Ergänzen Sie den folgenden Satz: Das Bitcoin-System verbraucht mehr Energie als __ :  A. Irland B. Sechs Flugzeugträger C. Drei Millionen US-Haushalte D. 116 Staaten dieser Erde. Alles richtig, glaubt man den Schlagzeilen und Berechnungen aus den vergangenen Monaten. Neben den starken Kursschwankungen wurde kein Aspekt stärker diskutiert als der steigende Energiehunger der Kryptowährung. 

Dieser sei vollkommen übertrieben, sagen die Kritiker. Um eine einzelne Bitcoin-Transaktion abzuwickeln, werde derzeit genauso viel Energie verbraucht, wie 17 US-Haushalte an einem Tag benötigen, heißt es im viel zitierten Bitcoin Energy Consumption Index. Tendenz steigend. Die digitale Währung sei somit weder nachhaltig noch verantwortlich in Zeiten des Klimawandels.

Vor falscher Panikmache warnen hingegen die anderen. Bitcoin werden die Weltmeere keineswegs zum Kochen bringen, sondern, im Gegenteil, letztlich sogar dabei helfen, Energie zu sparen. Zumal Bitcoin eben nicht nur Geld sei, sondern eine neue globale, sich weiterentwickelnde digitale Finanzinfrastruktur. Man dürfe den derzeitigen Energieaufwand nicht überbewerten. Jede Google-Anfrage verbraucht schließlich auch eine ganze Menge Strom.

Welche Seite hat nun recht? Die Antwort ist beide – und gleichzeitig keine.

Kohle aus der Mongolei, Solarpower aus der Gartenlaube

Eines der größten Probleme ist, dass es keine Möglichkeit gibt, an konkrete Daten über den tatsächlichen Stromverbrauch zu kommen. Bitcoin ist, wie jede andere Kryptowährung auch, ein dezentrales Projekt: Sie läuft nicht über Rechenzentren von Unternehmen, sondern über viele einzelne Computer rund um die Welt, die neue Bitcoin mit komplexen mathematischen Berechnungen schürfen oder Überweisungen abwickeln. Daher gibt es keine Institution, die in der Lage wäre, eine Statistik darüber zu führen, wie viel Energie wann aus welchen Quellen in das Bitcoin-Netzwerk geflossen ist.

Das Netzwerk kann zwar feststellen, wie viel Rechenleistung ihm von allen angeschlossenen Rechnern in Summe zur Verfügung gestellt wird. Aber nicht, wie effizient diese arbeiten, wo sie stehen und welcher Strom eingesetzt wurde, um sie zu betreiben. Eine Bitcoin-Transaktion könnte mit künstlich erzeugtem, vergleichsweise schmutzigem Kohlestrom aus der Mongolei, durch ohnehin vorhandene Geothermie auf Island oder mithilfe eines Solarpanels auf einer Gartenlaube in Chemnitz durchgeführt werden. Der genaue Verbrauch lässt sich somit nur schätzen.

Entsprechend gehen die Ergebnisse solcher Schätzungen mit aktuell zwischen neun und 45 Terawattstunden pro Jahr recht weit auseinander. Nicht nur wegen unterschiedlicher Annahmen, auf denen die Berechnungen beruhen, sondern auch in Bezug darauf, welche These die Daten letztlich stärken sollen. "Es gibt viele Wege, wie wir diese Zahl groß oder klein erscheinen lassen können, je nachdem, was wir euch denken lassen wollen", beschreibt der Bitcoin-Blogger Leo Weese das Dilemma.

Wenn man gegen die Währung lobbyieren würde, könne man sagen, allein das Schürfen neuer Bitcoin hat im vergangenen Jahr mehr Strom verbraucht als die anfangs erwähnten 116 Staaten dieser Erde. Andersherum ließe sich die Zahl aber auch klein erscheinen lassen. Man könnte sagen, allein die Drei-Schluchten-Talsperre in China produziere dreimal mehr Strom, als das Bitcoin-System benötigt. Oder der Energiebedarf der Währung sei geringer als der von 17 NSA-Datenzentren. Am Ende kommt es also immer auf den Standpunkt an.

Rechtfertigt Bitcoin seinen Energieverbrauch?

Unstrittig ist: Das Bitcoin-Netzwerk verbraucht in seiner jetzigen Form eine erhebliche Menge Strom. Entscheidender ist aber die Frage, ob dieser Verbrauch gerechtfertigt ist. Ist das, was Bitcoin leistet, also unterm Strich mehr wert als die Kosten, die es verursacht?

Eines der häufigsten Argumente gegen die Bitcoin-Währung in diesem Zusammenhang ist dessen Ineffizienz. Trotz des enormen Energiebedarfs könne das System nur eine sehr begrenzte Anzahl von Transaktionen verarbeiten, derzeit nur etwa drei bis zehn pro Sekunde. Insbesondere im Vergleich zu bestehenden Zahlungsdienstleistern wie beispielsweise Kreditkartenunternehmen, deren Systeme in einer Sekunde so viele Transaktionen abwickelten wie Bitcoin an einem ganzen Tag.

Dieser Leistungsvergleich ist zwar plastisch, aber irreführend. Denn es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen der Menge der Energie, die das Bitcoin-Netzwerk schluckt und der Anzahl an Transaktionen, die es ermöglicht. Es ist egal, ob zehn oder zehntausend Rechner gleichzeitig im Bitcoin-Netzwerk arbeiten. Die Transaktionskapazitäten werden dadurch nicht größer.

Bitcoin - Kryptowährung verbraucht zu viel Strom Für die Herstellung von Bitcoins werden dieses Jahr über 30 Terawattstunden Strom verbraucht. Das ist mehr Elektrizität als ganze Staaten benötigen. © Foto: Karen Bleier/Getty Images