Tablet-PCs Warum wir so gerne wischen
Wer ein Tablet in die Hand nimmt, schwärmt bald von der Bedienung. Und das nicht, weil Touchscreens gerade cool sind. Tablets nutzen Bewegungen, die alltäglich sind.
Der Markt für Tablet-PCs boomt. Der Branchenverband Bitcom prognostiziert für 2011 eine Absatzverdopplung auf 1,5 Millionen Stück im Vergleich zum Vorjahr. Aber woher kommt dieses "Haben-Wollen"? Ist es lediglich ein Hype oder lässt sich wissenschaftlich erklären, warum wir so gerne über unser Tablet wischen?
"Manche Dinge sind so einfach, dass wir sie schon können und nicht erst lernen müssen – die Technik fordert uns nicht", sagt Manfred Spitzer, Psychologe an der Uniklinik Ulm und Leiter des Transferzentrums für Neurowissenschaften und Lernen. Tablets gehören für ihn in diese Kategorie. Jacob Nielsen, ein amerikanische Experte für Usability, sieht in der Einfachheit gar ein universelles Gesetz, dass er in Anlehnung an Darwins survival of the fittest als survival of the easiest bezeichnet: das Einfachste setzt sich durch.
Doch nicht nur das Wischen, auch das App-Konzept der Tablets ist clever, weil der Nutzer gezwungen wird, immer nur eine Sache zu machen. "Das klingt im ersten Moment nach Gängeln", sagt Frank Jacob, Designer und Inhaber der Firma Human Interface Design. "Aber in Wirklichkeit ist es enorm attraktiv für uns, weil der ganze Ballast weg ist." Ob Videoplayer, Mails oder Adressbruch – alles wird nacheinander bearbeitet, der Nutzer wird nicht abgelenkt und ist fokussierter. Auch Spitzer hält das für einen Vorteil. "Es gibt wissenschaftliche Studien, die zeigen, dass Multitasker langfristig eine Aufmerksamkeitsstörung entwickeln", sagt er. "Und es deoptimiert unsere Arbeitsleistung."
Ob diese Beobachtungen wissenschaftlich relevant sind, lässt sich nicht sagen. "Dazu gibt es bislang keine Studien, mag aber sein", sagt Spitzer. Die Faszination für Tablets zumindest lässt sich nicht leugnen: Auf YouTube gibt es diverse Videos, die zeigen, wie Kinder scheinbar intuitiv begreifen, wie Tablets zu bedienen sind.
"Wir haben Erfahrungen mit der Umwelt, das macht es uns leichter, die Tablets zu benutzen – weil sie genauso funktionieren", sagt Spitzer. Designer Jacob bestätigt: "Man macht eine Bewegung und sie ist einem sofort vertraut." Als Beispiel nennt der das Vergrößern der Ansicht, indem zwei Finger auseinander gezogen werden. "Wie bei Kaugummi oder Teig", sagt der Designer. Die Tablets nutzen damit Bewegungen, die für uns alltäglich sind.
Deshalb haben auch Senioren keine Probleme im Umgang mit den Geräten. "Jeder hat ein Gefühl für die Grundprinzipien der Physik, weil sie uns immer umgibt. Und viele kleine Details an den Tablets ahmen das allgemein Bekannte nach", sagt Jacob. Wie das Nachfedern einer Liste, wenn der Nutzer beim durchsuchen an deren Ende angekommen ist. "Wir kennen das von Sprungfedern, und es gibt uns das Gefühl, dass wir da nichts kaputt machen können", sagt Jacob, der seinem Vater demnächst auch ein iPad schenken will.
Neben dem Sicherheitsgefühl haben die berührungsempfindlichen Bildschirme einen weiteren Vorteil: "Ein Tablet gibt uns Freiheit", sagt Jacob. "Die Freiheit, sich damit aufs Sofa legen zu können und nicht, wie beim PC, überlegen zu müssen, ob ich den Rechner jetzt noch hochfahre oder nicht." Tablets "sind einfach da", sagt der Designer.
Allerdings ersetzen die Geräte die klassischen Rechner nicht, sondern bilden eine neue Kategorie. "Tablet-PCs etablieren sich als eigenständige Geräteklasse neben Desktop-Rechnern, Notebooks und Netbooks", prognostizierte der damalige Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer bereits im Februar.
