Neue Dimensionen 3-D ohne Brille

Geräte zur Aufnahme und Wiedergabe dreidimensionaler Bilder sind keine Spielerei mehr. Auf der Cebit präsentieren sich damit viele Firmen. Und alle hoffen auf einen Boom.

Cinemizer Plus heißt diese Videobrille, die beispielsweise an einen iPod angeschlossen werden kann, um darauf gespeicherte Filme zu betrachten

Cinemizer Plus heißt diese Videobrille, die beispielsweise an einen iPod angeschlossen werden kann, um darauf gespeicherte Filme zu betrachten

Immer wieder bilden sich Schlangen: vor dem Stand der auf Optik spezialisierten Firma Carl Zeiss, vor dem Vorführungsraum des Grafikchipherstellers Nvidia. Viele Besucher der diesjährigen Cebit wollen ausprobieren, wie 3-D außerhalb des Kinosaals aussieht. Es ist eines der großen Themen der diesjährigen Messe.

Dreidimensionale Ansätze sind nicht neu. Es gab immer wieder Versuche, die Technik zu etablieren. Doch nichts setzte sich bislang durch. Selbst der findige Game-Boy-Erinder Gunpei Yokoi scheiterte, als Nintendo vor 15 Jahren seinen Virtual Boy auf den Markt brachte. Die unhandliche Cyberbrille war ein Flop. Jetzt aber sei die Zeit reif für 3-D, so der Tenor der Messe.

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Doch noch immer kommt man nicht umhin, sich eine Brille auf die Nase zu setzen. Im Fall des Cinemizer Plus ist es sogar eine eher klobige Sehhilfe. Die bei Zeiss produzierte Shutterbrille – ihre Flüssigkristallschirme können zwischen durchsichtig und undurchsichtig umschalten – lässt sich an mobile Abspielgeräte wie den iPod Touch oder an Heimkonsolen wie die PlayStation3 anschließen. Hat man das Gerät aufgesetzt, fällt es schwer, die Finger davon zu lassen. Allerdings allein aus Angst, der Cinemizer Plus könne jeden Moment von der Nase fallen. Praktisch dagegen sind die integrierten Kopfhörer und dass sich die Schärfe von plus bis minus 3,5 Dioptrien einstellen lässt.

Für Zeiss kommt der 3-D-Hype gerade zur rechten Zeit. Mit Displays, die am Kopf befestigt werden, beschäftigt sich das Unternehmen bereits seit zehn Jahren. Bisher vornehmlich für medizinische oder industrielle Anwendungen. "Die Preise lagen bei vier- bis fünftausend Dollar, doch über die Jahre wurde die Displaytechnik günstiger, sodass wir jetzt ein Gerät wie den Cinemizer Plus für 300 Euro anbieten können", sagt Andreas Klavehn, der bei Zeiss die Abteilung Marketing und Verkauf von Multimediageräten leitet.

Dennoch: 300 Euro ist den meisten Besuchern zu teuer. Zudem zeigen sich einige Besucher von der VGA-Auflösung mit ihren 640 mal 480 Bildpunkten enttäuscht. "Das liegt daran, dass es eigentlich nur einen ernstzunehmenden Hersteller gibt, der Displays in der Größe von 0,4 Zoll anbietet", sagt Klavehn. Bei mobilen Abspielgeräten, die ohnehin keine bessere Bildqualität liefern können, fällt die Auflösung nicht ins Gewicht. Bei der aktuellen Spielkonsolengeneration sieht es jedoch anders aus. Hierfür müsste die Technik die hoch auflösende Schnittstelle HDMI unterstützen.

Das mag unausgereift klingen. Doch ist es wohl lediglich eine Frage der Zeit, bis sich die 3-D-Technik durchsetzen wird. Arbeiten doch viele Firmen mit Hochdruck an 3-D-Darstellungsmöglichkeiten. Nvidia, neben ATI einer der größten Grafikchiphersteller überhaupt, bewirbt zum Beispiel sein Produkt 3D Vision. Jede Stunde finden in einem Minikino Präsentationen mit Shutterbrille statt.

