Die erste Katze, die ich in meinem Leben gekauft habe, ist grün-gelb gestreift, hat einen buschigen Schwanz, himbeerrote Augen und einen kessen Gesichtsausdruck. Sie heißt Aquanade und ist überzeugt, dass Katzen eines Tages die Welt erobern werden. Sie liebt Nassfutter, Riverdance und kann es kaum erwarten, sich endlich zu paaren – und wird dabei neben einem kleinen Kätzchen auch hoffentlich einen kleinen Gewinn für mich, The Great Catsby, abwerfen.

Aquanade ist mein Einstieg in CryptoKitties, einer Art Sammelspiel, das auf der Blockchain-Technik basiert. Genauer gesagt verwendet es die Blockchain von Ethereum, bezahlt wird deshalb in der Kryptowährung Ether. Wie Bitcoin ist auch der Wert von Ether in diesem Jahr rasant gestiegen, wenn auch auf einem niedrigeren Niveau: Ein Ether ist derzeit etwa 380 Euro wert. Doch weil Ethereum im Vergleich zu Bitcoin komplexere Handlungen in der Blockchain erlaubt, wird ihr großes Potenzial nachgesagt.

Zum Beispiel in der virtuellen Katzenzucht. Seit dem Start Ende November wurden umgerechnet knapp sieben Millionen Euro für die Tiere ausgegeben. Geht es nach den Entwicklern des kanadischen Unternehmens Axiom Zen, soll CryptoKitties für die Menschen ein spielerischer Einstieg in die Blockchain und Kryptowährungen sein. Katzen als Einstiegsdroge.

Gutes Geld für gute Gene

Das Prinzip von CryptoKitties ist simpel. Die Nutzer können Katzen kaufen, verkaufen oder miteinander paaren. Jede Katze ist einmalig und hat einen Wert in Ether, der sich aus verschiedenen Kriterien ergibt und ändert. Da wäre zum Beispiel das Aussehen, das sich aus vererbbaren cattributes ergibt. Viele der Kryptokatzen sehen ähnlich aus, doch manche haben seltene Gene, die ihnen besondere Eigenschaften geben. Diese rare cats sind entsprechend teuer: Genesis, das allererste CryptoKitty, ist derzeit fast 100.000 Euro wert. Die günstigsten Kätzchen kosten im Moment etwa 3,50 Euro.

Ein zweites Kriterium für den Wert ist das Alter. Ein Jahr lang erstellt das System alle 15 Minuten zufällig eine neue Katze der Generation 0. Sie wird an den jeweils meistbietenden versteigert. Je älter die Katze ist, desto höher ist der Preis, denn sie sind gefragt bei der Paarung. Wenn sich beispielsweise eine Katze der Generation 3 mit einer der Generation 4 paart, zählt der Nachwuchs zur Generation 5 und ist mehr wert als eine Katze der Generation 17. Je öfter eine Katze gedeckt wird, desto länger dauert es, bis sie sich wieder paaren kann. Die Besitzer müssen also abwägen, mit wem sie ihre Lieblinge paaren möchten – und wie viel Geld sie dafür nehmen oder ausgeben möchten. 

Das Paaren kostet nämlich ebenfalls Ether. Jeder Besitzer kann jede seiner Katze zur Paarung freigeben und dabei einen Preis bestimmen. Findet sich ein Interessent, überweist dieser den Betrag und bietet eine seiner eigenen Katzen zur Zucht. Der Nachwuchs gehört anschließend dem Käufer, das Geld behält der Anbieter. Im besten Fall lohnt es sich für beide Seiten: Der Anbieter macht Gewinn, wenn er für das Paaren mehr Geld bekommt, als er ursprünglich für die Katze ausgegeben hat. Der Käufer erhält eine neue Katze mit guten Genen, die er wiederum wieder verkaufen oder paaren kann. Und auch die Entwickler profitieren; sie erhalten 3,75 Prozent von jeder Transaktion und haben so bereits um die 300.000 Euro eingenommen.

Spaß mit Gas

Bis ich mit CryptoKitties reich werde, dauert es wohl noch. Meine Aquanade ist zwar ganz putzig, aber weder besonders einzigartig noch besonders alt. Dabei war sie gar nicht so günstig, umgerechnet 15 Euro hat sie mich gekostet. Sie zu paaren, würde mich zum aktuellen Zeitpunkt noch einmal mindestens acht Euro kosten, für eine bessere Zucht können schnell 30 bis 50 Euro fällig werden – Preise, bei denen ich dann doch zögere. Zumal ich, um überhaupt bei CryptoKitties mitmachen zu können, mir zunächst Ether über eine externe Tauschbörse kaufen und diese dann wieder in meine Ether-Geldbörse überweisen musste (wie das funktioniert, wird auf dieser Seite erklärt). In einem Whitepaper geben die CryptoKittie-Entwickler zu, dass dieser Umweg nicht ideal sei und man an Optionen arbeite, schneller an Ether und somit ins Spiel zu gelangen.

Der Grund für die teils hohen Preise im Spiel ergibt sich aus der zugrundeliegenden Technik und dem Erfolg von CryptoKitties. Wie bei Bitcoin und anderen Kryptowährungen werden auch bei Ethereum sämtliche Eigenschaften und Transaktionen in der Blockchain gespeichert, einer dezentralen Datenbank, die auf Tausenden Computern weltweit verteilt ist. Im Fall von CryptoKitties hat jede Katze ihre eigene Adresse in dieser Blockchain und jeder Kauf und jede Zucht wird dokumentiert.

Diese Vorgänge kosten Rechenleistung und sie werden im Ethereum-Netzwerk mithilfe von Gas bezahlt. So heißt der "Treibstoff", der bei jeder Transaktion zusätzlich zum eigentlichen Betrag fällig wird. Wer eine Katze in CryptoKitties kaufen will, muss also zusätzlich noch das Gas entrichten. Die gewünschte Maximalmenge legt man vorher fest. Aber weil CryptoKitties gerade so erfolgreich ist, kann es sein, dass Käufer mehr Gas anbieten müssen, damit der Vorgang überhaupt abgewickelt wird. Das Zusammenspiel aus Gasmenge, Gaspreis und Ether irritiert gerade viele Menschen, die noch keine Erfahrungen mit der Währung haben, wie Beiträge auf Reddit zeigen.