Blackberry Torch Der Streber unter den Smartphones

Der neue Blackberry kann alles, was andere auch können, einiges besser. Trotzdem ist der "Torch" nicht sexy, denn aus jeder Ecke strahlt Effizienz, nicht Eleganz.

Der Blackberry Torch, hier ein Angebot des amerikanischen Telefonkonzerns AT&T

Der Blackberry Torch, hier ein Angebot des amerikanischen Telefonkonzerns AT&T

Blackberry bewirbt den neuen Ableger Torch mit dem Versprechen, man könne mit ihm seiner "Leidenschaft" nachgehen und seine "Sinne stimulieren". Wenn telefonieren, simsen, mailen, Adressbücher und Kalender ansehen, Musik hören, fotografieren, filmen oder Straßen entlang navigieren zu den Leidenschaften eines Menschen gehören, kann er sich vom Torch tatsächlich vorzüglich stimulieren lassen und sein Glück finden.

Allerdings funktioniert das mittlerweile mit jedem anderen Smartphone ebenso. Es hört sich ernüchternd an, aber im Prinzip kann man all das seit einigen Jahren mit fast jedem Telefon machen. Warum soll man diesen Leidenschaften also ausgerechnet mit einem Blackberry frönen?

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In großen Firmen sind Blackberrys seit Längerem beliebt, weil sich mit ihnen eine nahezu abhörsichere E-Mail-Infrastruktur aufbauen lässt. Macht sich eine Firma die Mühe, einen eigenen Mail- und Blackberry-Server zu betreiben, können alle Nachrichten zwischen den Geräten und dem Firmenserver verschlüsselt übertragen werden.

Außerdem lassen sich die angeschlossenen Geräte so konfigurieren, dass selbst der paranoideste CEO beruhigt schlafen kann. Blackberry-Administratoren können den Benutzern zum Beispiel den Zugriff auf die Kamera oder die Speicherkarte sperren, die Nutzung des Messengers verbieten, überwachen, wo sich das Gerät aufhält oder welche Telefonnummern gewählt wurden. Zur Not kann ein Firmen-Blackberry-Administrator einen Firmen-Blackberry auch aus der Ferne deaktivieren oder löschen.

Sicherheitsdenken und Kontrollwut sind die Leidenschaften von Firmenlenkern. Mit einem Blackberry Enterprise Service, so heißen die Server, die man sich als Firma kaufen kann, lassen sich diese Leidenschaften voll ausleben.

Auch Privatmenschen können die Geräte benutzen. Dann sind die Mails aber nicht verschlüsselt. Das wichtigste Argument für sie fällt damit weg. Was also bleibt, was ist das Besondere am Torch?

Nichts, würde ich spontan sagen. Aber das wäre ungerecht. Denn das Neue ist, dass das Gerät mehr als drei Jahre nach Einführung des ersten iPhones bedient werden kann wie ein iPhone – also per Touchscreen. Man kann es aber auch wie jeden anderen Blackberry steuern, also mittels diverser Tasten und des Trackpads. Der Torch wirkt durch dieses eigenartige Sowohl-als-auch-Konzept wie eine motorisierte Pferdekutsche. Für altgediente Blackberry--Benutzer ist diese Traditionspflege ein Segen, für den Erstnutzer leicht irritierend.

Zugegeben, die Touchbedienung ist gelungen, gelungener als beispielsweise bei der Konkurrenz von Symbian. Auch wenn manche Apps so winzige Bedienelemente haben, dass sie ohne angespitzte Finger kaum zu treffen sind.

Überhaupt funktioniert fast alles am Torch gut und zuverlässig, die Steuerung ist meist intuitiv, in vielen Details sind pfiffige Lösungen erkennbar und einige Elemente sind sogar innovativ. Gut ist beispielsweise die Idee, die Lagesensoren bei ausgefahrener Tastatur zu deaktivieren oder die, dass in der Inbox auf dem Startbildschirm alle neuen Nachrichten angezeigt und so an einem Ort gesammelt werden.

