Online-Shopping Ein Foto kann ein Supermarkt sein
Digitale und reale Welt verschmelzen: In Seoul hat ein Handelskonzern Fotos von Supermarktregalen in einen U-Bahnhof geklebt. Gekauft wird per Scannercode und Smartphone.
© Tesco / Screenshot ZEIT ONLINE

Fotos von Einkaufsregalen nutzt der Konzern Tesco in Seoul für seinen Onlineshop.
In Südkorea hat ein britischer Lebensmittelkonzern einen virtuellen Supermarkt ins Straßenbild gebaut, um seinen Online-Umsatz zu steigern.
Südkorea sei das Land mit einer der am härtesten arbeitenden Bevölkerungen der Welt, erzählt die Stimme im dem Werbespot dazu, der auf dem Werbefilmfestival in Cannes gerade mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde. Einkaufen sei für viele Südkoreaner Stress. Damit sie Zeit sparen können, hat Tesco virtuelle Regale in einem U-Bahnhof installiert.
Letztlich sind es lebensgroße Fotos von Supermarktregalen, die auf den Wänden des Bahnhofs kleben. Jede der gezeigten Waren ist mit einem sogenannten QR-Code versehen, einem Quadrat aus schwarzen und weißen Feldern, wie es beispielsweise die Deutsche Bahn für ihre Online-Tickets nutzt. Wer ein Produkt kaufen will, fotografiert den Code mit seinem Smartphone. Die Ware wird dann in einer Liste gespeichert und kann anschließend via Smartphone bezahlt werden.
Kommen die gestressten Südkoreaner nach einem langen Tag abends nach Hause, sind die Waren, die sie beim Warten auf die U-Bahn bestellt haben, schon da. Sie werden an die Tür geliefert.
Das klingt so praktisch, dass es schon bald an vielen Orten Wirklichkeit werden könnte. Und dann vielleicht ähnliche Debatten zur Folge haben, wie bei Online-Medien – Lieblingskritik: Das könne ja gar nicht mehr angefasst werden. Soweit ist es noch nicht, aber es gibt bereits Diskussionen darüber, dass QR-Codes doch längst veraltet seien und die sogenannte Near Field Communication noch unkomplizierteres Einkaufen möglich mache.
In erster Linie aber war es eine Kampagne des Lebensmittelkonzerns, der in Südkorea unter dem Namen Homeplus auftritt, um seinen Online-Shop zu bewerben. Wohl mit Erfolg. Wie es in verschiedenen Berichten übereinstimmend heißt, konnte dank des U-Bahn-Shops der Umsatz im Netz zwischen November 2010 und Januar 2011 um 130 Prozent gesteigert werden.
Die gleiche Strategie hatte Homeplus bereits angewandt, um auf die Eröffnung eines neuen (klassischen) Supermarktes in Seoul aufmerksam zu machen. In der nahen U-Bahn-Station Chamsil waren die Säulen und Wände ebenfalls wie Regale gestaltet worden. Ohne Scannercodes zwar, aber mit ebensolchem Erfolg. Es seien sehr viel mehr Menschen in die nahe Filiale gekommen als erwartet, heißt es bei der Werbefirma, die sich das ausdachte.
Update: Verzeihung, bei der Redigatur ist leider der Satz über die Haptik unverständlich geworden, er wurde nun ergänzt. Kai Biermann
- Datum 08.07.2011 - 18:53 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 53
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Ausbaufähig.
Bundestagswahlen. Die Kanditaten der Wahlkreise werden mit Foto an den Bushaltestellen ausgehängt.
Drive - Klick - and Go.
Super.
Datenschutzrechtliche Bedenken habe ich in unserem Land in keinester geringenster Weise. Und mit der Haptik-Debatte - bei Politikern - naja ... ich weiß nicht ?
Mutti und Haptik. Die ist doch verheiratet.
Ironie oder Wirklichkeit ?
so long - wie der Koreaner sagt.
Wow, seit langem die beste Idee, die ich gesehen habe...
Würde ich so einkaufen? Nur wenn der Preis stimmt und ich zu gestresst von einem langen Arbeitstag wäre.
Aber ich komme eh' jeden Tag nach der Arbeit zu Fuß am örtlichen Supßermarkt vorbei. Täglich im Supermarkt shoppen gehört zu meiner Lebenskultur. Besonders bei sehr kleinen Schlangen an der Kasse und bei täglich wechselnden Supersonderangeboten... (Halber Originalpreis)
Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Beiträgen an der Diskussion. Danke. Die Redaktion/sc
Welch Errungenschaft! Während die modernen Arbeitsnomaden kreuzbrav ihrer patriotischen Pflicht nachkommen und sich zu Grunde arbeiten um so schließlich auch sozialverträglich Frühableben zu können (gewissermaßen der letzte ehrenvolle Dienst an Vaterland und dem sich verselbständigten System), tut die von aufrichtigem Humanismus und Fürsorge geleitete Wirtschaft alles, um uns den tristen Alltag wenigstens ein klein wenig erträglicher zu gestalten. Neben einer Unzahl von Pillen und Expertenhinweisen wird nun also auch das 'shoppen' neu erfunden, welches man quasi im Halbschlaf und unter Kopfschmerzen zwischen Arbeit und Bett mit einem smarten Smartphone absolvieren kann, ohne sich groß mit der Materie und nervenden Mitbürgern an der Kasse auseinandersetzen zu müssen. Bliebe nur noch das Problem des Bahnfahrens im überfüllten und nach Schweiß riechenden Wagons...
