iPad-DevCamp Zehn-Finger-Spielwiese
Was kann das iPad? Beim DevCamp, einem Entwicklertreffen, wurden ein Wochenende lang Visionen geprobt. Dabei ging es längst nicht nur um Spiele.
© TIMOTHY A. CLARY/AFP/Getty Images

Was das iPad wirklich kann? Im Moment weiß das noch niemand genau, alle jedoch warten und hoffen auf eine große Zukunft
Wenn 1000 Programmierer sich drei Tage lang einem Thema widmen, kommen die abenteuerlichsten Dinge heraus. Noch dazu, wenn das Thema das gerade zwei Wochen alte iPad ist. So präsentierten die Teilnehmer des ersten iPad DevCamps im kalifornischen San Jose einen Reigen meist halbgarer Software, die jedoch einen Ausblick auf die nächste Generation mobiler Computer gibt.
Spiele gehörten dazu, bei denen alle zehn Finger zum Einsatz kommen, grafisch elegante Programme, mit denen sich Texte in der "Cloud" ablegen und am Ende des Arbeitstages mit einer Handbewegung auf den Tablet-Rechner schieben lassen, statt sie in eine Aktentasche stopfen zu müssen.
Seit 2007 gibt es das Apple-Entwicklertreffen, bislang unter dem Titel iPhone DevCamp. Seine Erweiterung um den neuen Flachrechner ist durchaus eine qualitative Weiterentwicklung. Denn noch ist das iPad zwar nur ein Spielzeug für Technik-Begeisterte, doch wecken die Absatzprognosen Hoffnungen.
In der ersten Woche verkaufte Apple eine halbe Million Exemplare und Analysten rechnen mit sieben bis zehn Millionen verkauften Geräten im ersten Jahr, und noch einmal sechzehn bis zwanzig Millionen im zweiten Jahr.
"Früher kamen nur Programmierer", sagte Raven Zachary, einer der Organisatoren der ausverkauften Veranstaltung. "Jetzt haben viele einen Designer dabei. Das zeigt uns, dass ein größerer Bildschirm neue Anforderungen an Ästhetik und Benutzerfreundlichkeit stellt."
Zacharys Firma Small Society hat sich auf iPhone-Anwendungen spezialisiert und betreut seit der Markteinführung des Tablets vier von insgesamt 18 Projekten speziell für das neue Gerät. "Es ist eine schwierige Entscheidung für Kunden", sagt er, denn noch sei der iPad-Markt winzig, der für iPhones und iPods sei 150-mal größer. "Aber man kann nicht einfach eine bestehende Anwendung aufblasen und ist fertig. Man muss anders denken."
Um Geld ging es auf dem DevCamp allerdings nur am Rande. Wer dort das Wochenende opferte, wollte vor allem Teil einer neuen Bewegung sein. Die Teilnehmer hatten 72 Stunden Zeit, um brauchbare Anwendungen zu basteln. Mehr als 50 Vorschläge wurden eingereicht: von Spielen über Produktivitätslösungen bis hin zu Bildungs-Software und e-Commerce-Anwendungen, mit der auch die kleinste Imbissbude ans Netz gehen kann.
Gerade Spiele nutzten die Möglichkeit, das iPad zum Mittelpunkt einer neuen Form der Geselligkeit zu machen, die über die von Spielkonsolen hinausgeht. Funktioniert es doch als vernetztes Spielbrett, das mehrere iPhones oder iPods zu einem elektronischen Schwarm verknüpfen kann.
Einen Vorgeschmack, wie sich das iPad auch in die Arbeitswelt einfügen könnte, wenn es seine Kinderkrankheiten überstanden hat, gab die Demonstration des Quartetts Double Gravity aus San Francisco. Ihr Programm namens "Relay" erlaubt es, am Ende eines Arbeitstages unerledigte Dateien, Browserfenster und Playlisten mit einer eleganten Geste vom Rechner auf dem Schreibtisch des iPad zu verschieben (http://github.com/zac/relay). Die vier Programmierer schrieben die auf dem DevCamp-Preis gekrönte App als Open Source-Anwendung nebenbei und haben bislang keine Pläne, sie zu verkaufen, so Zac White. "Die Idee kam mir aus Frust, dass ich meine Musik nicht fertig hören konnte, bevor ich abends aus dem Büro ging. Aber das Konzept lässt sich auf alle möglichen Dateien anwenden, die man mitnehmen will."
