126 Millionen Facebook-Nutzer haben im Zeitraum zwischen Juni 2015 und August 2017 auf der Plattform Werbeanzeigen gesehen, die von mutmaßlich russischen Akteuren erstellt und bezahlt wurden. Das sagte ein Vertreter des Unternehmens in dieser Woche in einer Anhörung vor dem US-Kongress, zu der auch Twitter und Google geladen wurden. Damit bestätigte sich: Die Einflussnahme auf den Präsidentschaftswahlkampf war größer als zunächst angenommen und von Facebook behauptet.

Bereits im September händigte Facebook dem Untersuchungsausschuss des Kongresses 3.000 der verdächtigen Anzeigen aus. Am Mittwoch veröffentlichte dieser Ausschuss eine kleine Auswahl. Sie zeigt, wie unter anderem die in St. Petersburg ansässige Internet Research Agency, die im Internet Meinungen im Sinne des Kreml manipuliert, auf Facebook aktiv war. Mit teils nur wenigen hundert Euro konnte das Unternehmen Anzeigen schalten, die gezielt auf einzelne Nutzergruppen, Regionen in den USA und aktuelle Ereignisse zugeschnitten waren.

Möglich machte das Facebooks Geschäftsmodell für personalisierte Werbung. Die Daten aller Nutzer, ihr Standort, ihre Likes, die von ihnen besuchten Websites – all das wird gesammelt und zu Werbezwecken analysiert. Werbetreibende können das nutzen, um Menschen mit bestimmten Hobbys oder Vorlieben anzusprechen. Und weil dieser Prozess zu großen Teilen automatisiert und zudem wenig transparent ist (etwas, das Facebook zumindest im Bereich politischer Anzeigen ändern möchte), kann er ausgenutzt werden. 

Erstmals wird nun deutlich, wie die Propagandainhalte aussahen und welche Absicht ihre Schöpfer hatten. Sie zielten dabei vor allem auf die Gegensätze in der amerikanischen Gesellschaft ab, spielten Meinungsunterschiede, Kandidaten und Ressentiments gegeneinander aus und versuchten somit, die Gesellschaft weiter zu spalten, wie die folgende Auswahl zeigt. Das IT-Portal Techcrunch hat zudem die vom Ausschuss veröffentlichten Dokumente in einer Tabelle zusammengefasst.

Trump gegen Clinton

"Down with Hillary": Anders als zunächst vermutet, ging es in den Anzeigen weniger darum, einen einzelnen Kandidaten zu unterstützen, also etwa zur Wahl von Donald Trump aufzurufen. Einige zielten dennoch auf die Kandidaten ab. Facebook-Nutzer, die sowohl Trump-Inhalte favorisierten und in New York ansässig waren, bekamen etwa eine Einladung zu einer Anti-Clinton-Demo. Sie wurde laut Facebook von 15.255 Nutzern gesehen und kostete 250 US-Dollar.

© House Committee on Intelligence

"Not my President": Im Gegenzug lud eine Organisation, die sich der Black-Lives-Matter-Bewegung und deren Unterstützern bediente, ebenfalls zu einer Veranstaltung in New York ein, wenn auch mit weniger Erfolg: Nur 188 Menschen erreichte die Anzeige, die allerdings auch nicht mal zwei US-Dollar kostete.

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Schwarze gegen Weiße

Immer wieder wurde versucht, aktuelle Ereignisse aufzugreifen. Der Mord an zwei Polizisten in Boston im Oktober 2016 wurde in einer Anzeige als "grausame Attacke eines Black-Lives-Matter-Aktivisten" dargestellt – obwohl der Täter wohl gar keine Beziehungen zu dieser Bewegung hatte. Inmitten der anhaltenden Diskussion um die Polizeigewalt in den USA versuchten die Ersteller der Anzeigen einerseits, die Seite der (weißen) Polizisten einzunehmen und schwarze Aktivisten zu schmähen.

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Anderseits gab es Anzeigen von Gruppen namens Woke Black und Black Matters, die sich vermeintlich für Rechte von Schwarzen stark machten. Eine Anzeige von Black Matters wurde Nutzern ausgespielt, die Websites wie blacknews.com besuchten und an Orten wie Atlanta oder Ferguson lebten. Für einen Preis von rund 1.000 US-Dollar konnten die Auftraggeber in diesem Fall fast 360.000 Nutzer erreichen.

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