Bildschirmhersteller Hyundai IT indes stellt große 3-D-Displays aus, vor denen sich immer wieder Grüppchen scharen. Positiv: Man setzt sich elegante Brillen auf, die einem das Gefühl von Urlaub vermitteln – cool.

Auch beim Fraunhofer Institut glaubt man an den kommenden Boom: Das Heinrich-Hertz-Institut, das zu Fraunhofer gehört, hat in Kooperation mit der KUK Filmproduktion den Stereoscopic Analyser, kurz STAN, entwickelt. STAN ist ein Kamerasystem, das Hard- und Software in sich vereint und Stereobilder in Echtzeit aufnimmt sowie verarbeitet.

Stephan Gick, der das Team Digitale Kamerasysteme am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen leitet, verfolgt die Entwicklung seit über zwanzig Jahren. Er sagt: "Bislang waren das eher Gags, aber jetzt ist man mit der digitalen Technologie tatsächlich so weit, eine vernünftige Qualität zur Verfügung zu stellen." Hierzu müsse man dem Filmteam auch das entsprechende Werkzeug an die Hand geben, und so etwas sei STAN. "Dadurch können Kameraleute die Grammatik der 3-D-Produktion verstehen, denn das Aufnahmeverfahren ist weitaus komplexer", sagt Gick. Schließlich arbeitet es nicht mehr mit einer Linse, sondern mit zweien.

STAN ist kein Zukunftsprojekt, sondern wird bereits eingesetzt, etwa bei der Liveübertragung der Deutschen Tourenwagenmeisterschaft. Laut Gick das optimale Einsatzgebiet, dafür sei STAN wie geschaffen.

Handliche 3-D-Kameras für den Privatkunden zeigt derweil die Firma Aiptek in Hannover: In der neuen Produktreihe 3-D Emotion erscheint ein Camcorder namens i2 mit integriertem USB-Stick. Das Gerät soll Mitte des Jahres auf den Markt kommen und etwa 200 Euro kosten.

Eine weitere Anwendungsmöglichkeit zeigt Visumotion, ein aus Jena stammendes Dienstleistungsunternehmen für 3-D-Lösungen: Eines der drei großen Displays, das den Messebesuchern sofort ins Auge fällt, basiert auf einer mehrschichtigen Optik namens CLD (Chromatic Light Deflector). Die Darstellung wirkt freundlich, das Bild ist hell. Zudem benötigt der Betrachter keine Brille, um den 3-D-Effekt zu genießen. "Diese Technologie eignet sich optimal für Schaufensterwerbung, da sie einen förmlich dazu animiert, sich das Bild genauer anzuschauen", sagt Vertriebsleiter Jürgen Schöneburg. Und wie Recht er hat. Ohne Brille kommt 3-D richtig gut.

 
Leser-Kommentare
  1. Ich freue mich schon riesig auf 3D!... habe aber nicht vor mir ein solches Gerät anzuschaffen.

    Die Einführung von 3D bedeutet nämlich, dass die Preise für gewöhnliches HD in die Knie gehen werden, ...und ich kriege für einen kleinen Preis ein messerscharfes Bild:-))

    Einige wenige Filme, wie z.B. "Avatar", lohnen sich natürlich in 3D, ... aber dafür gibt es ja das Kino:-)

    • ztc77
    • 04.03.2010 um 0:28 Uhr

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Kommentaren an der Diskussion. Die Redaktion/cs

    • carol
    • 04.03.2010 um 9:37 Uhr

    ich habe schon 1993 eine HMD auf der cebit in VGA auflösung aufgehabt. damals war das total super und ich wollte mehr.

    2010 wird mir eine schlappe shutterbrille vorgestellt. als wenn ich mit meinem laptop (wie viele andere auch) so ein superdisplay habe möchte und hätte.

    was soll der scheiss? die sollen endlich mal eine flache HMD mit min. 1200 x 800 rausbringen! kann doch nicht sein, dass in fast zwei jahrzehnten man bei so einer schlüsseltechnologie keine fortschritte gemacht hat.

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