iPad Warten auf eine Antwort von Steve Jobs
Die Verleger sind wütend: Apple behält 30 Prozent der iPad-Vertriebseinnahmen und zensiert Inhalte. Im März schickten sie eine Beschwerde an Steve Jobs. Ohne Erfolg.
© Carl Court/AFP/Getty Images

Londoner Kaufinteressenten scharen sich um das iPad
Eigentlich hatten die deutschen Verleger große Hoffnungen auf das iPad gesetzt. Ob Spiegel oder Welt , viele Titel waren zum europäischen Verkaufsstart des Tablet-Gerätes sozusagen schon "on-pad", also mit einer eigenen Software für das iPad im iTunes-Store vertreten.
Über die auf das iPad zugeschnittenen Inhalte wollen die Verlage ihre Vertriebserlöse steigern. Mobiler Medienkonsum wird immer beliebter und gerade dort sehen die Verleger ihre Chance. Das iPad könnte diesen Trend beschleunigen: Es macht das digitale Lesen wegen seines großen Displays unterwegs besonders angenehm. Sollte es wie erwartet auch in Europa viele Abnehmer finden, könnte es in Sachen Tablet-PCs und mobiler Lektüre neue Standards setzen.
Doch bei aller Begeisterung sind sich die Verleger nicht so sicher, wen sie sich da eigentlich ins Boot geholt haben – oder eher umgekehrt: von wem sie sich an Bord holen ließen.
"Das Verhältnis ist ambivalent", heißt es dazu beim Verband der Zeitungsverleger, dem VDZ. Und es ist vor allem unausgewogen.
Zwei Punkte bereiten den Verlagen besonders große Sorge: Zum einen hat Apple über seinen App Store beträchtlichen Einfluss darauf, was die Verleger ihren Kunden auf die Displays spielen dürfen. Erotische Fotografie gehört zum Beispiel nicht dazu – wie Stern.de bereits beim iPhone erfahren musste. Aufgrund einer Bildergalerie, die zu viel nackte Haut zeigte, sperrten die prüden Amerikaner dem deutschen Medienanbieter kurzerhand den App-Store-Zugang.
Aber auch bei der Technik nehmen sich die Kalifornier mehr als ein Mitspracherecht heraus: sie entscheiden, was über ihre Prozessoren läuft. So mag Steve Jobs bekanntlich keine Flash-Anwendungen und hat diese für das iPad ausgeschlossen. Genau wie Programme, die das eigene Geschäftsmodell oder das der Vertragspartner bedrohen. Auf normalen Rechnern oder MacBooks wäre diese Art Zensur undenkbar, doch bei allen das iPad betreffenden Anwendungen macht Apple davon nach Gutdünken Gebrauch.
Letztlich geht es den Verlagen aber vor allem um die Beteiligung Apples an den Erlösen aus den Apps: Ganze 30 Prozent behält der Computerhersteller ein. Die Verleger würden gerne deutlich weniger davon abgeben.
"Wir müssen der Gefahr begegnen, dass als Technologieplattform global tätige Firmen ihre Macht ausspielen", heißt es dazu beim VDZ. Es gebe Unklarheiten über die Aufgabenverteilung – können Verlage überhaupt noch als Verlage tätig werden, oder übernimmt Apple immer mehr Teilstrecken auf dem Weg vom Publizieren der Artikel hin zum Endkunden? Auf Webseite des VDZ ist als Verweis auf die jüngste Medienberichterstattung zu lesen, dass auch "Verleger vom iPad-Boom profitieren wollen". Und weiter: "Zeitschriften brauchen auch auf dem iPad Pressefreiheit und wollen sich nicht auf die Rolle von Inhaltelieferanten reduzieren lassen."
Was tut man in diesem Fall vernünftigerweise? Man sucht das Gespräch. Deshalb hat der Verband der Zeitungsverleger (VDZ) einen Brief an Steve Jobs geschrieben. Und das schon am 15. März.
- Datum 31.05.2010 - 19:37 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 25
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Wenn Apple hier eine Vormachtstellung ausspielen kann, liegt dies zuallererst an dem Versagen der Mitbewerber. Es genügt halt nicht, technisch hoch raffinierte Produkte oder auch billigere Nachbauten auf den Markt zu werfen - und die Kunden dafür zu schelten, dass sie diese "Produkte" nicht kaufen wollen!
Bleibt zu hoffen, dass die Content-Anbieter bzw. Verleger der Marktmacht Apple's und seiner Missachtung der Kundenbedürfnisse etwas entgegen stellen können.
Frau Klopp,
Apple behält nicht "30% der Werbeeinnahmen" (sauber abgeschrieben - selbst recherchieren ist wohl ihre Sache nicht), sondern "30% des Verkaufspreises einer App". Der Preis einer App kann vom Anbieter frei gewählt werden, bis hin zum kostenlosem Angebot. In diesem Fall trägt Apple alleine die Kosten für Hosting und Download.
Bei gedruckten Ausgaben geht man davon aus, das der Verkaufspreis die Kosten deckt und die Werbung die eigentliche Einahmequelle für die Verlage dar stellt (so war jedenfalls vor der Krise). In diesem Fall erwirtschaftet der Verlag also sogar noch Einnahmen in Höhe von 70% des Verkaufspreises.
