Das erste Feature, das am Firefox Quantum auffällt: Er ist schnell. Reagierte der Desktop-Browser von Mozilla in den vergangenen Jahren insbesondere auf komplexen Websites immer behäbiger, haben die Entwickler diesen Nachteil wieder wettgemacht. Zwar ist Firefox Quantum nicht spürbar schneller als der große Konkurrent Google Chrome, aber auch nicht mehr spürbar langsamer. Lediglich in Google Docs ruckelte der Cursor etwas mehr, als man es von Chrome gewohnt ist. Dafür verbraucht Firefox angeblich weniger Arbeitsspeicher und soll auch die Akkus von Mobilgeräten – gemeint sind Laptops – weniger belasten.

Nach über einem Jahr Vorarbeit hat Mozilla am Dienstag die neue Version ihres Open-Source-Browsers für Windows, macOS und Linux vorgestellt. Für das Non-Profit-Unternehmen der US-Stiftung ist es mehr als eine einfache Aktualisierung auf die 57. Programmversion. Quantum ist der "neue Firefox". 75 Prozent des Quellcodes wurden im letzten Jahr analysiert, umgeschichtet, umgeschrieben – und das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Erstnutzer werden in die übersichtliche Oberfläche von Firefox Quantum eingeführt. Dabei spart Mozilla nicht mit Eigenlob. © Mozilla / Screenshot ZEIT ONLINE

Die Herausforderungen an Brower sind in den vergangenen Jahren stark gewachsen. So hatte Google mit seiner radikalen JavaScript-Technik im konzerneigenen Browser Chrome Angebote wie Google Maps erst ermöglicht. Die Auswirkungen sind neun Jahre später kaum zu übersehen: Einfache statische Webseiten haben inzwischen Seltenheitswert, stattdessen werden immer mehr Angebote in dynamische Timelines umgewandelt, die ständig neue Inhalte nachladen. Gerade hier konnte Google Chrome seine Stärken ausspielen. Das schlug sich auch im Marktanteil nieder. So hat Chrome weltweit einen Marktanteil von über 60 Prozent. Auch im bislang Firefox-begeisterten Deutschland hat der Google-Browser im vergangenen Jahr die Führung übernommen.

Im ersten Praxistest lässt sich der neue Firefox auch von Dutzenden Tabs und komplexen Websites nicht aus der Ruhe bringen. Um das zu erreichen, mussten die Entwickler aber einige harte Schnitte machen. Deshalb funktionieren viele Erweiterungen unter Firefox Quantum nicht mehr, darunter das beliebte Add-On NoScript, das Trackingskripte blockiert. Allerdings bietet der Browser eine Suche nach vergleichbaren Ersatz-Addons an.

Nicht alle alten Erweiterungen funktionieren auch mit Firefox Quantum. Meist findet sich aber adäquater Ersatz. © Mozilla / Screenshot ZEIT ONLINE

Auch die Oberfläche und das Menü wurden aufgeräumt. So sind Tabs nicht mehr abgerundet, sondern erscheinen kantig am oberen Rand des Browser-Fensters. Statt den Kachel-Look des Vorgängers zu übernehmen, erscheint das Menü wieder als Textliste. Ein separates Kontextmenü in der Adresszeile bietet Schnellzugriff auf Funktionen wie Bookmarks oder das neue Screenshot-Werkzeug.

Leseempfehlungen im neuen Tab

Eine klare Anlehnung an Google Chrome: Wer Firefox zum ersten Mal installiert, bekommt statt einer Adresszeile und einem getrennten Suchfeld nur noch eine Eingabemöglichkeit. Firefox Quantum schlägt dem Nutzer darin Websites, einzelne Artikel oder Suchanfragen vor. Nutzer können aber auch die althergebrachte Aufteilung wählen und damit auch selbst entscheiden, welche Suchmaschine sie nutzen wollen.

Wer ein neues Tab öffnet, bekommt nicht nur Bekanntes empfohlen, sondern auch neue Lesetipps. © Mozilla / Screenshot ZEIT ONLINE

Gleichzeitig haben sich die Entwickler darum bemüht, dass Nutzer die Eingabezeile so wenig wie möglich verwenden müssen. Wer ein neues Tab öffnet, bekommt zuoberst "wichtige Seiten" vorgeschlagen – eine Mischung aus gespeicherten Bookmarks und den am häufigsten aufgerufenen Angeboten. Gleich darunter erhält der Nutzer auch Lesetipps für aktuelle Artikel. Möglich wird das durch den Empfehlungsdienst Pocket, den die Mozilla Foundation Anfang des Jahres übernommen hat, und der schon einige Zeit fest im Browser integriert ist. Als drittes bekommt der Nutzer noch einen bunten Mix von Artikeln präsentiert, die er zuletzt aufgerufen hat und die vielleicht wieder für ihn interessant sein könnten.

Neuer Privatsphäre-Modus

Wer hingegen seine Lesegewohnheiten nicht teilen und keine Daten von sich in die Cloud hochladen möchte – etwa zum Synchronisieren der besuchten Websites mit mobilen Geräten –, kann den neuen Privaten Modus nutzen. Bisher war dieser darauf beschränkt, aufgerufene Seiten gleich wieder zu vergessen und so keine Spuren auf dem Computer zu hinterlassen.

Firefox Quantum geht das Problem tiefer an: So werden durch die Integration des Dienstes Disconnect.Me diverse Trackingtechniken blockiert, mit denen Nutzer über verschiedene Websites hinweg verfolgt werden können, meist zu Werbezwecken. Apple hat im Sommer bei seinem Browser Safari ein ähnliches Feature eingeführt. Privater Modus heißt also nicht mehr nur, das eigene Surfverhalten vor anderen Nutzern des gleichen Computers zu verbergen, sondern auch vor Trackingdiensten im Internet.

Laut einer Firefox-Studie können Websites durch die Blockade der vielen Cookies, Scripte und Tracking-Pixel um durchschnittlich 44 Prozent schneller laden. Falls sie denn überhaupt laden. So wird der Private Modus von vielen Websites blockiert, die auch Adblocker auf ihren Angeboten blockieren.