FoxconnApples Erfolge sind billig erkauft

Die Arbeitsbedingungen bei Apples Zulieferern waren mies, Apple versprach Besserung. Einem neuen Bericht zufolge aber hat sich daran bisher nicht viel geändert. von 

Sacom-Aktivisten protestieren in China gegen Apple

Sacom-Aktivisten protestieren in China gegen Apple  |  © MIKE CLARKE/AFP/Getty Images

Der neue Apple-Chef Tim Cook präsentierte am Dienstag nicht nur ein neues iPhone , sondern auch die neuen Läden des Konzerns in China. 100.000 Menschen seien am Eröffnungstag in Shanghai erschienen, sagte Cook und führte Fotos und Filme von glücklichen Käufern vor. Was er nicht zeigte: Bei der Eröffnung in Hongkong vor wenigen Tagen kamen nicht nur Fans, sondern auch viele Kritiker.

" No more iSlave " stand auf den Plakaten, mit denen die Initiative Students and Scholars Against Corporate Misbehavior (Sacom) in Hongkong gegen die Bedingungen in den Produktionsstätten demonstrierte , in denen auch Apple seine Geräte zusammenschrauben lässt. Gleichzeitig veröffentlichte die Initiative ein Papier über die Arbeitsbedingungen bei Foxconn , dem wichtigsten Hersteller der Apple-Hardware.

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Immer wieder gibt es solche Berichte aus Chinas Elektronikbranche, immer wieder gibt es Meldungen über Vergiftungen , Selbstmorde , Hungerlöhne und grundsätzlich unwürdige Behandlung von Angestellten. Vor allem ein Unternehmen wird dabei genannt: Foxconn.

Die taiwanische Firma ist der weltweit größte Auftragsfertiger von Elektronik. Ob Nokia, Sony, Dell oder eben Apple – sie alle lassen in den chinesischen Fabriken von Foxconn ihre Produkte zusammenbauen. Ohne Foxconn könnte Apple nicht so enorme Gewinne machen, sagen Analysten.

Anfang des Jahres war daher Apple-Chef Cook persönlich nach China gereist , um sich die Fabriken in Shenzen anzusehen. Mehrfach hat Apple außerdem beteuert, man fühle sich verpflichtet, für "sichere" Arbeitsbedingungen zu sorgen und dafür, dass die Beschäftigten mit Respekt behandelt würden .

Der nun von Sacom veröffentlichte Bericht lässt den Schluss zu, dass der Konzern damit nicht sehr weit gekommen ist, beziehungsweise dass sich längst bekannte Probleme wiederholen. Die Fabriken in Shenzen, die Cook besuchte, werden darin nicht erwähnt. Doch nach einer Selbstmordserie dort verlegte Foxconn auch einen großen Teil seiner Produktion innerhalb kurzer Zeit nach Chengdu in die chinesische Provinz Sichuan.

In dem Bericht von Sacom nun geht es um eine Tochtergesellschaft von Foxconn, um die Futaihua Precision Electronics Company in Zhengzhou in der Provinz Henan. Auch dort lässt Apple fertigen, vor allem iPhones. Die Berichte der Arbeiter gleichen denen von anderen Standorten.

Leserkommentare
  1. besitze. Apple schließt aus, Apple beutet aus, Apple ist uncool.

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    Welche nachweislich unter besseren Arbeitsbedingungen entstandenen Produkte welcher Anbieter nutzen Sie denn?

    dass wir jetzt alle einen Schuldigen ausgemacht haben, auf den wir mit den Fingern zeigen können.

    Wie der Artikel schon erwähnte, produzieren viele andere nahmhafte Firmen bei Foxconn.
    Und es ist nicht nur die Elektronikbranche, sondern auch die Textilindustrie und die Spielwarenindustrie. Es steht zu befürchten, dass die Arbeiter in den Branchen nicht besser behandelt werden.
    Wir sollten alle bei uns selber anfangen. Unsere Geiz-ist-Geil Mentalität hat letztendlich dazu geführt, dass eine ganze Nation zur Fabrik der westlichen Welt geworden ist.

    Das ausbeuterische System "Made in China" auf nur eine Marke oder gar ein Produkt zu reduzieren ist so dreist wie falsch.