Was da im Lebensmittel eigentlich enthalten ist, wie das Befinden des netten Verkäufers X um die Ecke ist oder welche Neuigkeiten die Nachbarin Y zu vermelden hat, die man früher noch beim Einkaufen zum netten Plausch treffen durfte, wen interessiert denn dieser alte muffige Tobak noch? Im hippen Online-Zeitalter geht alles digitial und elektrisch. Und wenn uns mal durch einen Sonnensturm der Strom wegbleiben sollte, dann sind wir mit einem Schlag alle Facebook-Freunde los und sterben an Vereinsamung und Hunger. So ein Pech aber auch!
"wie das Befinden des netten Verkäufers X um die Ecke ist oder welche Neuigkeiten die Nachbarin Y zu vermelden hat, die man früher noch beim Einkaufen zum netten Plausch treffen durfte, wen interessiert denn dieser alte muffige Tobak noch?"
Süß!
Nun, wenn Sie zu dem Teil Menschen gehören würden, die am 2.härtesten auf der Welt arbeiten, - dürfte es für mich fraglich sein, ob Ihnen nach einem solchen Arbeitstag noch nach Dererlei zumute.
Die Energie wird in aller Regel gerade mal dazu ausreichen, sich in aller Stille nach Hause zu begeben.
Und da steht dann wenigstens schon der Einkauf vor der Tür.
So utopisch sich das Thema liest und so groß die Schattenseiten einer solchen Erfindung sein dürften,
zumindest von diesem Aspekt her ist es absolut nachvollziehbar für mich (die ich mich manchmal genauso nach meinen 8 Std. Arbeit fühle - und das immerhin ohne zur 2.härtest arbeitenden Nation der Welt zu gehören).
In einem anonymen Großstadt-supermarkt ist die Wahrscheinlichkeit den Nachbarn zu treffen oder mit der Kassiererin in ein Gesrpäch verwickelt zu werden quasi null. Die von ihnen beschriebene Idylle ist allenfalls in einem Einzelhandelsladen mit überschaubarem Kundenkreis gegeben.
Davon abgesehen: Die "digitale" Einkaufsfläche zwingt, im Gegensatz zum Einkauf von zu Hause aus, auch zum Kontakt mit Menschen. Ich würde erwarten dass an solch einer Wand mehr gequatscht und geflirtet wird als in jedem Supermarkt.
Dieser krampfhafte Technik-, Kultur- und Fortschrittspessimismus geht mir wirklich gehörig auf den Geist! Das Argument, beim Onlinekauf setze man sich weniger mit dem Produkt auseinander als im Supermarkt ist einfach schlichtweg falsch. Für mich persönlich ist z.B. im Bücherladen bereits seit einem Jahr das Smartphone essentielles Hilfsmittel geworden; statt mich auf Buchrücken oder Werbetexte verlassen zu müssen, kann ich innerhalb weniger Kunden den Barcode scannen und mir nach Belieben Rezensionen zum Buch ansehen, bevor ich es kaufe. Ebenso scanne ich häufig Lebensmittel und lasse mir die Inhaltsstoffe sowie eine auf der Konzentration von Fett und Zucker pro 100g basierende "Ernährungsampel" dazu anzeigen, wobei die Informationen hierbei nicht selten deutlich informativer sind als der Packungsaufdruck.
Ein intelligent designtes Onlinekaufsystem per Smartphone dürfte damit sogar gesundheitsfördernd und wettbewerbssteigernd wirken, da einfacher nach sinnvolleren Kriterien als nur der attraktivsten Verpackung ausgewählt werden kann.
Die kurze, zumeist aufgesetzte Interaktion mit gestressten und von Repetition zermürbten Kassierern aufzugeben, nehme ich gerne in Kauf - und das sage ich nicht als Zyniker, sondern - im Gegenteil - als vehementer Befürworter einer lebhaften Kultur des sozialen, zwischenmensschlichen Miteinander.
Die Zeiten bei denen man mit der Kassiererien noch einen Plausch halten konnte, sind schon seit Jahrzehnten vorbei, führt es doch dazu dass sich eine Schlange aus ungeduldigen Leuten bildet.
"wie das Befinden des netten Verkäufers X um die Ecke ist oder welche Neuigkeiten die Nachbarin Y zu vermelden hat, die man früher noch beim Einkaufen zum netten Plausch treffen durfte, wen interessiert denn dieser alte muffige Tobak noch?"
