Der für Chrome zuständige Google-Vizepräsident Sundar Pichai stellt die Chromebooks vor © Beck Diefenbach/REUTERS

Vor fast zwei Jahren präsentierte Google zum ersten Mal sein Browser-basiertes Betriebssystem Chrome OS . Seitdem erfreuten sich sowohl Googles Browser Chrome als auch die Smartphone-Plattform Android immer größerer Beliebtheit. Doch der erwartete "Google Laptop" mit Chrome OS wurde immer wieder verschoben. Einige mutmaßten bereits, dass Google das Projekt komplett einstellen würde, um sich gänzlich auf Android zu konzentrieren.

Das aber hat der Konzern nicht getan. Auf der firmeneigenen Entwicklerkonferenz I/O in San Francisco wurden jetzt die ersten beiden Geräte vorgestellt, die ausschließlich für Chrome OS entwickelt wurden: Die sogenannten Chromebooks. Produziert werden sie von Samsung und von Acer und sollen in den Markt zwischen den kleinen, billigen Netbooks und den teureren Tablets drängen. Also genau in das Segment, das derzeit von Microsoft und Apple dominiert wird.

Die Chromebooks sind weder Laptop noch Computer, heißt es im offiziellen Werbevideo. Sie seien vielmehr das Internet – in einem Computergehäuse. Oder, wie Co-Gründer Sergey Brin in der anschließenden Pressekonferenz sagte : "Es ist eine neue Möglichkeit, seinen Computer zu verwalten".

Von normalen Notebooks unterscheiden sie sich vor allem dadurch, dass sie kein klassisches Betriebssystem mehr haben. Die Schnittstelle zu allen übrigen Anwendungen bildet der Browser. Programme werden nicht manuell installiert sondern, ähnlich wie bei Smartphones und Tablets über den integrierten App-Store erworben und aktualisiert.

Genau wie Apple und Microsoft arbeitet Google seit Jahren daran, seine Dienste in die Cloud zu verlegen und das Internet als Datenspeicher zu nutzen. Ob Dokumente über Google Docs, Bilder über Picasa oder Musik über das neue, ebenfalls auf der I/O vorgestellte virtuelle Musikmanagement Google Music : Sämtliche Daten und Dateien bleiben im Netz und sind damit jederzeit überall verfügbar. Zumindest wenn der Rechner eine Verbindung hat.

Um die zu gewährleisten, können die Rechner neben WLAN im Zweifel auch eine SIM-Karte nutzen, die in ein Fach an der Seite gesteckt wird. Via Mobilfunk bauen sie dann eine Verbindung zum Internet auf. Die laufenden Kosten für einen solchen Datenvertrag können den verhältnismäßig günstigen Preis des Geräts allerdings schnell relativieren.

Mit den Chromebooks werde nun "zum ersten Mal Software und Hardware als ein Service zusammengebracht", sagt Sundar Pichai, Vizepräsident von Googles Produktmanagement, während der Präsentation . "Es ist für Leute gedacht, die bereits im Netz leben." Eigentlich stimmt das mit dem "ersten Mal" nicht, denn auch Smartphones und Tablets basieren auf dem Konzept, Netzanwendungen und Gerät enger zu verbinden. Und Apple beispielsweise hat mit seinen Notebooks vom Typ "Air" schon Geräte im Programm, die ihre Daten allein aus dem Netz beziehen sollen und keine Laufwerke mehr haben.