Die deutschen Zeitungsverlage sind in Kampfstimmung: Nachdem das Geschäftsjahr 2010 für sie nicht so gut wie erwartet gelaufen ist und trotz anziehender Konjunktur nur ein knappes Umsatzplus von 0,7 Prozent auf 8,5 Milliarden Euro erzielt werden konnte, wollen die Verlage jetzt noch stärker in die Offensive gehen. Das kündigte Dietmar Wolff, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) am Dienstag bei der Jahrespressekonferenz des Verbands in Berlin an.

Grund für die enttäuschenden Ergebnisse ist nach Ansicht des Verbands nicht die mangelnde Attraktivität der Zeitungen. Zwar sei deren Auflage 2010 erneut um 2,35 Prozent auf insgesamt 24 Millionen verkaufte Exemplare pro Tag geschrumpft. "In der Summe aber erreichen viele Zeitungen gedruckt plus online plus mobil heute mehr Menschen als je zuvor", sagte Wolff.

Mit 40 App-Angeboten für das iPad und 60 App-Angeboten für Smartphones, von denen die meisten jeweils kostenpflichtig seien, hätten die Verlage zudem erste gute Entwicklungen gemacht, um Bezahlmodelle im Netz zu etablieren. Viele weitere Apps seien in Zukunft geplant.

Konkurrenten sind Google und öffentlich-rechtliche Sender

Doch gleich zwei Konkurrenten machten es den Verlagen schwer, sich wirtschaftlich und publizistisch weiterzuentwickeln: Google und die öffentlich-rechtlichen Sender. Beide Parteien würden sich nicht wettbewerbsgerecht verhalten und dagegen gehen die Verlage jetzt vor. Gebührenfinanzierte Gratis-Apps wie beispielsweise die "Tagesschau"-App sind nach Wolffs Ansicht ein "Killer für ein digitales Geschäftsmodell der Presse“ und ein "staatlich finanziertes Presseprodukt".

Wenn öffentlich-rechtliche Sender ein gutes journalistisches Produkt anböten, seien Nutzer nicht bereit, für gute Apps der Verlage zu zahlen. Alle im BDZV versammelten Zeitungshäuser würden deshalb die Klage von acht Verlagen gegen ARD und NDR wegen der "Tagesschau"-App unterstützen.

Auch gegen Google will sich der BDZV wehren. Das US-Unternehmen sei von einer Suchmaschine "zu einem der größten Medienunternehmen der Welt avanciert und kann sich – anders als jeder Zeitungsverlag – unkontrolliert im Markt bewegen", sagte Wolff. Vor dem Bundeskartellamt in Bonn und der EU-Kommission hat der Verband deshalb zusammen mit dem Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) ein Verfahren initiiert.

Verlage fordern von Google Beteiligung an Einnahmen

Durchgesetzt werden soll damit ein faires Ranking der Suchergebnisse und eine angemessene Beteiligung an den Einnahmen, die Google mit Hilfe der von den Verlagen produzierten Inhalte erziele. In Brüssel würden die Forderungen bereits geprüft, die Bonner Behörde werde vermutlich im Herbst entscheiden, ob sie das Verfahren aufnehme.

Mit einer Entscheidung, ob Google den Forderungen nachkommen müsse, könne allerdings erst in ein bis zwei Jahren gerechnet werden. Bereits für das laufende Geschäftsjahr ist der Verband optimistisch und rechnet mit stabilen Umsätzen in der Zeitungsbranche.

Erschienen im Tagesspiegel.