Verkrampft wurde das WePad bei der Präsentation festgehalten, niemand sollte daran herumspielen - aus gutem Grund, zu spielen gab es nichts © Andreas Rentz/Getty Images

Geheimnisvoller als beim Technologieriesen Apple sollte es werden, niemand außer dem aufgeregten Mann mit dem schwarzen Anzug, dem roten Schal und den wirren Haaren durfte "es" berühren. Das WePad, die deutsche Antwort auf das amerikanische Wunder-Tablet iPad. Dessen Marktstart musste in Deutschland gerade erst um einen Monat auf Ende Mai nach hinten verschoben werden, weil man mit der Fertigung des Traums in Alu und Glas gar nicht hinterherkommt.

Zunächst lief alles gut für den Geschäftsführer der bis dato nahezu unbekannten Neofonie AG mit dem außergewöhnlichen Namen Helmut Hoffer von Ankershoffen. Als David im Kampf gegen Goliath hielt er die üblichen Reden, Powerpoint-Präsentationen, wichtige Testemonials von wichtigen Leuten. Doch dann kam der gefährliche Teil für den 37-Jährigen. Der Moment der Wahrheit, wenn die Szene das neue Spielzeug sehen will, rumspielen will, Knöpfe drücken.

Sein Kompagnon, Stefan Odörfer, er ist der Techniker von beiden, presste bei der Präsentation das WePad fest mit beiden Händen schützend auf den Tisch. "Können Sie das Gerät mal bedienen?" kam die schüchterne Frage. "Nein." Stille. "Warum nicht?" "Wir haben den Touchscreen deaktiviert, damit nicht jeder damit rumspielt." Aha. So ist das also.

Doch es kommt noch besser, wie ein Video, das über Youtube abgerufen werden kann, dokumentiert: Auf die erneute Bitte, das Gerät zu bedienen, lautete die Antwort nur "Ne, dafür müsste ich den Touchscreen" aktivieren. Auf die Aufforderung hin "Dann machen Sie doch", holte der überforderte Protagonist zum finalen Rettungsstoß aus: "Das will ich aber nicht." Eine Journalistin meint, jetzt müsste doch mal einer die versteckte Kamera herausholen. Doch von Scherz keine Spur. Die meinen das ernst.

Die Branche ist bestürzt. Ist das der Cargolifter der IT-Industrie?

Die Show des talentierten Mr. von Ankershoffen geht weiter. Es gab Preise für das WePad, Liefertermine, Ausstattungsdetails. Das WePad sei dem iPad durchaus ebenbürtig und übertreffe es in vielen Funktionen sogar, pries der Neofonie-Chef die eigene Entwicklung. Wo das iPad sich elegant und exklusiv gebe, solle die Berliner Variante vor allem nützlich und erschwinglich sein. Der deutsche Tablet-PC soll sogar mehr bieten als das iPad: Eine Kamera gehört zu seiner Ausstattung, Geräte wie externe Festplatten oder Drucker lassen sich anders als beim großen Bruder von Apple einfach per USB anschließen.