High-Definition-TV Das HD-Dilemma

Deutschland ist beim Thema HD-Fernsehen nach wie vor ein Entwicklungsland. Neue Standards für den digitalen Empfang sollen das ändern, verunsichern aber mehr denn je.

HD-fähige Fernsehgeräte sind im aktuellen Weihnachtsgeschäft ein Verkaufsschlager. Die Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) schätzt, dass bis Jahresende 19 Millionen hoch auflösende TV-Geräte in den rund 38 Millionen deutschen Fernseh-Haushalten stehen werden. Schwierig wird es nur, wenn man damit auch HD-Programme empfangen will.

Eine ähnliche Erfolgsgeschichte kann der Empfang von HD-Signalen über Antenne, Kabel oder Sat-Schüssel nicht aufweisen. Über DVB-T ist HD gar nicht erst realistisch. Das hoch aufgelöste Signal würde zu viel der knappen Bandbreite beanspruchen. Kabel erweist sich als letzte Bastion des Analogen: Weder Kunden noch Betreiber haben es mit einer Umstellung auf HD besonders eilig. Erstere aus Gewohnheit, zweitere aus Kostengründen.

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Bleibt also nur der Digital-Satellit, den rund 31 Prozent der deutschen TV-Haushalte nutzen. Die Bemühungen haben hier zwar zugenommen. Aber gleiches gilt auch für die Verwirrung beim Kunden. Die Öffentlich-Rechtlichen sind derzeit im Endspurt ihrer Umstellung auf den unverschlüsselten HD-Regelbetrieb, der im Februar zu den Olympischen Winterspielen starten wird. Der Premiere-Nachfolger Sky hat derzeit sieben HD-Kanäle im Angebot, kämpft aber aufgrund finanzieller Schwierigkeiten um seine Zukunft. Und schließlich gibt es noch den Satellitenbetreiber SES Astra und dessen neue Plattform HD+.

HD+ soll sich nach den Plänen von Astra sowie der großen privaten Medienkonzerne RTL und ProSiebenSat.1 zur zentralen High-Definition-Plattform entwickeln. Als fulminant kann man den Start am 1. November mit RTL und Vox – ProSieben, Sat.1 und kabel eins folgen Anfang Januar – aber nicht bezeichnen, ganz im Gegenteil: Er fand mangels passender Receiver weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Zahlen nennt SES Astra zwar keine, rechnerisch dürfte dabei aber keine relevante Nutzerzahl herauskommen. HD+ setzt nämlich auf den neuen und umstrittenen Verschlüsselungsstandard CI+. Das Problem dabei: Es gibt derzeit (und in naher Zukunft) nur ganz wenige Neu-Geräte, die CI+ beherrschen. Eine Nachrüstung der über 700.000 zuvor von HD-Früheinsteigern gekauften Settop-Boxen mit speziellen Modulen, den so genannten Legacy-CAMs, macht außerdem erhebliche Schwierigkeiten: Derzeit kann nur ein einziger „alter“ Receiver nachträglich fit für HD+ gemacht werden.

Besonders umstritten sind im Zusammenhang mit CI+ die Möglichkeiten, die sich den Privatsendern bieten: Der neue Standard erlaubt es, das Aufzeichnen von Sendungen einzuschränken oder sogar ganz zu unterbinden. RTL, ProSieben und Co. können damit den digitalen Videorekorder quasi fernsteuern. Und werden diese Möglichkeit auch nutzen, wie RTL auf seiner HD-Info-Seite erklärt: Das Aufzeichnen auf Festplatten-Receivern, die CI+ unterstützen, wird „zunächst nicht gestattet“ sein, nur das zeitversetzte Fernsehen „Time Shift“. Eine Archivierung von HD-Material wird aus Angst vor hochwertigen Kopien, die dann im Internet landen, gleich generell ausgeschlossen.

