iPhone

Das iPhone sitzt am Lenker

Forscher an der Berliner FU steuern ein Auto mithilfe des Telefons. Eigentlich aber ist das ein Rückschritt, die Fahrzeuge können längst mehr.

Versuchsfahrzeug er FU Berlin. Steuern per Handy ist aber nur ein Schritt auf dem Weg in die mobile Zukunft, in der die Autos autonom fahren werden

Versuchsfahrzeug er FU Berlin. Steuern per Handy ist aber nur ein Schritt auf dem Weg in die mobile Zukunft, in der die Autos autonom fahren werden

Es ist windig in Tempelhof. Über dem verwaisten Rollfeld hängt ein grauer Regenschleier. Da leuchten Scheinwerfer auf. Ein weißes Fahrzeug rollt heran. Ohne Fahrer, wie von Geisterhand gesteuert. Von einem iPhone, um genau zu sein. Das drückt und dreht der Berliner Wissenschaftler mit chinesischen Wurzeln Miao Wang und steuert so Gas- oder Bremspedal sowie das Lenkrad der "Spirit of Berlin".

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So heißt der Wagen aus der Werkstatt der Freien Universität, die für ihre „Exzellenz“ längst ausgezeichnet wurde und mit dem iPhone-gesteuerten Van nun die Fantasie beflügelt: James Bond hatte zuletzt einen BMW mit seinem Mobiltelefon durch eine Parkgarage gejagt. Das Tempo des Vans auf dem stillgelegten Flughafen ist eher beschaulich. Außerdem machen Kameras, Laser und GPS-Sender auf dem Dach klar: Wir sind im Auftrag der Wissenschaft unterwegs.

Allen voran der 54-jährige Mexikaner Raul Rojas, der seit 1997 an der FU den Lehrstuhl für Künstliche Intelligenz innehat. Er und seine 26 Mitarbeiter steuerten die "Spirit of America" bei der Weltmeisterschaft der "autonomen Fahrzeuge" in Kalifornien im Jahr 2007 bis ins Halbfinale.

Den Dodge-Van hatten sie bei Ebay für 17.000 Dollar von einem Behinderten ersteigert. Dadurch waren Elektromotoren auf den Gas- und Bremspedalen des Fahrzeugs schon installiert, die Rojas "nur noch" mit Computern im Fonds des Vans und mit Lasern und Sensoren auf dem Dach verbinden musste – mit "Sinnen" und "Gehirn" des Autos.

Das mit der iPhone-Steuerung ist da fast schon ein Rückschritt: Denn normalerweise findet der Wagen selbst seinen Weg, wenn man ihm ein Ziel vorgibt. Die "Peilung" glückt auf "zehn Zentimeter bis fünf Meter genau", sagt Wang. Deshalb meint Rojas, dass der Wagen noch nicht ganz beulenfrei an der FU in Dahlem ankäme, wenn man ihn vom Flughafen dort hinschickte.

Aber dieses Problem wird in zehn Jahren gelöst sein. Deshalb ist dieser Wagen für Rojas Prototyp des "Grünen Autos" der Zukunft: wenn es Pools sich selbst steuernder Fahrzeuge gibt, die auf Anruf des "Beifahrers" vorfahren und am Zielort auf den Anruf des nächsten Gastes warten. Energieverschwendung durch unnötige Fahrten wäre dann Vergangenheit.

Aber vielleicht scheitert diese Vision auch am Fetisch-Charakter des Autos, den James Bond wie kein anderer beschwört und der das Teilen des Autos eigentlich verbietet.

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    • Von Ralf Schönball
    • Datum 3.11.2009 - 09:45 Uhr
    • Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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