Tablets seien "eine natürliche Form der Mediennutzung", sagt der Kommunikationswissenschaftler Thilo von Pape. An der Uni Hohenheim beschäftigt er sich unter anderem damit, wie wir Dinge wahrnehmen und sie uns aneignen. "Früher sind die Menschen ja auch mit ihren Musikinstrumenten und Büchern umhergezogen. Es ist eher unnatürlich, bei der Mediennutzung an einen Ort gebunden zu sein." Wie das eben mit dem Rechner auf dem Schreibtisch und dem Fernseher der Fall ist. "Die Mediennutzung in den letzten fünfzig Jahren hat uns zu Stubenhockern gemacht", sagt von Pape.
Mit Tablets und Smartphones gewinnen wir Mobilität und Flexibilität zurück. Daher seien sie eben nicht nur ein technisches Spielzeug, das herumliegt, sagt von Pape. Sie würden genutzt, "weil man mal eben was im Internet nachschauen kann". Vor allem aber wohl, weil sich darauf wunderbar spielen lässt. Zumindest kommt eine Studie im Auftrag von Google zu diesem Ergebnis. Insgesamt 1.600 Besitzer von Tablets wurden im Frühjahr 2011 gefragt, was sie mit den Geräten tun. 84 Prozent der Befragten spielen darauf, gefolgt von den Angaben "im Internet nach Informationen suchen", "Mails schreiben" und "Nachrichten lesen".
Selbstverständlich haben aber auch Tablets einen Nachteil: "Ich muss immer gucken, dass ich auch die richtige Stelle treffe", sagt Designer Jacob. Anders sei das beispielsweise bei Drehknöpfen: "Ich fasse ihn an und weiß blind, wie er zu bedienen ist". Deshalb arbeiten Ergonomen und Designer an der haptischen Zukunft: Sie heißt organic user interface und bedeutet, dass wir zukünftig nicht mehr auf glatte Displays fassen werden, sondern taktile Informationen bekommen. "Die Oberfläche kann zum Beispiel rau sein", sagt Jacob.
Vielleicht raschelt und knistert dann auch die Zeitung wieder, wenn sie auf dem Tablet umgeblättert wird.
- Datum 14.07.2011 - 11:16 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf mehreren Seiten lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 25
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Ich bin kein Lebensverweigerer.
Aber wer braucht so etwas ? Die Serie aus 2011 ist jetzt schon technisch überholt und könnte in den gelben Sack.
Konsumkrank. HABEN WOLLEN.
Einen von Hand mit Tusche geschriebenen Brief auf gutem Papier hebt man sein ganzes Leben lang auf. Ein Tablet ist schon übermorgen nichts mehr wert.
Alles eine Frage der Einstellung. Wenn Sie der Meinung sind, nach ein paar Jahren ein neues Gerät kaufen zu MÜSSEN, dann ist das so. Weiter werden digitale Standards eine Leserlichkeit genauso lange sicherstellen wie es Füllfederhalter geben wird. Erstaunlich, wie konservativ man eingestellt sein kann.
Alles eine Frage der Einstellung. Wenn Sie der Meinung sind, nach ein paar Jahren ein neues Gerät kaufen zu MÜSSEN, dann ist das so. Weiter werden digitale Standards eine Leserlichkeit genauso lange sicherstellen wie es Füllfederhalter geben wird. Erstaunlich, wie konservativ man eingestellt sein kann.
könnte mit dem Tablet ja evtl. endlich Wirklichkeit werden. Ich suche z.B. vergebens nach einem Tablet für die Uni zum mitschreiben. Aber leider gibts fast nur spiegelnde Daddelbretter, die zum Arbeiten eher ungeeignet sind. Dabei würde ich so gerne auf die Aktenordner, gekaufte Skripte und Blöcke verzichten.
Dieser Mensch sucht nach etwas wirklich Effektivem, um schnell, papierlos und mit System arbeiten zu können.
Die Dinger leisten es nicht. Das reicht noch nicht einmal für einen vernünftigen Einkaufszettel.
Aber die Daddelgemeinde ist begeistert.
Die Sache mit dem papierlosen Büro wird wohl
ein Traum bleiben.
Was wir haben, ist das
bürolose Papier, und das in irrwitzigen Mengen.
Dieser Mensch sucht nach etwas wirklich Effektivem, um schnell, papierlos und mit System arbeiten zu können.
Die Dinger leisten es nicht. Das reicht noch nicht einmal für einen vernünftigen Einkaufszettel.
Aber die Daddelgemeinde ist begeistert.
