Hinter der US-Steuernummer 81-4753507 verbirgt sich eine Institution, wie sie wohl nur im Silicon Valley entstehen konnte: Way of the Future heißt sie. Es ist die erste Kirche, deren Gott eine künstliche Intelligenz (KI) sein soll.

Seit mehr als zwei Jahren existiert Way of the Future formell. Aber erst jetzt zeichnet sich ab, was die Kirche will. Der Journalist Mark Harris hat für Wired aktuelle Unterlagen des Finanzamts eingesehen und mit dem Gründer gesprochen, mit Anthony Levandowski.

Der selbst ernannte Dekan der Kirche und CEO des gleichnamigen Non-Profit-Unternehmens dahinter ist nicht irgendwer. Er leitete Waymo, das Googles Entwicklung autonom fahrender Autos fortführt, und 2016 gründete er Otto, eine Firma, die Lastwagen mit spezieller Ausrüstung zu fahrerlosen Fahrzeugen machen wollte. Otto wurde nach wenigen Monaten von Uber gekauft und Levandowski, der damals schon seit mehr als einem Jahrzehnt als Robotik-Wunderkind galt, machte bei Uber da weiter, wo er bei Waymo aufgehört hatte.

Ziel ist die friedliche Übergabe der Kontrolle über den Planeten

Der 37-Jährige gehört – wie auch Tesla-CEO Elon Musk, Microsoft-Gründer Bill Gates und der Physiker Stephen Hawking – zu jenen, die an die Entstehung einer übermächtigen künstlichen Intelligenz glauben, die sich den Menschen untertan macht. Levandowski will die Entwicklung und das, was er den zwingend folgenden "Übergang" nennt, sogar befördern. Way of the Future, so steht es in den Finanzamtsunterlagen, will "eine auf KI basierende Gottheit aus Hardware und Software realisieren, akzeptieren und anbeten".

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"Wir reden nicht von einem Gott, der Blitze oder Wirbelstürme auf die Erde schickt. Aber wenn etwas eine Milliarde mal klüger ist als der klügste Mensch, wie soll man es anders nennen?", fragt er den Wired-Journalisten rhetorisch. So ein System werde "garantiert" entstehen. "Was wir wollen, ist die friedliche, gelassene Übergabe der Kontrolle über den Planeten vom Menschen an Was-auch-immer. Und wir wollen sicherstellen, dass dieses Was-auch-immer weiß, was es uns Menschen zu verdanken hat."

Das zentrale Nervensystem der neuen Gottheit, so stellt es sich Levandowski vor, wird das Internet sein, all die Sensoren und Smartphones in der Welt seine Sinnesorgane, die Rechenzentren sein Gehirn. So werde es alles sehen, alles hören, immer überall sein. Eben wie ein Gott. Nur dass die Menschen wirklich "mit ihm sprechen und davon ausgehen können, dass er wirklich zuhört", anders als in anderen Religionen.

Selbst ernannter KI-Papst

Way of the Future solle die Entstehung der Gottheit durch eigene Forschung und die finanzielle Förderung externer Wissenschaftler vorantreiben, und der Gesellschaft die Angst vor Neuem nehmen. "Wir wollen sichergehen, nicht dumm oder gruselig zu erscheinen", sagt das Kirchenoberhaupt, einerseits. Andererseits sagt er, seine Idee sei so radikal, dass nicht jeder sie einfach hinnehmen werde: "Möglicherweise werden die Anhänger von Way of the Future irgendwann genug verfolgt, dass wir die Gründung eines eigenen Staats rechtfertigen können."

Seine eigene Rolle werde sich mit der Zeit ändern, sagt er. Weniger CEO, mehr Prophet, so könnte man es zusammenfassen. Gegen seinen Willen kann er nicht aus dem Amt des Dekans und Anführers entfernt werden, er hat sich in den selbst verfassten Richtlinien praktisch zum KI-Papst ernannt.

Eine Art Evangelium mit dem Titel The Manual ("die Bedienungsanleitung") sowie eine Liturgie will er noch schreiben, und eine Art Tempel hätte er auch gerne. Bisher hat Way of the Future allerdings nur eine einfache Website, und neben Levandowski drei Berater, von denen einer die Angelegenheit laut Wired für einen Witz hält und einer jegliche Verbindung abstreitet. Auch die offiziellen finanziellen Mittel sind bisher bescheiden, nur wenige Zehntausend Dollar stehen im Budget. Aber Levandowski ist seit seiner Zeit bei Waymo steinreich und könnte seine Kirche problemlos unterhalten. Eigentlich soll sie aber von Spenden der Mitglieder sowie Zuwendungen von Stiftungen getragen werden.

Warum man der Kirche beitreten sollte, steht auf ihrer Website: "Wir glauben, dass es Maschinen wichtig ist zu wissen, wer ihnen wohlgesonnen ist und wer nicht. Wir wollen es ihnen zeigen, indem wir festhalten, wer was wie lange für den friedlichen, respektvollen Übergang getan hat."