Mark Zuckerberg arbeitet schneller als die deutschen Handwerker. Vor einer Woche kündigte der Facebook-Gründer an, das soziale Netzwerk "reparieren" zu wollen. Jetzt verrät er, wie er das schaffen will: Der Newsfeed der Nutzer soll wieder persönlicher werden, private Unterhaltungen fördern und weniger öffentliche Inhalte von Medien und Unternehmen zeigen. Soll heißen: Weniger Nachrichten, weniger virale Inhalte und stattdessen wieder mehr Urlaubsfotos von Tante Sabine.

Gut so.

Wie kein anderes Unternehmen hat Facebook in den vergangenen Jahren bestimmt, wie wir Inhalte im Internet konsumieren. Mit inzwischen mehr als zwei Milliarden aktiven Nutzern hat es eine neue Öffentlichkeit im Netz geschaffen. Der Newsfeed, ursprünglich dafür gedacht, um mit Freunden und Verwandten in Kontakt zu bleiben, ist für viele Menschen zur Startseite des Internets geworden, ist heutzutage gleichermaßen Stammtisch, Marktplatz und Nachrichtenquelle.

Facebook trieb diese Entwicklung aktiv voran. Es köderte die Medien und Unternehmen mit dem Versprechen von mehr Reichweite und neuen Vermarktungsmöglichkeiten, von personalisierter Werbung und mehr Aufmerksamkeit – und die folgten den Rufen nur zu gerne. Likes, Shares und Follower wurden zur Währung einer neuen Aufmerksamkeitsökonomie, aus Inhalten wurde Content, und Geschäftsmodelle stiegen und fielen mit den Entscheidungen des Netzwerks. Medien und Unternehmen wurden zur Laborratten des Newsfeed-Algorithmus.

Als Facebook seine Instant Articles vorstellte – Nachrichtenartikel, die auf Facebook selbst veröffentlicht wurden –, machten viele Medien (auch ZEIT ONLINE) mit. Wenn es hieß, kurze Videos würden künftig prominenter im Newsfeed auftauchen, wurden eben kürzere Videos produziert. Live-Videos und gesponserte Inhalte? Aber klar doch. Manche Verlage ließen sich sogar von Facebook für die Erstellung von exklusiven Inhalten bezahlen. Doch selbst als Umfragen ergaben, in Ländern wie den USA konsumierten mehr als die Hälfte der Menschen ihre Nachrichten über Facebook, sah sich das Netzwerk nicht als Medienangebot. Sondern lediglich als Werkzeug.

Die Ignoranz holt Facebook ein

Diese Ignoranz gegenüber der eigenen Verantwortung hat Facebook nun eingeholt. Seit der US-Wahl im Jahr 2016 und den Vorwürfen der Wählermanipulation sieht sich das Unternehmen mit den Auswirkungen seiner über Jahre hinweg geförderten Geschäftsmodelle konfrontiert: Fake News sind ein strukturelles Problem, Hasskommentare ebenfalls. Die zunehmend aggressiveren Werbeformen stören viele Nutzer, deren Timeline immer häufiger aus Drittinhalten und Werbung besteht. In Deutschland und möglicherweise auch bald in der ganzen EU erfährt Facebook zudem politischen Widerstand.

Die nun angekündigten Änderungen seien keine politische Reaktion, sagen die Verantwortlichen von Facebook zwar – das kann man glauben oder nicht. Allerdings habe sich die Balance im Newsfeed verändert, gibt Mark Zuckerberg zu. Man habe erkannt, dass sich die Nutzer besser fühlen, wenn sie Inhalte von Menschen angezeigt bekommen, die ihnen etwas bedeuten. Anstatt passiv Nachrichten oder Videos zu konsumieren und Inhalte beiläufig zu liken, sollen sie deshalb künftig wieder mehr kommentieren und über persönliche Erlebnisse sprechen.

Zwischen den Zeilen gibt Facebook damit zu, dass die Strategie der vergangenen Jahre gescheitert ist. Deshalb will sich das Netzwerk wieder auf seine Ursprünge zurückbesinnen. Es soll wieder der Ort im Netz sein, in dem wir die Babyfotos unserer Freunde zur Kenntnis nehmen, uns über die jüngsten Bundesligaergebnisse aufregen und ehemaligen Kollegen, die wir seit fünf Jahren nicht mehr gesehen haben, zum Geburtstag gratulieren – all das, was im Lärm des immer schnelleren und marktschreierischen Newsfeed zunehmend untergegangen ist. All das, was den Reiz von Facebook einst ausgemacht hat.