Das Traurige aber ist, dass mich das völlig kalt lässt. Nach mehreren Wochen Benutzung ist mir klar, warum die Werbemenschen auf der Homepage so verzweifelt Leidenschaft oder Sinnlichkeit herbeizureden versuchen: genau sie kommt bei der Benutzung nicht auf.

Leser-Kommentare
    • zagy
    • 25.01.2011 um 13:46 Uhr

    Die Standardprotokolle SMTP und IMAP unterstützen seit Jahren verschiedene Arten der Verschlüsselung. Und das wird von so gut wie jedem E-Mail-Programm oder Smartphone unterstützt.

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    • diplix
    • 25.01.2011 um 14:52 Uhr

    Ja, die Übertragungswege lassen sich schützen, bzw. sind auch bei privat genutzten Blackberry (einigermassen) geschützt. An den Knotenpunkten die diese Nachrichten durchlaufen, ist ein Zugriff auf die Nachrichten aber grundsätzlich möglich.

    Wenn man jetzt aber den Blackberry-Server des Mobilfunkproviders (BIS) benutzt der die Daten beispielsweise SSL geschützt von einem IMAP- oder POP-Konto abholt, werden die Daten vom BIS unverschlüsselt zum Blackberry übertragen. Ausserdem können sowohl der Provider als auch Ermittlungsbehörden auf die Nachrichten zugreifen. Das ist bei der Nutzung eines Bleckberry Enterprise Systems nicht möglich.

    Kurz: der Knackpunkt ist, der Blackberry holt sich die Nachrichten nicht per IMAP oder POP direkt beim E-Mail-Server ab, sondern über den Blackberryserver.

    Mehr dazu bei Volker Weber und in der c't:
    http://vowe.net/archives/...
    http://vowe.net/archives/...
    http://www.heise.de/ct/in...

    • diplix
    • 25.01.2011 um 14:52 Uhr

    Ja, die Übertragungswege lassen sich schützen, bzw. sind auch bei privat genutzten Blackberry (einigermassen) geschützt. An den Knotenpunkten die diese Nachrichten durchlaufen, ist ein Zugriff auf die Nachrichten aber grundsätzlich möglich.

    Wenn man jetzt aber den Blackberry-Server des Mobilfunkproviders (BIS) benutzt der die Daten beispielsweise SSL geschützt von einem IMAP- oder POP-Konto abholt, werden die Daten vom BIS unverschlüsselt zum Blackberry übertragen. Ausserdem können sowohl der Provider als auch Ermittlungsbehörden auf die Nachrichten zugreifen. Das ist bei der Nutzung eines Bleckberry Enterprise Systems nicht möglich.

    Kurz: der Knackpunkt ist, der Blackberry holt sich die Nachrichten nicht per IMAP oder POP direkt beim E-Mail-Server ab, sondern über den Blackberryserver.

    Mehr dazu bei Volker Weber und in der c't:
    http://vowe.net/archives/...
    http://vowe.net/archives/...
    http://www.heise.de/ct/in...

    • MJB
    • 25.01.2011 um 13:57 Uhr

    Obwohl ich das Gerät selbst noch nicht in Augenschein genommen habe, so scheint es nach dieser Beschreibung wohl zu zeigen, in welche Richtung RIM sich bewegen möchte.
    Seit dem viel zitierten iPhone bröckeln RIM die Kunden im Privatbereich weg. Nun hat RIM noch die Möglichkeit, sich auf ihre Königsdisziplin zu fokussieren, die Geschäftstelefone.

  1. Ich kann die kritk die in diesem artikel ständig mitschwingt nicht nachvollziehen. Ein vertreterhandy, zu wenig lifestyle, zu wenig apps, ein streber...
    Wenn das handy nicht gefällt, reinschreiben aus fertig amen. Ich besitze den bold 9700 und bin immer noch begeistert. Die größe passt, der akku passt, die geschwindigkeit passt, die synchronisierung passt, sprachqualität passt, tastatur passt usw. Bei handys von rim passt das gesamtpacket. Wer was anderes will möge android, iphone etc. Wählen, sicher keine schlechten geräte. Jedes system bietet vor und nachteile.

