iPhone 4g Industriespionage oder Werbung?
Das Technikblog Gizmodo hat ein geklautes iPhone der neuen Generation gekauft und aufgeschraubt. Juristisch sauber ist das nicht, stolz zeigt man es trotzdem.
© Justin Sullivan/Getty Images

Apple-Chef Steve Jobs hätte das herausgeschmuggelte iPhone gerne zurück
Nach all der Aufmerksamkeit, die Apples neues Wunder-Tablet iPad aufgesogen hat, wäre es dem kalifornischen Unternehmen sicherlich schwer gefallen, ähnliches Aufsehen für seine nächste iPhone-Generation zu erzeugen. Wäre da nicht ein Mensch auf die Idee gekommen, ein iPhone aus den heiligen Hallen des sehr auf Geheimhaltung bedachten Konzerns zu schmuggeln. Und hätte dieser Unglückliche sein mutmaßliches Diebesgut nicht ausgerechnet in einer Kneipe unweit der Apple-Zentrale im kalifornischen Redwood City liegen lassen. Und hätte es dort nicht eine findige Gestalt gefunden, von seiner Verkleidung als iPhone 3GS befreit und als iPhone der 4. Generation identifiziert, um es dann für 10.000 Dollar an das Technik-Blog Gizmodo zu verkaufen.
Die auf technische Spielereien und Hightech-Produkte spezialisierte Internetseite Gizmodo.com präsentierte jetzt detaillierte Fotos und Spezifikationen des Smartphones. "Wir haben es auseinandergenommen. Es ist das echte, keine Zweifel. Und hier sind die Details", schreibt Blogger Jason Chen zu Beginn seines umfangreichen Artikels. Dann schildert er minutiös alle Besonderheiten des neuen iPhones. Unter anderem einen leistungsstärkeren Akku, eine 3.2 Megapixel Kamera, ein Kamerablitz, 32 Gigabyte Speicher und eine Front-Kamera etwa fürs Chatten. Außerdem mutet das Telefon optisch technoider an, weil die runden Kanten einer glatten Umrandung gewichen sind.
Jason Chen schließt seine erste Besprechung mit dem Urteil, dass Apple viele Features geliefert habe, die sich die Leute gewünscht hätten. Wer sich vor zwei Jahren ein iPhone 3G zugelegt hätte, sei jetzt in einer guten Position, sich mit dem Kauf eines 4G dramatisch zu verbessern. "Dieses iPhone der nächsten Generation sieht aus wie ein Gewinner", schreibt er. Bessere Werbung kann sich ein Unternehmen kaum wünschen.
Nach Angaben des Technologie-Kenners John Gruber handelt es sich tatsächlich um einen Prototyp des neuen iPhones. Es sei ein "offenes Geheimnis", dass Gizmodo ihn vergangene Woche von den "Findern" gekauft habe, schreibt Gruber auf seinem Blog Daring Fireball. Apple hat inzwischen offiziell bestätigt, dass man sehr interessiert daran sei, das Gerät zurückzubekommen. Der Konzern glaube außerdem, dass es nicht verloren, sondern gestohlen worden sei. Ein Gedanke, den die Autoren bei Gizmodo offensichtlich auch schon hatten. Schreiben sie doch in ihrer süffisanten Antwort auf die Rückforderung: "Happy to have you pick this thing up. Was burning a hole in our pockets. Just so you know, we didn’t know this was stolen when we bought it." Es habe ihnen "ein Loch in die Tasche gebrannt", offensichtlich heiße Ware also.
Deshalb fragt jetzt auch unter anderem der britische Guardian, ob Gizmodo in seiner Technik-Begeisterung nicht zu weit gegangen ist. Immerhin hat man gestohlenes Eigentum aufgekauft und aufgeschraubt, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Man kann nur hoffen, dass man nie etwas in einem Café liegen lässt, das aussieht wie ein extrem gut getarntes Gerät der nächsten Generation. Sonst wäre es vor den neugierigen Schraubenziehern einiger High-Tech-Blogger wohl ebenso wenig sicher.
- Datum 20.04.2010 - 13:25 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, AFP
- Kommentare 53
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Leider ist das Bild was hier zum Artikel gepostet wurde falsch. Das ist ein altes Mockup. Das iPhone der vierten Generation was bei Gizmodo gezeigt wird sieht anders aus und dieses Bild wurde in diesen Zusammenhang auch von Gizmodo nicht veröffentlicht.
Apple und die genannte Webseite arbeiten offensichtlich zusammen. Und deutsche Zeitungsredakteure scheinen auch übestochen worden zu sein, oder laufen Steve Jobs wie dem Rattenfänger der Gebrüder Grimm nach.
Ich werde mir ein anderes Smart-Phone besorgen; allein schon, weil ich nicht von euch für dumm verkauft werden will.