  2. Welche nachweislich unter besseren Arbeitsbedingungen entstandenen Produkte welcher Anbieter nutzen Sie denn?

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    >>> Welche nachweislich unter besseren Arbeitsbedingungen entstandenen Produkte welcher Anbieter nutzen Sie denn? <<<

    Darum geht es doch gar nicht. Natürlich kann ich das nicht für jedes Produkt überprüfen. Sondern es geht darum, dass ich meine Verantwortung sehe und wahrnehme, wenn mir eine solche Diskrepanz zwischen der Eigendarstellung eines Unternehmens und der "Innenansicht" bekannt wird.

    • Buh
    • 06. Oktober 2011 14:14 Uhr

    nach denen zb Samsung bessere Arbeitsverhältnisse, ich glaube mit die besten, hat. Die Perfekte Firma gibt es sicher nicht, aber es gibt Gradienten, und wenn bei einer Firma so sonnenklar ist, dass sie unter menschenunwürdigen Bedingungen, aus reiner Profitgier produziert, dann sollte niemanden mehr interessieren, wie toll das Produkt ist.

  3. Apple hat immer schon sehr zweifelhaft am Markt agiert und mehr durch Rechtsanwälte als durch wirkliche Leistung erwirkt. Die Praxis gilt für die letzten knapp 30 Jahre.
    Ich frage mich nun, warum erst zum Zeitpunkt des Wechsels von S. Jobs in den Aufsichtsradvorsitz die Medien Apple (zu recht) kritisieren und warum sie es nicht schon seit Jahren tun?

    Ich habe mir im Jahr 2000 einen G4 gekauft mit für damals toller Ausstattung. Ich habe nach zwei Tagen gesagt: Nie wieder Apple und so wird es bleiben. Der dann wegen Untauglichkeit wenig genutzte Rechner tut's allerdings nach Aufrüstung vor 8 Jahren, immernoch.
    Apple ist seit Win98 nur noch 2. Wahl und kann vom UI nie zu Ubuntu oder Win-7 aufschließen. In den 80ern war der Mac dem Atari-TOS hoffnungslos unterlegen.
    Die vermeintlichen Kult-Produkte sind bereits von der Konkurrenz eingeholt worden - ein Phone-7 sieht schon besser aus als iOS, den Vergleich zu Android 2.3.x verliert Apple UI seitig ebenso.

    • Karl63
    • 05. Oktober 2011 15:07 Uhr

    Von dem Beitrag in Frontal 21 habe ich leider nur den Schluss gesehen (meine Schuld), aber die Rechnung die dort aufgemacht worden ist sagt sehr viel: Apple würde auch dann noch am Iphone ordentlich Geld verdienen, wenn man die Endmontage der Komponenten in den USA erledigen lassen würde.
    In der augenblicklichen Krise in den USA bekommt derartiges natürlich ein ganz anderes Gewicht: all die Milliarden, mit denen Obama verzweifelt versucht neue Arbeitsplätze zu schaffen, bewirken nichts weil die Befriedigung des Gewinninteressen der Aktionäre (Shareholder) zur alleinigen Maxime geworden ist. Mag sein, dies ist genau der Weg den man gehen musste, um Apple zu einem derart fulminanten Börsenwert zu verhelfen, aber die US-Amerikanische Volkswirtschaft bleibt dabei irgendwie auf der Strecke.
    Ansonsten wäre noch darauf hinzuweisen, dass Foxcon nicht nur für Apple, sondern auch für viele andere Elektronikhersteller Geräte fertigt. Das wirft die Frage auf, ob man denn für solche "Allerweltsprodukte" akzeptieren muss, dass diese unter Arbeitsbedingungen gefertigt werden, die durchaus dazu geeignet sind Assoziationen zu einem Straflager zu wecken.

  4. ... wußte ja schon Louis Fürnberg ;-)

    Antwort auf
  5. da macht es sich die kritik wieder sehr einfach. ist ja klar, apple ist erfolgreich und da nörgelt man gerne ein wenig. für die arbeitsbedingungen in china ist aber nicht ein amerikanisches unternehmen sondern die chinesische regierung zuständig, mithin die kommunistische partei chinas. zuvorderst ihre aufgabe ist es, angemessene und menschenwürdige arbeitsbedingungen zu schaffen und gesetzlich zu regeln. dass dies nur unvollkommen oder nicht geschieht zeigt die verwahrlosung des politischen systems in china. apple kann sich der notwendigkeit der produktion in schwellenländern nicht entziehen, da alle konkurrenten dort produzieren. einzelne unternehmen zu kritisieren ist einfach, verhindert aber die kritik an der verantwortlichen politik chinas.

