Die EU hat sich in einem Brief an Facebook gewandt und vor negativen Auswirkungen auf demokratische Wahlen durch Datenmissbrauch gewarnt. Das soziale Netzwerk sei seit vielen Jahren eine Plattform für Politmarketing, schreibt EU-Kommissarin Věra Jourová in einem Brief an die Geschäftsführerin des Unternehmens, Sheryl Sandberg. Die jüngsten Nachrichten deuteten jedoch darauf hin, dass ein Mangel an Transparenz und der Missbrauch persönlicher Daten auch "negative Auswirkungen auf die Qualität dieser Debatte und sogar auf unseren Wahlprozess haben könnte". Die offiziellen Äußerungen des Konzerns und ihres Chefs Mark Zuckerberg hätten ihre Bedenken nicht ausräumen können.

Jourová wirft Facebook außerdem vor, die Beziehungen zur EU beschädigt zu haben. Man habe sich um ein vertrauensvolles Verhältnis bemüht und mehrfach gut zusammengearbeitet, heißt es in dem Brief an Sandberg. "Das Vertrauen ist jetzt geringer." Deshalb bittet Jourová um weitere Aufklärung seitens Facebook: Unter anderem fragt sie, ob EU-Bürger von dem aktuellen Datenskandal betroffen seien. Auch will die Kommissarin wissen, ob Sandberg sicher sei, dass sich ein solcher Fall heute nicht wiederholen könne. Sie wolle besser verstehen, wie Daten von Facebook-Nutzern ohne ihr Wissen in die Hände von Dritten geraten konnten. Sie forderte Facebook auf, innerhalb von zwei Wochen zu antworten. 

Vor rund einer Woche war bekannt geworden, dass sich die britische Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica unerlaubt Zugang zu Daten von rund 50 Millionen Facebook-Profilen verschafft hat. Mithilfe dieser Daten sollen Wähler im US-Präsidentschaftswahlkampf zugunsten von Donald Trump gezielt mit unerlaubter Wahlwerbung beeinflusst worden sein. Daraufhin hatte Jourová eine harte Gangart gegen das Unternehmen angekündigt. In der Bild am Sonntag verlangte sie von Facebook weitere Klarstellungen und drohte Konsequenzen an. Mit einem Verweis auf die verschärften europäischen Datenschutzregeln (DSGVO), die im Mai in Kraft treten, sagte die EU-Kommissarin: "Bei möglichen Strafen bis zu vier Prozent des weltweiten Umsatzes wird sich auch Facebook sehr genau überlegen, wie Datenmissbrauch künftig verhindert werden kann."

Facebook entschuldigt sich in Werbeanzeigen

Nach seinem Schuldeingeständnis im amerikanischen Fernsehen entschuldigte sich Facebook-Chef Mark Zuckerberg nun auch in Zeitungsanzeigen bei den deutschen Nutzern. "Es ist unsere Verantwortung, deine Informationen zu schützen. Wenn wir das nicht können, haben wir diese Verantwortung nicht verdient", heißt die Überschrift der Anzeige, die unter anderem in der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlicht ist. Die Anzeige ist wie ein Brief verfasst, mit Unterschrift von Zuckerberg.

"Du hast vermutlich gehört, dass die Quiz-App eines Wissenschaftlers im Jahr 2014 unerlaubt die Facebook-Daten von Millionen von Menschen weitergegeben hat. Das war ein Vertrauensbruch, und ich möchte mich dafür entschuldigen, dass wir damals nicht mehr dagegen getan haben." Facebook unternehme nun die notwendigen Schritte, um sicherzustellen, dass so etwas nicht noch einmal passiere.      

Zuckerberg hatte sich am Sonntag bereits in mehreren britischen Zeitungen für den Datenskandal entschuldigt. Am Montag hatte sich Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) mit europäischen Facebook-Vertretern in Berlin getroffen, um herauszufinden, wie viele deutsche Nutzer von dem Datenmissbrauch betroffen sind. Facebook sicherte ihr zu, alle Betroffenen zu informieren.