In Jalalabad, östlich der Hauptstadt Kabul, wächst ein drahtloses Netzwerk, ein WLAN. Am 3. Februar ging bereits der 25. Verteiler-Punkt ans Netz, der Ort Bagrami, ein Krankenhaus, Büros von Nichtregierungsorganisationen und ein Waisenhaus haben dank dessen inzwischen Zugang zum Internet. Mithilfe eines Projektes namens FabLab bauen junge Afghanen sich die Technik dafür selbst zusammen. Sie wollen so zur wirtschaftlichen Entwicklung ihres vom jahrzehntelangen Krieg gezeichneten Landes beitragen. Und zum Frieden.

Die Basis von FabLab ist ein zweistöckiger, sandfarbener Bau mit Dachterrasse am Dorfrand von Bagrami, etwas außerhalb von Jalalabad. Seit 2008 finden dort Internet-Kurse statt, Computer-Fortbildungen für Lehrer und Projekte für Schüler. Auch FabFi ist dort beheimatet, jene Initiative, die normale Menschen befähigen will, sich die WLAN-Technologie nach Afghanistan zu holen.

Gefördert wird es unter anderem vom amerikanischen Massachusetts Institute of Technology (MIT). Billige Materialien und leicht erlernbare Techniken sind Programm. Aus Fässern und Blech, aus Drähten und Büchsen bauen die Afghanen, angeleitet von amerikanischen Fachleuten, ein Funknetz auf, das Distanzen von mehreren Kilometern überwindet. Verteilerpunkte gibt es inzwischen an mehreren Orten in Jalalabad, alle paar Wochen kommen neue hinzu.

Von der FabLab-Basis geht das Signal in zwei Richtungen: Knapp 400 Meter weit bis ins Dorf Bagrami in nord-westliche Richtung; und fast vier Kilometer nach Norden bis in die Stadt Jalalabad. Auf dem städtischen Wasserturm, einem der höchsten Punkte der Stadt, steht eine Empfangsantenne, sie leitet die Signale weiter an das Krankenhaus der Stadt und an die Büros verschiedener Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Private Haushalte in einem Umkreis von bis zu vier Kilometern um den Wasserturm surfen ebenfalls über das WLAN.

Der Zugang zum Netz, so hofft die Amerikanerin Amy Sun vom FabLab-Projekt, ist für die Afghanen und ihr Land eine Chance. Denn das Internet bringe Informationen, die vielen Menschen in der Region sonst verschlossen blieben, die aber wichtig seien, um eine funktionierende Gesellschaft zu bauen, sagt Amy Sun. "Unser technischer Ansatz ist dazu ein Beitrag." Wenn auch nur ein kleiner. Denn Afghanistan sei mit seinen vielen Völkern und seiner wechselvollen Geschichte "ein komplexes Gebilde".

Für die wirtschaftliche Entwicklung Jalalabads allerdings könnte das WLAN entscheidend sein. Zwar sind bislang keine Betriebe angeschlossen. Doch ist das FabFi-Projekt nicht nur Hilfe für diese eine Stadt, sondern gleichzeitig ein Test, wie sich kabelloses Internet in Kriegs- und Krisenregionen bringen lässt.