Süß!
Nun, wenn Sie zu dem Teil Menschen gehören würden, die am 2.härtesten auf der Welt arbeiten, - dürfte es für mich fraglich sein, ob Ihnen nach einem solchen Arbeitstag noch nach Dererlei zumute.
Die Energie wird in aller Regel gerade mal dazu ausreichen, sich in aller Stille nach Hause zu begeben.
Und da steht dann wenigstens schon der Einkauf vor der Tür.
So utopisch sich das Thema liest und so groß die Schattenseiten einer solchen Erfindung sein dürften,
zumindest von diesem Aspekt her ist es absolut nachvollziehbar für mich (die ich mich manchmal genauso nach meinen 8 Std. Arbeit fühle - und das immerhin ohne zur 2.härtest arbeitenden Nation der Welt zu gehören).
In einem anonymen Großstadt-supermarkt ist die Wahrscheinlichkeit den Nachbarn zu treffen oder mit der Kassiererin in ein Gesrpäch verwickelt zu werden quasi null. Die von ihnen beschriebene Idylle ist allenfalls in einem Einzelhandelsladen mit überschaubarem Kundenkreis gegeben.
Davon abgesehen: Die "digitale" Einkaufsfläche zwingt, im Gegensatz zum Einkauf von zu Hause aus, auch zum Kontakt mit Menschen. Ich würde erwarten dass an solch einer Wand mehr gequatscht und geflirtet wird als in jedem Supermarkt.
Dieser krampfhafte Technik-, Kultur- und Fortschrittspessimismus geht mir wirklich gehörig auf den Geist! Das Argument, beim Onlinekauf setze man sich weniger mit dem Produkt auseinander als im Supermarkt ist einfach schlichtweg falsch. Für mich persönlich ist z.B. im Bücherladen bereits seit einem Jahr das Smartphone essentielles Hilfsmittel geworden; statt mich auf Buchrücken oder Werbetexte verlassen zu müssen, kann ich innerhalb weniger Kunden den Barcode scannen und mir nach Belieben Rezensionen zum Buch ansehen, bevor ich es kaufe. Ebenso scanne ich häufig Lebensmittel und lasse mir die Inhaltsstoffe sowie eine auf der Konzentration von Fett und Zucker pro 100g basierende "Ernährungsampel" dazu anzeigen, wobei die Informationen hierbei nicht selten deutlich informativer sind als der Packungsaufdruck.
Ein intelligent designtes Onlinekaufsystem per Smartphone dürfte damit sogar gesundheitsfördernd und wettbewerbssteigernd wirken, da einfacher nach sinnvolleren Kriterien als nur der attraktivsten Verpackung ausgewählt werden kann.
Die kurze, zumeist aufgesetzte Interaktion mit gestressten und von Repetition zermürbten Kassierern aufzugeben, nehme ich gerne in Kauf - und das sage ich nicht als Zyniker, sondern - im Gegenteil - als vehementer Befürworter einer lebhaften Kultur des sozialen, zwischenmensschlichen Miteinander.
Die Zeiten bei denen man mit der Kassiererien noch einen Plausch halten konnte, sind schon seit Jahrzehnten vorbei, führt es doch dazu dass sich eine Schlange aus ungeduldigen Leuten bildet.
Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Beiträgen an der Diskussion. Die Redaktion/sc
Natürlich ist das sinnvoll. Vielleicht nicht für jeden und sicher nicht für jeden Anlass, aber den nötigen Einkauf beim Warten auf die nächste U-Bahn zu erledigen hat etwas... Und die beschriebene Art und Weise ist auch angenehmer als der konventionelle Onlineshop. Warum also die ungerechtfertigte Kritik und die unpassenden Verweise auf Datenschutz und Facebook?
Kann mich mal wieder nur wundern...
das riechen an einem Produkt, das prüfen auf Frische usw. Das kann doch ein Foto nicht leisten. Bevor man so einkauft, sollte man dringend sein Verhältnis zum Essen und zu Nahrungsmitteln verändern.
haben doch schon keinen Geschmack mehr. Die kaufen doch persönlich auch nicht anders ein. Leider.
oder an den 10 Millionen anderen Produkten, die nun mal nach gar nix riechen, weil sie schlicht eingepackt sind?
Man kann an allem herummäkeln, sogar an Leserbriefen :)
haben doch schon keinen Geschmack mehr. Die kaufen doch persönlich auch nicht anders ein. Leider.
oder an den 10 Millionen anderen Produkten, die nun mal nach gar nix riechen, weil sie schlicht eingepackt sind?
Man kann an allem herummäkeln, sogar an Leserbriefen :)
Wo liegt der Unterschied zu dieser Form des Einkaufens und dem Einkauf (von Lebensmitteln) über das Internet?
Ist es nicht viel bedenklicher seine sozialen Kontakte über das Internet abzuwickeln statt sich das Warten mit einem Rudel anderer Menschen in der Schlange zu ersparen? SG.
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