MobilfunkWettervorhersage per SMS

Wettervorhersagen für Afrika sind schwierig, weil Daten fehlen. Dabei könnten sie Leben retten. Ein UN-Projekt rüstet daher Handymasten zu Messstationen auf. von 

Ein Mobilfunkmast wird mit Geräten aufgerüstet, die Wetterdaten sammeln und an Vorhersagedienste senden können.

Ein Mobilfunkmast wird mit Geräten aufgerüstet, die Wetterdaten sammeln und an Vorhersagedienste senden können  |  © Ericsson

Die rot-weiß gestrichenen Masten überragen Hütten und Bäume. Meist stehen sie etwas außerhalb der kleinen Dörfer im roten, afrikanischen Sand. Es sind Mobilfunkmasten und sie verbinden die abgelegenen Gegenden mit der Welt. Doch immer öfter sind Handysender in Afrika noch mehr: Wettermessstationen. Sie liefern Daten zum Wetter und helfen so, Hungersnöte und Epidemien zu verhindern und die Folgen des Klimawandels zu beobachten.

Die Informationen über Wetterlagen in Afrika sind dünn, dementsprechend schlecht sind die Vorhersagen. Ob Überschwemmungen oder sengende Hitze, die Bauern werden vom Wetter überrascht und können sich nicht darauf einstellen. Der schwedische Handyhersteller Ericsson, das afrikanisch-arabische Mobilfunk-Unternehmen Zain und eine Tochterorganisation der Vereinten Nationen haben sich in der Initiative Weather Info for all (WIFA), Wetter-Informationen für alle, zusammengeschlossen. Sie rüsten Handymasten zu Wetterstationen auf.

Anzeige

Das Handynetz in Afrika deckt inzwischen rund neunzig Prozent der bevölkerten Gebiete ab, entsprechend viele Handymasten und Möglichkeiten zum Aufrüsten gibt es.

Die Messinstrumente werden über den Sendemast mit Strom versorgt, sie sind mit ihm eingezäunt und so gegen Diebstahl gesichert. Der größte Vorteil aber ist, dass die gesammelten Daten gleich über die Mobilfunkmasten versendet werden. Die funken sie über den Standard GSM an die Wetterbeobachtungsstationen der einzelnen Länder, wo sie verarbeitet werden.

Gemessen werden unter anderem Temperatur und Luftfeuchtigkeit, Windrichtung und -stärke, Luftdruck und Sonneneinstrahlung. Die Instrumente halten den großen Temperaturschwankungen und extremen Witterungsbedingungen in Ostafrika stand; erheben und verarbeiten die Daten vollautomatisch. Eine Wartung ist nur selten erforderlich.

Das Netz an Mess-Stationen wird langsam dichter, die verfügbaren Informationen besser, die Vorhersagen genauer. In den ersten Monaten des WIFA-Projekts sind bis jetzt knapp zwei Dutzend Stationen entstanden, vor allem an der Ostküste Afrikas in Kenia, Tansania, Uganda und um den Viktoria-See. Bis zum Jahr 2012 sollen es 490 automatische Wetterstationen sein, das Ziel in ein paar Jahren sind Fünftausend.

Das Projekt ist als Public-Private-Partnership ein Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen Nichtregierungsorganisationen und Unternehmen. Die Instrumente bauen Amerikaner bei Fairmount Weather Systems, Strom und Unterstützung kommen vom Mobilfunkunternehmen Zain, betreut und gefördert wird die Initiative von der UN-Tochter WMO und vom Earth-Institute der amerikanischen Columbia Universität. Gemeinsam tragen die Partner mit Sponsoren die Kosten.

Leserkommentare
  1. Ich finde es äußerst gut, dass solche Messstationen aufgerüstet werden. nicht nur in Afrika, sondern überall auf der Welt machen solche Stationen Sinn - zumal eine Benachrichtigung per SMS nicht teuer ist und Leben retten kann. Ich hab mal vor geraumer Zeit unter http://www.sms-guide.de/s... einen SMS Service mit Unwetterwarnung gefunden, der mich als Bauer vor größeren Katastrophen schützt. Davon sollte es viel mehr geben - von mir aus auch gegen eine geringe Gebühr! Gruß, Karlo_do

  2. ... gerade wenn man bedenkt, dass wir hier in Mitteleuropa so genaue Wettervorhersagen haben. Die Idee mit den Handymasten ist super!

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Ericsson | SMS | Cholera | Handy-Hersteller | Klimawandel | Malaria
Service