Near Field CommunicationDas Handy als Geldbörse

Einfach mit dem Handy bezahlen – mit der sogenannten NFC-Technik wird das möglich. Google möchte die Technik voranbringen, aber Datenschützer sind misstrauisch. von 

Was seit Jahren auf Technikmessen Furore macht, wird jetzt Ernst: Handy-Besitzer sollen künftig ihr Telefon einfach an ein Bezahlterminal halten können, um ihre Rechnungen zu begleichen. Google will der Funktechnologie Near Field Communication (NFC) zum Durchbruch verhelfen. Wie das Wall Street Journal berichtet, hat Google eine Allianz mit MasterCard und CitiBank geschlossen.

Besonders ein Detail stößt auf Interesse: Laut dem Wall Street Journal erwartet Google selbst keine Umsatzbeteiligung von den Kooperationspartnern. Das Internet-Unternehmen sieht offensichtlich eine andere, ausreichende Einnahmequelle: Statt an der Zahlung direkt zu verdienen, schickt Google dem Kunden zielgenaue Werbung und verdient damit so viel, dass sich der ganze Aufwand lohnt.

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Dass Google NFC vor allem als Werbemarkt sieht, ist kein Geheimnis. Auf dem Mobile World Congress in Barcelona im Februar stellte der damalige Google-Chef Eric Schmidt die Funktechnik als "Revolution für den Handel und den Zahlungsverkehr" vor. Seine Vision: Beim Einkaufsbummel schicken die Geschäfte in der Umgebung ihre Sonderangebote direkt aufs Smartphone des Kunden. Und zwar zielgenau: "Mein Handy ist darauf programmiert, dass ich sehr sparsam bin und immer den größten Preisnachlass suche." In Schmidts Vision vergleicht das Handy die Angebote und führt den Kunden ins richtige Geschäft, in dem die Ware schon auf ihn wartet. Woher das Handy so genau über die Vorlieben des Kunden Bescheid wissen kann, ließ Schmidt offen.

Deutsche Datenschützer beobachten das mit großem Interesse . "Wir müssen noch raten, was genau Google plant", sagt Marit Hansen vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein. Denn noch ist keinesfalls klar, ob Google Informationen aus dem Zahlungsverkehr nutzen will, um detaillierte Nutzerprofile zu erstellen. "Technisch kann man ein solches Zahlungssystem so konstruieren, dass Google weitgehend blind ist", sagt Hansen. Das Prinzip ist simpel. In dem Handy ist ein Chip mit einem Geheimschlüssel, der aus kurzer Entfernung die Zahlung auslöst. Das Handy wäre vergleichbar mit einer Kreditkarte, bei der lediglich Zahlungsinformationen ausgetauscht werden.

"Hoheitliche Tätigkeiten sollen über ein solches Zahlungsmittel nicht abgewickelt werden", sagt Hansen. Schon 2006 hatte die Behörde die Kommunen bei der Einführung von Handy-Parkscheinen beraten. Wichtigste Lektion: Die Kommunen müssen selbst Herr der Daten bleiben, Auftragsnehmer dürfen die verarbeitenden Daten nicht für andere Zwecke nutzen. Wenn die Zahlungsdaten auf einen Google-Server in den USA gehen, müssen sie von weiteren Informationen befreit werden. Das heißt, Städte können Parkscheine über das Handy abrechnen, Google darf aus den Informationen aber keine Bewegungsprofile erstellen.

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    • Schlagworte Google | Deutsche Bahn | Eric Schmidt | Android | Allianz | Funktechnik
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