, das den Standort aber nur übertrug, wenn Nutzer die App auch geöffnet hatten. Der Live-Standort von WhatsApp funktioniert dagegen auch im Hintergrund. Auch Google Maps unterstützt seit diesem Jahr den Live-Standort, Apples iMessages ebenfalls.

Wirklich neu ist das Feature also nicht, WhatsApp folgt vielmehr dem Trend hin zur Echtzeit-Verfolgung. Oder Echtzeit-Überwachung, wie Datenschützer sagen würden. Die Ausrede, man sei schon auf dem Heimweg, während man noch in der Kneipe hockt und gerade ein neues Kaltgetränk bestellt hat, wird schwieriger, wenn der Partner einfach fordern kann: "Na, dann mach doch mal eben den Live-Standort an."

Die neue Live-Standort-Funktion in WhatsApp © Screenshot/WhatsApp

Standortinformationen zählen zu den persönlichsten Daten, die Nutzer eines Smartphones übermitteln können. Weil sie eben zeigen, wo genau sich ein Mensch zu einem bestimmten Zeitpunkt befindet. Das wiederum kann unter Umständen von verschiedenen Akteuren – etwa der Werbebranche, Behörden bis hin zu Stalkern – genutzt werden und komplexe Bewegungsprofile offenlegen. Es wird deshalb empfohlen, die Ortungsdienste des Smartphones immer auszuschalten, wenn man sie nicht benötigt (in Android unter Einstellungen -> Verbindungen, in iOS unter Einstellungen -> Datenschutz) und auch nicht jeder App den Zugriff auf den Standort zu erlauben.

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung auch für Live-Standort

Grund zur Panik ist die neue Funktion in WhatsApp aber noch lange nicht. Im Gegensatz zu manch anderen Apps, die Ortungsdienste verwenden, ist das Feature vergleichsweise sicher. Zum einen, weil der Live-Standort wie auch sämtliche Nachrichten per Ende-zu-Ende-Verschlüsselung übertragen wird. Nur Sender und Empfänger können ihn sehen, WhatsApp selbst kann die Informationen nicht abgreifen. Und da die Einstellung standardmäßig deaktiviert ist, müssen sich bestehende Nutzer nach dem Update, das in nächster Zeit nach und nach freigeschaltet wird, auch keine Gedanken machen.

Zum anderen bleibt die Übertragung zeitlich begrenzt; nach spätestens acht Stunden wird sie deaktiviert und wer sie vorzeitig abbrechen möchte, kann das jederzeit tun. Selbst Eltern können somit also auch nicht einfach ihre Sprösslinge überwachen. Da die Kontrolle bei den Nutzern bleibt und sie entscheiden, mit wem sie ihren Standort teilen, ist das Stalking durch Dritte eingeschränkt. Dass die Funktion eines Tages auch dauerhaft aktiviert sein könnte, verneint der WhatsApp-Produktmanager Zafir Kha im Gespräch mit dem IT-Portal Gadgets360. Man sehe es derzeit lediglich als Kurzzeit-Service.

Im besten Fall kann der Live-Standort auch nützlich sein. Freunde können sich beispielsweise auf Festivals oder anderen Großveranstaltungen leichter zusammenfinden. Wer nach einer Party auf dem Weg nach Hause ist, kann seinen Partnern oder Eltern zur Sicherheit zeigen, wo er oder sie gerade ist. Für solche Szenarien gibt es zwar schon lange andere Apps, aber mit WhatsApp bekommt mehr als eine Milliarde Nutzer weltweit sie künftig in einer ihrer beliebtesten Anwendungen mitgeliefert.