Sollte sich ein Verlag dazu entschließen die neue "iAd"-Plattform zu nutzen, so behält Apple 40%. Ein fürstlicher Anteil, sicherlich. Aber wer darauf verzichten will, wird nicht dazu gezwungen.
Wenn ich Jobs wäre, würde ich noch mehr Geld nehmen. Als Strafe dafür, dass die Verlage es seit dem Start von iTunes nicht geschafft haben aus den Fehlern der Musikindustrie zu lernen und ein eigenes "Bezahlsystem für digitale Inhalte" zu etablieren. Aber die Verlage haben sich weltweit ihn ihr Schicksal ergeben um nun die Hand zu beißen, die sie - über kurz oder lang - füttern wird.
Auf den Rest mag ich an dieser Stelle nicht eingehen, es scheint als seien Sie festen Willens Apple und Google zu Fall zu bringen. Viel Erfolg wünsche ich.
"Aber es gibt auch Argumente, die für die Verleger sprechen. Die haben mit Qualität zu tun."
Ich brech zusammen!
Ich habe Die ZEIT abonniert weil ich bewusst entschleunigten, erstklassigen Journalismus erwartet habe. Seit ich Ihre oberflächlichen Artikel lese, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis ich mein Abo wieder storniere.
sind die auch Böse wenn die 50% Kassieren… immerhin gibt es die schon länger?
""Aber es gibt auch Argumente, die für die Verleger sprechen. Die haben mit Qualität zu tun."
Nein, das haben sie nicht.
Sondern mit freiem Zugang zu Informationen.
Ob nun zu Informationen zu Inhalten, die von Verlagen produziert werden, oder zu Inhalten, die von freien Autoren und Bloggern produziert werden, ist dabei unerheblich.
Solang es nicht um gesetzeswidrige Inhalte geht, halte ich es für ausgesprochen unangemessen - je nach Marktanteil auch gefährlich - wenn ein Hardwarehersteller bestimmen will, welche Art von Inhalten auf seinen Geräten verbreitet werden.
"Zu kämpfen, eigene Ideen zu entwickeln und herumzuexperimentieren ist sicher besser, als passiv abzuwarten"
In etwa dies erzähle ich schon seit Jahr und Tag jedem, der es nicht hören will - ich begreife nicht, warum die Buch- und Zeitschriftenverleger denselben Fehler machen wie schon die Musikindustrie: so lang neue Vertriebswege schlicht verpennen bis Apple das Feld aufrollt und man völlig abhängig von Apple ist. Noch schlimmer: viele Verlage haben mangels eigener Innovationskraft von vornherein darauf gesetzt, dass Apple sich einen Vertriebskanal ausdenken wird, wie damals schon mit iTunes. Und jetzt wundern sie sich, dass Apple - wie schon bei iTunes - beginnt, die Bedingungen zu diktieren.
Ich geb es auf mich in die lächerliche Zensur-Debatte einzumischen.
Was iTunes angeht sei der Hinweis erlaubt, dass es Jobs höchstpersönlich war, der in langwierigen Verhandlungen die Musikindustrie von legalen Musik-Downloads überzeugt hat. Wie es seine Art ist, hat er ein einfaches Preismodell etabliert.
1 Song, 99 Cent. Die Industrie bekommt 79 Cent. Für 20 Cent pro Titel hat Apple eine gewaltige Maschinerie installiert um den unglaublichen und sicher auch unerwarteten weltweiten Bedarf zu decken.
Es war die Musikindustrie in ihrer grenzenlosen Gier, die nach komplizierteren Preissystemen verlangt hat. Zum Schaden der Kunden.
Und nun schreien die Medien Zeter und Mordio, weil Apple angekündigt hat den "Marketingsupport" für Titel einzustellen, die bei Amazon als "Deal of the Day" einen Tag vor der offiziellen Veröffentlichung angeboten werden. Wohl gemerkt, es sollen nicht die Titel aus der Bibliothek entfernt, sondern lediglich nicht mehr beworben werden!
Und das nennt die Presse "Zensur"?
Das ist Missbrauch von Information!
... von der Sorte, dass heutzutage Jedermann bzw. -Frau meint, Journalismus betreiben zu können nur weil der- oder diejenige einen Browser bedienen und von anderen Seiten abschreiben kann.
Fachkenntnis, fundierte Recherche oder ersatzweise Hirn ist da nicht gefragt.
Ja Leute,
ihr predigt von morgens bis abends in unsäglicher Weise das Hohelied der freien Wirtschaft. Aber sobald mal irgendjemand seine vollkommen gemäß den Regeln des heiligen Marktes gewonnene Macht ausspielt - soll heißen, sobald jemand, der genügend Blöde gefunden hat, denen er sein Zeug andrehen kann, begreift, dass er "jemand ist" -, kommt plötzlich das Gewimmer.
Was erwartet ihr eigentlich? Meint ihr wirklich, dass niedliche Reklame und nette Slogans aus irgendeinem Großkonzern etwas anderes machen können als das, was er aufgrund der Natur des von euch bejubelten Marktes sein MUSS, um zu existieren - eine brutale Bestie voller Macht- und Geldgier, die danach trachtet, Monopole zu errichten und die Abhängigen auzuplündern... bevor es die Konkurrenz tut?
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren