Kaum gestartet, schon ist es wieder vorbei mit dem "Kin". Nach nur zwei Monaten stellt der Software-Konzern Microsoft alle weiteren Arbeiten an seinem ersten Handy ein. Die vorhandenen beiden Modelle Kin One und Kin Two werden noch in den USA abverkauft. Der Plan, Kin im Herbst nach Europa zu bringen, ist damit natürlich auch nur noch Makulatur. Neue Varianten des Kin wird es ebenfalls nicht geben.

"Wir haben die Entscheidung getroffen, uns ganz auf Windows Phone 7 zu konzentrieren", teilte Microsoft in Redmond mit. Das Kin-Entwicklungsteam werde in die Windows-Mannschaft überführt.

Auch Telekom-Partner Verizon wird die aktuelle Version der Social-Media-Telefone mit Fokus auf Dienste wie Facebook oder Twitter noch abverkaufen. Gleichwohl teilte eine Sprecherin von Verizon mit, dass das Kin fürs erste weiter ein wichtiger Bestandteil des eigenen Produktangebots bleibe.

Im Gegensatz dazu sagte Ken Dulaney, Analyst des Marktforschungshauses Gartner, der Nachrichtenagentur Bloomberg, dass sich das Kin bei Verizon keineswegs gut verkauft habe – wobei sich das Telekommunikationsunternehmen auch nicht besonders viel Mühe bei der Werbung gegeben habe.

Mit dem von Sharp produzierten Kin hatte Microsoft erstmals die Hardware eines Handys selbst in die Hand genommen. Die Smartphones mit ihrer Anbindung an soziale Netzwerke sollten vor allem junge Leute ansprechen. Doch die Rechnung ging offenbar nicht auf.

Erst vor zwei Tagen hatte der Telekom-Konzern die Preise in den USA halbiert auf 29 Dollar für das kleine Modell Kin One und 49 Dollar für das große Modell Kin Two (bei Abschluss eines Mobilfunkvertrages). Das werteten Beobachter als Zeichen, dass sich die Kin-Handys schlecht verkaufen. Zumindest zitiert das Wall Street Journal anonyme Quellen, die sagen, die Verkaufszahlen hätten die Erwartungen nicht erfüllt.

Für Branchenexperten liegt das vor allem daran, dass das Kin anderen Smartphones technisch deutlich unterlegen ist. So zeichnete es sich zwar durch eine umfangreiche Integration sozialer Netzwerke wie etwa Facebook aus, konnte aber nicht wie die Konkurrenz von Apple oder Google/Android mit einem Appstore aufwarten, über den sich Smartphones mit weiteren Funktionen bestücken lassen.