GeodatenErzählexperiment per GPS

Deutschlandradio und Deutsches Theater erkunden interaktive Erzählungen. So lotst ein Handy den Hörer über den Berliner Alexanderplatz und lässt ihn taumeln. Von T. Klopp von 

32 Hörfragmente sind rund um den Alexanderplatz bis hinunter zum Schlossplatz versteckt und lassen sich an Ort und Stelle aktivieren

32 Hörfragmente sind rund um den Alexanderplatz bis hinunter zum Schlossplatz versteckt und lassen sich an Ort und Stelle aktivieren  |  © screenshot by ZEIT ONLINE/Ligna

"Hinsetzen und zuhören!" So ungefähr lautet die Handlungsanweisung traditioneller Medien: der Nutzer als Couchpotatoe. Eine Tradition, mit der Internet und Computerspiel nun langsam brechen. Seitdem es smarte Telefone gibt, lassen sich auch andere Medienformate in Bewegung umsetzen. Der Sender Deutschlandradio Kultur beispielsweise hat gemeinsam mit dem Deutschen Theater in Berlin ein Projekt namens Radioortung gestartet, das den Hörer laufen lässt.

Dabei will der Sender nach eigenen Angaben erkunden, wie die neue Generation "leistungsfähiger Mobiltelefone mit schnellem Internetzugang und Lokalisierungsfunktion (GPS)" in den Alltag der Hörer eingreife. Im Rahmen von Radioortung hat die Hörspielabteilung daher mehrere Künstlergruppen aus der Hörspiel- und Theaterszene eingeladen und lässt sie mit lokalisierten Hörideen experimentieren.

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Der erste Versuch, Verwisch die Spuren von der Gruppe Ligna , startete vergangene Woche. Die Zuhörer mussten sich dafür anfangs eigens präparierte Smartphones am Deutschen Theater ausleihen. Inzwischen ist das jedoch nicht mehr notwendig. Jeder kann mithören, der ein Mobiltelefon mit Android-Betriebssystem besitzt. Die notwendige App namens Radioortung ist kostenlos. Wer beides hat, kann zum Alex fahren, um den Selbstversuch zu starten.

Bei Verwisch die Spuren von Ligna ist die Bewegung des Publikums notwendiges Kriterium: Erst wer vom Alexanderplatz zum Schlossplatz flaniert, aktiviert je nach Aufenthaltsort verschiedene Tonspuren, die wahlweise Historisches oder Fiktives in die Ohren flüstern. Es ist keine zusammenhängende Geschichte, die man dabei zu hören bekommt, eher ein akustisches Herumtasten im Raum. Oft sind die Schnipsel verbunden mit Handlungsanweisungen wie: "Gucken Sie nach links!", "Halten Sie inne!", "Folgen Sie einem Passanten!".

An insgesamt 32 Orten zwischen Fernsehturm und Schlossplatz lässt sich die App aktivieren. Leider nicht immer. Zumindest bei den Ausleihgeräten stellte sich die Ungenauigkeit der Ortungsfunktion als Hindernis heraus. Was beim Geocachen, der digitalen Schatzsuche nach Geokoordinaten , den Suchspaß erhöhen mag, führt hier zu Verwirrung und der Frage, welcher Gullideckel nun gemeint sein könnte. Immerhin vertut sich die Ortung schon mal um bis zu 400 Meter. Eine Gruppe älterer Damen hat das Problem, dass jede auf ihrem Gerät etwas anderes vorgespielt bekommt, obwohl sie am gleichen Ort stehen.

Die Faszination, dass die Stimme zu wissen scheint, wo genau sich der Hörer befindet, stellt sich leider nicht ein.

Auch Anweisungen wie: "Nehmen Sie ein Produkt Ihrer Wahl und legen Sie es an anderer Stelle zurück", machen oft etwas ratlos. Und das nicht nur, weil im Zweifel weit und breit keine Waren zu sehen sind.

Leserkommentare
    • mwenzel
    • 16. September 2010 0:26 Uhr

    Es ist erstaunlich, dass ein derart grobschlächtiger und stilistisch roher Text im online-Auftritt der ZEIT veröffentlicht wird. Die Autorin meint nicht nur, aus Faszination von den technischen Möglichkeiten des neuen Formats Bewertungskriterien für die ästhetische Raum- und Sounderfahrung ableiten zu können, die die Hörstücke vor Ort wesentlich kennzeichneten. Sie scheut sich auch nicht, Ratschläge zu geben, wie das - natürlich rein technisch verstandene - "Prinzip an sich" umgesetzt werden solle. Man fragt sich, woher der Furor von Begriffen wie "sich zum Deppen machen" und "bunter Bauchladen" und das ausgestellte Selbstbewusstsein der Autorin angesichts der sprachlichen Armut ihres Textes sich speisen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich persönlich habe ein Erfahrungsbericht erwartet. Und der ist nicht überragend, aber auch keine Katastrophe (ich weiß jetzt immerhin, dass das ganze noch nicht so recht ausgereift ist). Das dabei, dass Medium nicht 'richtig' erfasst wird, halte ich für weniger schlimm.

    bisher nur für diesen Kommentar. Haben sie etwas mit dem Projekt am Hut?

  1. Ich persönlich habe ein Erfahrungsbericht erwartet. Und der ist nicht überragend, aber auch keine Katastrophe (ich weiß jetzt immerhin, dass das ganze noch nicht so recht ausgereift ist). Das dabei, dass Medium nicht 'richtig' erfasst wird, halte ich für weniger schlimm.

    Antwort auf "Im Register vergriffen"
  2. bisher nur für diesen Kommentar. Haben sie etwas mit dem Projekt am Hut?

    Antwort auf "Im Register vergriffen"
  3. sollte man nicht darüber schreiben.

    "Vielleicht funktioniert das auch mit Mobiltelefonen, deren aktivierte Simkarte für zusätzliche Ortung sorgt, deutlich besser. Die gab es bei den Leihgeräten des Deutschen Theaters nämlich nicht, sie waren allein auf GPS angewiesen."

    Ein GPS Empfänger funktioniert - unter günstigen Voraussetzungen - auf einige Meter genau.
    Die Ortung per benutzter Mobilfunkzellen bzw. -sender (LBS, Location Based Services) liegt im Bereich einiger hundert Meter.

    Benutzt man also GPS + LBS (oft auch A-GPS genannt), geht die Standortbestimmung zwar schneller, genauer wird´s aber nicht.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Computerspiel | Theater | App | GPS | Sender | Smartphone
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