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    • asdfjk
    • 05. Oktober 2011 18:19 Uhr

    "Der Kapitalist ist im Kapitalismus gezwungen, auszubeuten."

    Ich erwarte von einem Unternehmen mit einer Gewinnmarge wie Apple, dass es ein Minimum an Moral besitzt.

    Wenn Sie recht haben und das Unternehmen dazu nicht an der Lage ist, dann sollten wir dieses Monster schnellstens verhungern lassen (keine Produkte mehr kaufen).
    Wenn ich recht habe und das Unternehmen noch ein wenig Spielraum bei der Wahl seiner Zulieferer besitzt, dann sollten wir es dafür bestrafen, dass es diesen Spielraum nicht nutzt (keine Produkte mehr kaufen).

    • Gafra
    • 06. Oktober 2011 11:21 Uhr

    versucht da was zu ändern. setzen die Weltkonzerne ihr die Pistole auf die Brust und sagen: Es gibt ja noch Vietnam, Kambodscha und was der Niedrigstlohn-Länder ( vulgo Sklavenländer) mehr sind.

  6. Apple muss soviel wie möglich noch herauspressen, da sind sehr bald out sein werden. Ihre lächerlichen "Neuveröffentlichungen" schrecken langsam immer mehr ab.
    Würde ein anderer Hersteller sowas wie das 4S oder wie das heißt verkaufen, dann wäre das das Ende für diese Produktreihe. Das mediale Feedback und die Kundenreaktionen würden den Hersteller in der Luft zerreißen.
    Passt jedenfalls gut zu diesem Elektroschrott im schönen Anzug, dass die Arbeitsbedingungen genauso schlecht wie die Ingenieure unfähig sind.
    Ich habe damals eines dieser verfehlten Iphones mit der Antenne, die in der Hand nicht mehr funktionierte, erworben.
    Am liebsten hätte ich das Ding den verantwortlichen "Ingenieuren" und "Technikern" in die Visage gefeuert.
    Aber die extrem aggressive Werbung und der Hype reichen, um die Lemminge zum Kaufen zu bewegen. Dabei werden auch mal Patente anderer missachtet, wie z.B. bei Samsung.
    Andere Hersteller haben bessere Produkte für deutlich weniger Geld.

  7. Das ist scheinheilig was Apple macht. Die Berichte die Apple einfordert bedeuten gar nichts. Foxconn kann da reinschreiben was es will. Es gibt keinerlei unabhägige Kontrolle und Apple hat wahrschenlich nicht mal einen Plan B was im Fall des Falles für Konsequenzen kämen sollte sich herausstellen, dass sich nichts geändert hat (wonach es ja aussieht).

    Es ist wie im Film. Apple ist wohl das menschenverachtendste Unternehmen überhaupt zur Zeit und jeder, der etwas von Apple kauft muss sich darüber klar sein, dass er damit auch moderne Sklaverei honoriert und sich noch dazu gnadenlos überhöhte Preise diktieren lässt - von den absurden Nutzungsbedingungen mal ganz abgesehen.

    Das Problem ist, dass es in China keine Zivilgesellschaft gibt, die Kontrolle über gesellschaftliche Belange ausüben kann. In Russland ist das ähnlich, wenn auch nicht ganz so erbarmunglos. Gerade haben diese beiden Länder eine Resolution zu Syrien verhindert (http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-10/syrien-sicherheitsrat-resolution) wie so oft wenn es darum ging die Kumpanei mit befreundeten Regimen zu verteidigen, die die Menschenrechte der Bevölkerung in ihren Ländern mit Füssen treten.

    In Ländern wie China beutet ein Filz von korrupten Beamten und global Playern der internationalen Wirtschaft die Menschen aus und wenn sich daran nichts ändert werden sich auch in anderen Ländern mit zivilisierten Gesellschaften bald umsehen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Tim Cook | Foxconn | Apple | Nokia | Sony | China
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