Länger in den eigenen vier Wänden leben, selbstbestimmt, auch wenn man alt oder krank ist – das ist das Ziel digitaler Haustechnik. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Software- und Systemtechnik (ISST) beispielsweise zeigten auf dem Fachkongress ConLife, einer Veranstaltung zum Thema Heimvernetzung, gerade ein Computerprogramm namens Daily Care Journal . Das dokumentiert das Befinden des Anwenders und übermittelt die Daten an den Arzt oder das Pflegepersonal.

Menschen, die an chronischen Krankheiten leiden, ersparen sich so den Gang zum Arzt. Schwanken die Vitalfunktionen erheblich, teilt die Software dies gesondert mit, der Arzt kann entscheiden, was als nächstes zu tun ist. Angehörige erhalten je nach Konfiguration ebenfalls eine Information. Doch das Daily Care Journal , das für das Betriebssystem Android programmiert wurde, ist nur ein Aspekt des Bereichs E-Gesundheit.

Die Arbeitsgruppe Health & Care Solutions des Fraunhofer-Instituts für mikroelektrische Schaltungen und Systeme (IMS) präsentierte einen Waschtisch mit interaktivem Spiegel, Projektname inBath : Ein vernetztes System aus Sensoren hilft bei der Körperpflege.

Im Zentrum steht der Spiegel, hinter dem sich zahlreiche Sensoren befinden. Sie erkennen zum Beispiel, ob man sich die Haare gekämmt, die Zähne geputzt oder seine Tabletten eingenommen hat. Falls etwas vergessen wurde, erinnert das System so lang daran, bis man es erledigt hat. Abweichungen, Auffälligkeiten, die über einen längeren Zeitraum bestehen, leitet eine Software, ähnlich dem Daily Care Journal , an Verwandte und das Pflegeteam weiter.

Gunter Dueck, der populäre Cheftechnologe von IBM Deutschland, hat schon des Öfteren darauf hingewiesen, dass Demenzkranke mittels Kameras, Internet und Sensoren einige Jahre länger selbstbestimmt leben könnten.

Erste Schritte dazu gibt es nun. Die Forscher wollen damit Angehörige und Pflegepersonal entlasten. Auf lange Sicht sollen die Abläufe automatisiert vonstattengehen, sozusagen nebenbei. Im Zweifel bis hin zur Kontrolle der Ausscheidungen, schließlich enthalten auch sie Informationen über den Gesundheitszustand.

Überwachung für einen guten Zweck sozusagen. Welche Daten letztlich rausgehen, bestimmt allerdings jeder selbst. Und verschlüsselt sind sie selbstverständlich auch. Die Übertragung erfolgt über das gesicherte Netzwerkprotokoll SSL. Bevor es soweit ist, muss jedoch diskutiert werden, welche technischen Hilfsmittel tatsächlich sinnvoll sind.