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    • diplix
    • 25.01.2011 um 16:13 Uhr

    „Wenn das handy nicht gefällt, reinschreiben aus fertig amen.“

    Ich wollte zumindest ein klein bisschen erklären, warum mir der Blackberry nicht gefällt. Und ja, Nichtgefallen ist schwer objektivierbar.

    • diplix
    • 25.01.2011 um 16:13 Uhr

    „Wenn das handy nicht gefällt, reinschreiben aus fertig amen.“

    Ich wollte zumindest ein klein bisschen erklären, warum mir der Blackberry nicht gefällt. Und ja, Nichtgefallen ist schwer objektivierbar.

    • 2eco
    • 25.01.2011 um 15:31 Uhr

    "Er ist ein ständig fordernder Chef, der mit einem roten Lämpchen grölt, dass es wieder etwas gibt, was beachtet und bitte schön sofort abgearbeitet werden muss. Er ist auf Effizienz ausgerichtet. Aus jeder Ecke blinken Arbeit und Stress"

    Ich empfinde die die LED-Leuchte als sehr praktisch, mittlerweile sogar als unverzichtbar. Bei anderen Handys habe ich andauernd auf das Handy schauen müssen um sicher zu sein keinen Anruf oder keine SMS verpasst zu haben.

    So kann ich das Blackberry entspannt auf dem Schreibtisch ruhen lassen, denn ich weiß, dass sich das Handy mit der LED bemerkbar macht, wenn irgendetwas gewesen ist.

    • Anay
    • 25.01.2011 um 15:40 Uhr

    Ich bin bei Dir. Ich will bei meinem Telefon nicht Ablenkung und Zerstreuung. Es ist ein Kommunikationsinstrument. Und ich will v.a. keinen Popper-Kram. Design ist mir nicht so wichtig… Hauptsache es funktioniert (inkl. Akku) auch in ein paar Jährchen noch. Ich würde ein BlackBerry dem iPhone sofort und immer vorziehen. Nur leider bedeutet Kommunikation heutzutage auch, mit Videos zu arbeiten (abhängig vom Job natürlich), im Internet unterwegs zu sein usw. usf. Und da ist das iPhone besser, Webseiten laden um Sekunden schneller und dynamischer, die CPU hat mehr Leistung, und Videos schießt man in HD. (Hier wirkt die Technik des Torch leider Gottes überholt und völlig unzeitgemäß.) Und für Nerds wie mich ist das iPhone auch zum hacken und patchen viel interessanter. Aber ich hoffe auf den Tag, an dem RIM auch mich überzeugt. :)

    Antwort auf "Mobiltelefone:"
    • eras
    • 25.01.2011 um 15:49 Uhr

    "Bei handys von rim passt das gesamtpacket."

    Das Blackberry ist halt das Telefonequivalent zum Thinkpad der T-Serie bei IBM/Lenovo. Über dessen unspektuläres Äusseres wird auch alle Nase lang gemeckert - und technisch sind die aktuellen Geräte meist ein wenig vom neuesten Schrei entfernt. Trotzdem wird es im Geschäftsumfeld überdurchschnittlich oft geordert. Weil es das kann, was verlangt wird - und mit der Stoik eines Brauereipferdes seinen Aufgaben nachkommt. Auch wenn es dabei geschunden wird...

    "So kann ich das Blackberry entspannt auf dem Schreibtisch ruhen lassen, denn ich weiß, dass sich das Handy mit der LED bemerkbar macht, wenn irgendetwas gewesen ist."

    Nunja, dass ist jetzt nicht wirklich ein Alleinstellungsmerkmal mehr. Gibt in der Mittelklasse/Oberklasse der Smartphones wohl kaum noch ein Gerät ohne. Ein Fan der LED bin ich aber auch (als Nicht-Blackberry-Benutzer).

    Eine Leser-Empfehlung

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