Die Stammtischidee, dass Apple das eingefädelt hat, um hintenrum Werbung zu machen, liest man überall von den gleichen schlichten Geistern. Aber dass Apple in der Tat ein Gerät aus der Hand gibt und sich Monate vor der eigenen Ankündigung sämtlicher Hardware-Einzelheiten entledigt und damit selber nix mehr anzukündigen hat, wenn es dann soweit ist, ist einfach extrem unwahrscheinlich. Das langsame Aufbauen von Spannung und Hype und Spekulationen und Gerüchten ist nämlich deren Spezialität.
Und damit ist es jetzt erstmal vorbei, die Katze ist aus dem Sack. Das ist ein GAU für das Apple-Marketing.
Und Gizmodo wird sich damit gehörig ins Bein geschossen haben. Der Ankauf eines Prototypen, der ganz offensichtlich Apple gehört (sonst hätten sie nicht soviel dafür bezahlt) ist Hehlerei und Gizmodo wird abgesehen von allen legalen Folgen von nun an von Apple behandelt werden wie Luft.
Dass sie inzwischen sogar den armen Apple-Angestellten, der das Ding in einer Kneipe verloren hat, mit Bild und Namen vorgestellt haben, ist einfach nur unsäglich. Das ist Pageview-Prostitution der übelsten Sorte.
Die Stammtischidee, dass Apple das eingefädelt hat, um hintenrum Werbung zu machen, liest man überall von den gleichen schlichten Geistern. Aber dass Apple in der Tat ein Gerät aus der Hand gibt und sich Monate vor der eigenen Ankündigung sämtlicher Hardware-Einzelheiten entledigt und damit selber nix mehr anzukündigen hat, wenn es dann soweit ist, ist einfach extrem unwahrscheinlich. Das langsame Aufbauen von Spannung und Hype und Spekulationen und Gerüchten ist nämlich deren Spezialität.
Und damit ist es jetzt erstmal vorbei, die Katze ist aus dem Sack. Das ist ein GAU für das Apple-Marketing.
Und Gizmodo wird sich damit gehörig ins Bein geschossen haben. Der Ankauf eines Prototypen, der ganz offensichtlich Apple gehört (sonst hätten sie nicht soviel dafür bezahlt) ist Hehlerei und Gizmodo wird abgesehen von allen legalen Folgen von nun an von Apple behandelt werden wie Luft.
Dass sie inzwischen sogar den armen Apple-Angestellten, der das Ding in einer Kneipe verloren hat, mit Bild und Namen vorgestellt haben, ist einfach nur unsäglich. Das ist Pageview-Prostitution der übelsten Sorte.
Auf Gizmodo ist von 5000$ die Rede.
begebt Euch schon mal in die Startlöcher, um dieses Apfeltelefon der neuesten Generation zu ergattern. Den Vorgänger, der vermutlich auch in Eurem Besitz ist, schmeißt ihr einfach weg. Gibt ja genug Edelmetallgruben im Herzen Afrikas, aus welchen die Metalle geschürft werden können, die man zum Bau dieser Miniportale zur Welt benötigt. Wir sind schließlich die Krone der Schöpfung und zum Konsum allein wurden wir geboren.
Schön brav in Reih' und Glied.
Die Features, die auf Gizmodo.com bekannt gegeben werden, hätte sich wohl jeder denken können. Größerer Akku, höhere Auflösung, Kamera zum Chatten...bla bla.
Das einzige wirklich überraschende ist der Austauschbare Akku, aber der ist ja im Vergleich zu anderen Mobiltelefonen nichts besonderes.
Kein Aufreger! Auch nicht für Apple, vor allem wenn man die Werbung bedenkt...
Ja, Apple hat kräftig Presse mit diesem Marketingschachzug gemacht. Aber objektiv gesehen ist das Gerät extrem teuer, schwer zu benutzen (iTunes usw) und relativ eingeschränkt. Das iPhone ist nichts anderes als ein Statussymbol.
Liebe Redaktion, Bilder dieses Vorserienmodells sind überall im Netz und das, was ihr da zeigt, ist etwas völlig anderes. Von 32GB Speicher und einer 3,2 MP Kamera ist auch nirgendwo die Rede, das Ding war nämlich schon lange deaktiviert worden und solche Einzelheiten nicht mehr zu ermitteln.
Bitte beschränken Sie sich auf sachliche Kritik, die wir gerne entgegennehmen. Danke. Die Redaktion/sh
Irgendwann kommt eine bestimmte Art von Werbung an ihre Grenzen. Spätestens, wenn der dämlichste Dorfdepp erkannt hat, wie gefaked die "Stories" sind!
Apples Produkte mögen Kult sein, sie sind aber nicht das Non-Plus-Ultra in Sachen Technik, auch wenn sie zuweilen innovativ sind und andere Geräte bieten bessere oder schlicht mehr Funktionen. Wer gern viel zahlt, nur um ein "Statussymbol" in der Hose tragen zu können, mag dies tun. Ich wähle auch weiterhin das beste für mein Geld aus, auch wenn kein Apfel als Logo darauf zu sehen ist :-P
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