Das Herz eines modernen Autos schlägt heute nicht mehr im Motor. Vielmehr pulst in seinem Inneren ein Prozessor und gibt den Takt vor. Die meisten Funktionen, vom Bremsen bis zur Tacho-Anzeigen, sind elektronisch gesteuert. "Heute basieren 90 Prozent aller Innovationen im Auto auf Software und Elektronik", sagte Ulrich Weinmann, Geschäftsführer der BMW Car IT.

Das Interview mit dem Handelsblatt , in dem er das sagte, ist schon sieben Jahre alt. Inzwischen sind die Autos noch viel weiter. Ein Blick auf die aktuelle Pannenstatistik des ADAC zeigt: Schäden an der Fahrzeugelektronik waren mit über 40 Prozent der häufigste Anlass für Ärger. Zum Vergleich: Nur 7,6 Prozent der Wagen hatten Probleme mit dem Motor.

Dass die Bordvercomputerung sogar regelrecht gefährlich werden kann, legt eine Studie amerikanischer Sicherheitsforscher nahe, die diesen Mittwoch auf der Security Conference in Oakland vorgestellt werden soll. In seinem Bericht beschreibt das Team, dass man über den Diagnose-Port Zugriff auch auf sensible Systeme bekommen und den Fahrer komplett abklemmen kann. Ob Bremsen, Motor oder Anzeigen, die "rudimentären Sicherheitsmaßnahmen" hätten leicht überwunden werden können.

So gelang es den Technikern die Bremsen eines Autos auszuschalten, die Geschwindigkeitsanzeige zu verstellen, heiße Luft ins Wageninnere zu pusten, die Musik voll aufzudrehen oder die Insassen im Wageninneren einzusperren. Alles über den Zugriff auf die autoeigene IT.

Die Forscher verwendeten für ihre Experimente zwei aktuelle Auto-Modelle aus dem Jahr 2009 – welche Automarken es genau waren, wollen sie nicht sagen, schreiben aber, dass diese Art des Zugriffs theoretisch bei so gut wie jedem neuen Modell möglich wäre. Genutzt wurden die Stecker, die Werkstätten dazu dienen, die Fehlerspeicher der Fahrzeuge auszulesen oder neue Software aufzuspielen – heutzutage Standardverfahren bei Reparaturen.