Der Hintergrund ist klar: Die Zuschauer sollen Werbung nicht überspringen können. Für Astra-Sprecher Stefan Vollmer ist das eine nachvollziehbare Entscheidung, schließlich müssten die Privatsender ihr „Geschäftsmodell sichern“ und das sei eben die Werbefinanzierung: „Außerdem muss man bedenken, dass es die Privatsender ohne eine Plattform wie HD+ gar nicht in High Definition gäbe“, sagt Vollmer. Das ist natürlich nachvollziehbar: Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise wollen die Sender ihren Kunden ein attraktives und garantiertes Werbeumfeld schaffen. Ob diese Funktionsbeschränkung auch ein gutes Verkaufsargument für HD+ darstellt, ist aber zu bezweifeln.

Der Zuschauer hat nämlich das Gefühl, nicht nur entmündigt, sondern auch doppelt geschröpft zu werden. Zum einen muss er im Gegensatz zum Abo-Sender Sky Werbeunterbrechungen in Kauf nehmen, zum anderen fallen auch bei HD+ laufende Kosten an. Mit dem Kauf eines neuen Receivers ist das Angebot zunächst zwölf Monate lang gratis. Danach wird aber für HD+ eine „Servicepauschale“ von 50 Euro im Jahr fällig. Die habe nichts mit Pay-TV zu tun, betont man bei SES Astra. Sie diene nur zur Abdeckung der Kosten für die technische Bereitstellung und ist nicht abhängig von der Anzahl der ausgestrahlten Kanäle. Ob der Kunde das genauso sieht, bleibt indes fraglich. Zumal das Geschäft mit der HD-Übertragung nicht ausschließlich vom Kunden finanziert wird: SES Astra kassiert auch von den Sendern, die Miete zahlen, wenn ihr Programm via Astra übertragen wird.

Die Rolle des „echten“ Pay-TV ist ebenfalls noch unklar: Der Premiere-Nachfolger Sky, der eigene HD-Kanäle im Angebot hat, zögert noch mit einem Umstieg auf CI+. Zwar laufen derzeit noch Verhandlungen mit SES Astra, es deutet aber wenig darauf hin, dass sie von Erfolg gekrönt sein werden. So hat Sky gerade eine Aktion gestartet, bei der ein Neukunde zum Preis von 200 Euro einen Receiver und für acht Monate Zugang zu einem großen Teil seines Senderangebots, auch den sieben HD-Kanälen, bekommt. Für HD+ ist der Aktions-Receiver jedoch nicht geeignet.

Entspannt zurücklehnen können sich derzeit eigentlich nur jene TV-Zuschauer, denen das HD-Angebot der öffentlich-rechtlichen Sender genügt. ARD und ZDF verschlüsseln nicht und werden somit auf jedem HD-fähigen Receiver zu empfangen sein. Einen Eindruck davon kann man sich übrigens beim kommenden „Showcase“ machen, der vor und zu Weihnachten (ARD: ab 19. Dezember; ZDF: ab 17. Dezember) den letzten öffentlichen Probebetrieb darstellt.

Ein Test von HD-Fernsehen ist vor der Anschaffung generell zu empfehlen: Denn nicht jeder Besitzer eines HD-Fernsehers profitiert gleichermaßen von den hoch aufgelösten Signalen. So ist der Qualitätsgewinn auf Geräten mit einer Bilddiagonale von 32 Zoll zu vernachlässigen, ab einer bestimmten Sitzentfernung kann das menschliche Auge ohnehin keinen Unterschied zwischen HD und SD mehr erfassen. Ganz nebenbei ist nicht alles echtes HD, wo es draufsteht: Vielfach wird nämlich bei der TV-Ausstrahlung – etwa von Sport-Übertragungen – herkömmliches SD-Ausgangsmaterial genommen und per Software hochskaliert. Die HD-Bilder sind also nicht „nativ“, sondern künstlich per Software hochgerechnet.
 