Die Sache mit dem papierlosen Büro wird wohl
ein Traum bleiben.
Was wir haben, ist das
bürolose Papier, und das in irrwitzigen Mengen.
... und bloß nicht in Kinderhände. Noch in Windeln, von selber nicht die Nase putzen können oder eine Schleife binden - aber vor laufendem Fernseher aufgeräumt - ein Tablet auf den Knien - nätürlich mit den von Kinderpsychologen abgesegneten altersgerechten Anwendungen.
Die Therapeuten freuen sich schon.
Die Verblödung schreitet voran. Täglich.
Dafür gibt es den Filter "Erziehungsberechtigte", die Kindern einen artgerechten Umgang mit Medien beibringen sollen.
Dafür gibt es den Filter "Erziehungsberechtigte", die Kindern einen artgerechten Umgang mit Medien beibringen sollen.
Dieser Mensch sucht nach etwas wirklich Effektivem, um schnell, papierlos und mit System arbeiten zu können.
Die Dinger leisten es nicht. Das reicht noch nicht einmal für einen vernünftigen Einkaufszettel.
Aber die Daddelgemeinde ist begeistert.
Entfernt. Bitte kommentieren Sie das Artikelthema. Danke. Die Redaktion/kh
Die Auslassungen der im Artikel zitierten Experten wirken, als ob sie die Welt neu erfunden hätten.
Multitasking gibt es nicht. Alle Schritte in einem Arbeitsprozeß müssen seriell abgearbeitet werden. Alles Andere hat eine hohe Fehlerquote.
"wie Kinder s c h e i n b a r intuitiv begreifen ...."
Bla, bla. Kinder lernen symbolgeführt. Wenn Kinder dies nicht könnten, wären sie n i e m a l s in der Lage Farben zu unterscheiden oder Schreiben und Rechnen zu lernen.
"ob diese Beobachtungen wissenschaftlich relevant sind, lässt sich nicht sagen." Ja, watt jetzt ?
Aber in einigen Jahren, wenn die ersten Studien über kognitiv verwahrloste Kinder erscheinen.
Haptik. Super.
Kinder werden es vergessen, wie sich ein Buch anfühlt oder beim Umblättern anhört. Ich kann Bücher sogar noch nach dem Geruch unterscheiden. Auch super.
Hört auf! Tut das euren Kinder nicht an.
es sind höchstens Bewegungen, die bereits zivilisatorisch vorgeprägt sind. Und etwas mit zwei Fingern einer Hand zu vergrößern, ist vielleicht einfach und schnell zu lernen, aber alles andere als intuitiv oder natürlich.
Das Mädchen im eingebetteten Film hat das Teil nicht zum ersten mal in der Hand, das sieht man sofort, wenn sie das Teil in die Hand nimmt.
Ich habe nichts gegen diese Pads, es gibt durchaus passende Anwendungsfälle, aber gerade im privaten Bereich und speziell bei Apple sind es doch reine Konsumgeräte, über die verkauft werden soll.
Es ist schon bemerkenswert wie es den Herstellern gelungen ist diese Geräteklasse zu etablieren. Alles ist nun also auf Tablet zu haben. .... so so... Es ist geradezu erschreckend mit anzusehen, wie Menschen sich der Technik anpassen um "hype" zu sein. Mir fällt das besonders immer auf Konferenzen auf. Tablets sind in aller Munde, und wer als Trendy was auf sich hält hat dann natürlich auch eines. Und dann muß natürlich ALLES damit gemacht werden, Mails, Artikel, Konferenz etc. Da sitzt dann der Nicht-Trendige als mit seinem Sub-Notebook klappt es auf und tippt in rasender Geschwindigkeit die neuesten Infos rein. Danaben aber ganz trendy ein Apple-Opfer :-)
Tja wohin mit dem Ding? also auf den Schoß, weil in einer Hand halten ... nicht gut beim Tippen. Nun iss es flach...eine sehr gekrümmte Arbeitshalteung ist die Folge. Aber egal. Tastatur einblenden, zum Glück kann man wischen, nimmt sie doch einen großen Teil des Sichtfeldes weg. Und die Businessfrauen (besonders lustig) sitzen denn da und verzweifeln mit den langen Fingernägeln am kapazitiven Bildschirm. Letzlich läufts dann auf mühsam 2 Finger Suchsystem hinaus.
Aber egal..... man (frau) ist treeeeennnndyyy!
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren