WePadDer talentierte Mr. von Ankershoffen

Das WePad sollte eine Erfolgsstory werden. Doch Zeitnot, Dummheit und Überforderung machten daraus vor allem einen PR-Flop. Ende April will man es noch einmal versuchen. von Axel Postinett

Verkrampft wurde das WePad bei der Präsentation festgehalten, niemand sollte daran herumspielen - aus gutem Grund, zu spielen gab es nichts

Verkrampft wurde das WePad bei der Präsentation festgehalten, niemand sollte daran herumspielen - aus gutem Grund, zu spielen gab es nichts  |  © Andreas Rentz/Getty Images

Geheimnisvoller als beim Technologieriesen Apple sollte es werden, niemand außer dem aufgeregten Mann mit dem schwarzen Anzug, dem roten Schal und den wirren Haaren durfte "es" berühren. Das WePad, die deutsche Antwort auf das amerikanische Wunder-Tablet iPad. Dessen Marktstart musste in Deutschland gerade erst um einen Monat auf Ende Mai nach hinten verschoben werden, weil man mit der Fertigung des Traums in Alu und Glas gar nicht hinterherkommt.

Zunächst lief alles gut für den Geschäftsführer der bis dato nahezu unbekannten Neofonie AG mit dem außergewöhnlichen Namen Helmut Hoffer von Ankershoffen. Als David im Kampf gegen Goliath hielt er die üblichen Reden, Powerpoint-Präsentationen, wichtige Testemonials von wichtigen Leuten. Doch dann kam der gefährliche Teil für den 37-Jährigen. Der Moment der Wahrheit, wenn die Szene das neue Spielzeug sehen will, rumspielen will, Knöpfe drücken.

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Sein Kompagnon, Stefan Odörfer, er ist der Techniker von beiden, presste bei der Präsentation das WePad fest mit beiden Händen schützend auf den Tisch. "Können Sie das Gerät mal bedienen?" kam die schüchterne Frage. "Nein." Stille. "Warum nicht?" "Wir haben den Touchscreen deaktiviert, damit nicht jeder damit rumspielt." Aha. So ist das also.

Doch es kommt noch besser, wie ein Video, das über Youtube abgerufen werden kann, dokumentiert: Auf die erneute Bitte, das Gerät zu bedienen, lautete die Antwort nur "Ne, dafür müsste ich den Touchscreen" aktivieren. Auf die Aufforderung hin "Dann machen Sie doch", holte der überforderte Protagonist zum finalen Rettungsstoß aus: "Das will ich aber nicht." Eine Journalistin meint, jetzt müsste doch mal einer die versteckte Kamera herausholen. Doch von Scherz keine Spur. Die meinen das ernst.

Die Branche ist bestürzt. Ist das der Cargolifter der IT-Industrie?

Die Show des talentierten Mr. von Ankershoffen geht weiter. Es gab Preise für das WePad, Liefertermine, Ausstattungsdetails. Das WePad sei dem iPad durchaus ebenbürtig und übertreffe es in vielen Funktionen sogar, pries der Neofonie-Chef die eigene Entwicklung. Wo das iPad sich elegant und exklusiv gebe, solle die Berliner Variante vor allem nützlich und erschwinglich sein. Der deutsche Tablet-PC soll sogar mehr bieten als das iPad: Eine Kamera gehört zu seiner Ausstattung, Geräte wie externe Festplatten oder Drucker lassen sich anders als beim großen Bruder von Apple einfach per USB anschließen.

Leserkommentare
  1. ... 30min vom Flughafen bis zur Pressekonferenz reichen nicht zum Aufspielen des OS, Windows war pre-installed, zum Glück hatte man das Video. Ja, die Begründung ("weil wir nicht wollen") war unglücklich. Ansonsten hätte ich mir von der Zeit ordentliche Recherche (wie sonst eigentlich ja meistens) gewünscht. Zum Beispiel zu den technischen Details, zu Vertriebspartnern, und -wegen, oder auch zum Thema, welchen Zweck eine beabsichtigte Täuschung, ein falscher Hype, oder wie auch immer man es nennen möchte, denn eigentlich erfüllen würde (Ergebnis höchstwahrscheinlich: Keinen, denn welche Firme möchte sich schon gezielt lächerlich machen?)

    • Noyce
    • 17. April 2010 18:50 Uhr

    Sorry, ich hab' kein Verständnis dafür, dass man ein Gerät der Öffentlichkeit vorstellen will, das noch nicht funktioniert. Mir fällt nur dieser Satz mit den großen Hunden ein...

  2. Also ein Pad vorzustellen das nicht funktioniert ist doch nett, da müssen die Leute sich nicht über Funktionen audlassen sonder nur warum man bei der Firma von Marketing noch nicht mal eine Grund Ahnung hatt.

    Selbst ein2 2 Stunden versüätung mit der Ausrede das das Pad beim Zoll Probleme hatte, wäre zwar auch nicht gut gewesen aber die Presse hätte ein PAd gesehen was funktioniert und hätte so posetiv berichtet.

    So ist die Frage imer noch:" Funktioniert es denn überhaupt? "
    Wenn nicht würde man verstehen warum man es nicht zeigte und leiber erst mal einige Vorbestellungen abgriff um an Geld für Weiterentwiklung zu kommen. Wenn es funktioniert wird man in 1 Monat über den Auftritt lachen und es als Gratis PR vermarkten die Mehr Aufregung verursacht hat als jede normale Präsentation.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, handelsblatt.com
  • Schlagworte Apple | Akku | Cargolifter | Linux | Spielzeug | Tablet
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