 
Leser-Kommentare
  1. ...ist durchaus technisch möglich. Dazu braucht es aber neue Übertragungstechnik: Mit H.264 (auch MPEG-4 AVC genannt) und DVB-T2, wie es in Großbritannien gerade eingeführt wird, ist HD per Antenne problemlos möglich. Es ginge auch mit DVB-T, wenn sich auf 1280 x 720 Bildpunkte beschränken und statt dem alten MPEG-2-Kompressionsverfahren H.264 verwenden würde. Aber daran haben vor allem die privaten Sender leider nur wenig Interesse.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • fulton
    • 04.12.2009 um 12:38 Uhr

    Es stimmt schon, dass die Bandbreite eng ist aber technisch möglich ist es und wird in anderen Ländern auch eingesetzt.

    In D müsste man sich dann vielleicht von dem "Masse statt Klasse"-Denken trennen und Sender rauswerfen, aber wenn ich mir so ansehe, was da angeboten wird, hätte ich diverse Kandidaten parat.

    • fulton
    • 04.12.2009 um 12:38 Uhr

    Es stimmt schon, dass die Bandbreite eng ist aber technisch möglich ist es und wird in anderen Ländern auch eingesetzt.

    In D müsste man sich dann vielleicht von dem "Masse statt Klasse"-Denken trennen und Sender rauswerfen, aber wenn ich mir so ansehe, was da angeboten wird, hätte ich diverse Kandidaten parat.

  2. wartet der kluge Otto Normalverbraucher besser erst mal noch ein Weilchen, bis sich die Industrie, gedrängt vom Handel, dazu bequemt ein kundenfreundliches Angebot auf den Markt, und damit erst an den, gleichermaßen geneigten wie genervten, Verbraucher zu bringen!

    • fulton
    • 04.12.2009 um 12:38 Uhr

    Es stimmt schon, dass die Bandbreite eng ist aber technisch möglich ist es und wird in anderen Ländern auch eingesetzt.

    In D müsste man sich dann vielleicht von dem "Masse statt Klasse"-Denken trennen und Sender rauswerfen, aber wenn ich mir so ansehe, was da angeboten wird, hätte ich diverse Kandidaten parat.

  3. Der Computer ist der neue Fernseher – die Technik ist ziemlich egal, die Bildschirmgröße auch. Der meist nicht funktionierende Rest ist das DRM.

  4. 5.

    Was nutzt HDTV, wenn im Fernsehen nur Werbeverseuchter Misst läuft und auf Werbeverseuchter Misst in HD kann man sehr gut verzichten. Mit HD wird die Misere nur verschlimmert, wie viel würden sich extra einen HD Reciever kaufen, eine Jährliche pauschale zahlen um dann Filme nicht aufnehmen zu dürfen.

  5. Ist eine hochaufgelöste Banalität besser als eine Low-Definition Banalität ? Mir scheint, das ist eine Frage, die eines buddhistischen KoAns würdig wäre.....

  6. Barbara Salesh und verpickelte Assis in High Definition...!!!

    • Le0
    • 15.02.2010 um 9:07 Uhr

    ...sage ich immer und wozu auch? Seit Jahren werden die Leute doch verdummt! Da werden HD-Fernseher verkauft zuerst "HD-Ready", nun "Full-HD" und übermorgen wahrscheinlich "Final-HD 2.0". Aber andererseits wird gar kein HD-Fernsehen ausgestrahlt, bzw. ist gar nicht empfangbar. Warum also sollte sich ein Neandertaler ein Auto kaufen, wenn es gar keine Straßen gibt; nur weil er seine Höhle als Garage nutzen kann?
    Nun gut, ARD und ZDF wollen nun lossenden. Aber welcher Fernseher kann nun das Signal von 1280x720 Bildpunkten besser skalieren, d.h. besser und schneller verarbeiten und darstellen: der neue Fernseher mit Full-HD und 1920x1080 Bildpunkten oder der alte HD-Ready mit 1366x768 Bildpunkten? Stellen Sie mal diese Frage dem Fernsehverkäufer?
    Und zu guter letzt fragen Sie ihn, warum es keinen Fernseher mit 1280x720 Bildpunkten gibt.

    Vermutlich gibt es in 10 Jahren gar kein Fernsehen, Telefon und deren Kabel mehr, weil es nur noch ein Kabel mit "Internetanschluss" gibt, das alles beinhaltet; also abwarten und Tee/Kaffee trinken.

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