Etwas ratlos waren die in San Jose versammelten Hacker angesichts der Frage, ob das iPad künftig vor allem zum Konsum fertiger Inhalte wie etwa Filmen oder zum Umsetzen eigener Ideen eingesetzt werden wird. Dazu ist die Bedienung noch zu ungewohnt. Eine Teilnehmerin etwa verfiel angesichts einer Software-Vorführung darauf, einen Hand geschriebenen Zettel vor die Kamera zu halten: "Benutzt beide Hände!" Denkt man diese Forderung konsequent weiter, bedeutet es wohl, dass das Konzept der Dateien und Ordner, auf die man deutet oder klickt, überholt ist.
Die IT-Legende Larry Tesler, der bereits in den siebziger und achtziger Jahren bei Apple an der Zukunft tragbarer Rechner arbeitete, sieht das iPad als logische Weiterentwicklung des Dynabooks von Alan Kay. Der träumte 1968 von einem "Rechner für Kinder jeden Alters". Tesler sagte: "Die Vision eines tragbaren digitalen Assistenten ist mindestens vierzig Jahre alt, auch wenn Flachbildschirme und Multitouch damals Träume waren." Doch müsse man bei mobilen Produkten große Kompromisse eingehen, beim Speicher, beim Gewicht, bei den Batterien." Mit der Zeit lösen sich diese Probleme jedoch von alleine."
So ungewohnt eine virtuelle Tastatur heute sei, so sicher ist sich der ehemalige Apple-Entwickler, dass es schon bald eine Technologie geben wird, die den Fingern die Illusion eines richtigen Keyboards vorgaukelt. Vielleicht in Form eines Klebefilms. "Auch beim Bildschirm, der sich drinnen wie draußen gut lesen lässt, werden wir bald einen Durchbruch sehen."
Chi-Hua Chien verwaltet Risikokapital bei Kleiner Perkins. Er sagt, er sehe einige Marktsegmente, auf die Entwickler ihre Anstrengungen konzentrieren sollten: Gesundheitswesen, Bildung und Erziehung sowie die multimediale Lektüre in der bislang vagen Schnittmenge von Print, Web und Fernsehen.
Tesler ist sich nicht sicher, wie viel Kreativität das iPad überhaupt erlaubt. "Ich habe das iPad am Anfang auch als reines Konsumgerät betrachtet, aber ich bin dabei, meine Meinung zu ändern." Zwar werde es im ersten Jahr eine Welle von Spiele-Apps geben, doch bald darauf werde wohl eine zweite Welle aus "Produktivitäts-Apps" anrollen.
- Datum 19.04.2010 - 11:20 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Bisher war ich ein IPad-Zweifler, oder auch ein Apple Ketzer. ;-)
Dieser Artikel bringt mich über die Sinnhaftigkeit dieses Gerätes zum Nachdenken.
Die Mitwettbewerber dürften bald Nachziehen und dann beginnt das vergleichen. Man darf gespannt sein.
ich "Macianer" bin ist mir der eigentliche Vorteil des iPads noch nicht ganz klar.
Das schöne am Spielzeug iPhone war doch, dass es so klein ist und man es immer dabei hat. Ich bin mir nicht sicher ob es diese Nische zwischen Macbook und iPhone, auf die Apple mit dem iPad setzt, wirklich gibt. Wenn alle OS X Anwendungen darauf liefen, wäre es perfekt, aber so....
„Ich habe das iPad am Anfang auch als reines Konsumgerät betrachtet, aber ich bin dabei, meine Meinung zu ändern.“ (Larry Tesler, APPLE)
Ich tue es immer noch. Ich betrachte aber Zeit-Online mittlerweile mit einer anderen Meinung.
Ich meiner einen Rechner mit 8 Zoll Bildschirm, der Multitouch ermöglicht ist doch nix soo Neues.
Warum sollen darauf plötzlich Apps interessant, möglich sein, die auf den anderen Geräten nicht gingen...
hä?
ich habe gerade das iPad live gesehen und bin davon überzeugt dass derartige Geräte die Zukunft sind. Es gibt praktisch keine Wartezeiten und alles ist extrem intuitiv. Beim Klick eines Programmes ist es gestartet und die Unterbindung daß Programme parallel geöffnet werden hat den Vorteil daß man nie den Bildschirm mit 20 Fenstern zugekleistert hat wie es bei herkömmlichen Betriebssystemen leider oft der Fall ist.
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