Apple: Siri könnte die mobile Welt verändern
Die iPhone-Software Siri ist revolutionär, findet Felix Schwenzel. Denn die Sprachsteuerung von Apple macht beliebige Datenquellen intuitiv und unkompliziert nutzbar.
© Kevork Djansezian/Getty Images

Apple stellt bei seiner Produktshow die Sprachsoftware Siri vor
Seit 1984 haben sich die Schnittstellen, mit denen wir Computer bedienen, nicht mehr verändert: Tastatur, Maus oder Trackpad erledigen die Eingabe; Daten werden in verschiebbaren und in der Größe veränderbaren Fenstern dargestellt und in hierarchischen Dateisystemen gespeichert, die "Dokumente" verwalten.
Zwar gibt es seit Jahren unter anderem die Möglichkeit, Computer mit einem Stift zu steuern oder auch mit der eigenen Stimme. So versteht Windows 7 seinen Nutzer vergleichsweise problemlos und kann komplett per Wort dirigiert werden. Durchgesetzt aber hat sich diese Technik bislang nicht so richtig. Denn der Nutzer muss zuvor wie eben bei Windows die korrekten Kommandos lernen und beispielsweise Dinge sagen wie: "Bildlauf nach oben" oder "auf Papierkorb doppelklicken". Das ist nicht viel anders, als mit der Maus auf das Symbol zu drücken.
Anders die Software Siri, die nun auf dem aktuellen iPhone läuft. Sie scheint uns tatsächlich zu verstehen. Überhaupt hat Apple mit der Einführung des iPhones und des iPads grundlegend verändert, wie wir mit einem Computer interagieren. Nicht, dass der Konzern den berührungsempfindlichen Bildschirm oder die Sprachsteuerung erfunden hätte. Aber dank der Neuerungen nehmen wir die meisten Geräte gar nicht mehr als Computer wahr.

Ein typischer Dialog mit Siri.
Zwei Beispiele: Mit dem iPhone aufgenommene Fotos müssen nicht aktiv irgendwo gespeichert oder benannt werden. Sie landen von selbst in einer App, die "Fotos" heißt und lassen sich mit zwei Handgriffen per E-Mail verschicken oder zu Facebook schieben. Keine Datei muss gesucht, hochgeladen und angehängt werden, das erledigt das System von selbst. Auch Notizen können einfach in eine App namens "Notizen" geschrieben werden. App öffnen, schreiben, schließen. Das Speichern erledigt das System.
Geringe Kompexität
Der Trick ist die Vereinfachung der Oberfläche. Das Prinzip ist mittlerweile zu einem Standard der Computerindustrie geworden und das nicht nur bei mobilen Geräten. So wird die kommende Windowsversion viele dieser Konzepte anbieten: geringe Komplexität, intuitive Gestensteuerung, vereinfachtes und berührungsfreundliches Design.
Apple allerdings scheint schon wieder einen Schritt weiter zu sein. Nachdem das Unternehmen die Gestensteuerung eingeführt und damit eine ganze Industrie inspiriert hat, nimmt es sich nun die Sprache vor. Die Technologie, mit der sich das neue iPhone verbal und wenn man möchte auch ohne Augenkontakt steuern lässt, heißt Siri. Apple hat sie von Siri Inc. gekauft, einer Firma, die das Konzept seit dem Jahr 2007 entwickelt hat.
Sprachsteuerung ist nichts Neues. Eine Spracherkennung aber, die erstens funktioniert und zweitens das Gesagte interpretiert und zumindest ansatzweise die Intention erkennt ist, ist durchaus eine Neuerung. Anders als bei einer klassischen Handy-Sprachsteuerung kann man Siri beispielsweise in umgangssprachlichem Ton sagen, es solle die Schwester auf der Arbeit anrufen. ("Ruf meine Schwester auffa Arbeit an", funktioniert tatsächlich.)
Siri fragt und lernt
Kennt Siri die Schwester nicht, fragt es nach, wer die Schwester sei und merkt sich die Information fortan. Sind Privat-, Handy- und Arbeitstelefonnummern sorgfältig im Adressbuch gepflegt, fragt Siri nicht mehr nach. Das Programm erfasst den Kontext und wählt die richtige Nummer.
In Deutschland kann Siri auf diese Weise SMS-Nachrichten oder E-Mails verschicken oder vorlesen, Termine, Weckzeiten und Erinnerungen einrichten oder ändern, Fragen zum Wetter oder zum Sonnenauf- und -untergang beantworten, Aktienkurse anzeigen oder Musik abspielen.
Auf technischer Ebene laufen bei der Kommunikation mit Siri vier Prozesse ab. Der erste ist die eigentliche Spracherkennung, die Apple von der Firma Nuance lizensiert hat. Nuance hat Erfahrung in dem Gebiet und bietet beispielsweise auch das bekannte Diktierprogramm Dragon Dictate an.







...ist leider dieses "was das System nicht alles könnte".
Es *kann* es nicht. Die deutsche Version ist nur äußerst eingeschränkt nutzbar und beschränkt sich mehr oder weniger auf die Steuerung von iPhone-Funktionen - und auch die nur eher rudimentär. Klar kann ich so im Auto schnell eine SMS oder Email diktieren. Klar kann Siri mir einen Termin erstellen - aber ich muss ihn manuell bearbeiten, wenn ich an diesen Termin auch erinnert werden will (oder ich habe das entsprechende "magic word" noch nicht gefunden - ohne geht es offenbar doch nicht). Von "eine Sprache zur gleichen Zeit" (Amy Weinhaus) ganz zu schweigen. Wöllte ich wissen, wie ein Wiesel aussieht (was die Werbung ja zeigt), hätte ich auch keinen großen Erfolg.
Ja, es ist Beta. Aber in meinen Augen ist es eher ein Feature was noch schnell dazugestrickt wurde, um ein Aufhänger für das 4S zu finden. Es ist technisch modernisiert und vor allem für Spiele etc. *deutlich* leistungsfähiger - das widerspricht aber dem üblichen Apple vorgehen, eben *nicht* über Spezifikationen zu verkaufen. Siri ist etwas, was in meinen Augen etwas, was dem üblichen Apple-Konzept (es funktioniert einfach) wirklich eklatant widerspricht. Es ist eine Feature, das auf Englisch Beta ist und in allen anderen Sprachen vielleicht eine Alpha. Aber immerhin - (irgendwann) 2012 soll es ja auch für andere Sprachen ausgebaut werden. Da kommt aber voraussichtlich auch irgendwann das iPhone 5.
Es ist schon sonderbar, dass bei einer Diskussion über Apple und deren Produkte bei vielen ein Beissreflex einsetzt, der eine sachliche Diskussion über das beschriebene Thema zu verhindern versucht.
Die Frage, die sich bezogen auf den Artikel bzgl. Siri stellt: Kann dieses Feature im iPhone dazu führen, dass die Sprachsteuerung zu einer breit akzeptierten Methode führt, so wie es z.B. auch die grafische Oberfläche, die Gestensteuerung usw. (egal, wer es erfunden hat!) geschafft haben. Die Sprachsteuerung ist, wie auch im Artikel bemerkt, nicht neu. Aber heutzutage führt sie im praktischen Gebrauch ein Schattendasein.
Es spielt auch keine wesentliche Rolle, wer letztlich die entscheidenden Puzzlestücke erfunden hat, denn "wir seien gleichsam Zwerge, die auf den Schultern von Riesen sitzen". Und weiter: "Indem sie dem vorgefundenen Wissensschatz ihren eigenen bescheidenen Beitrag hinzufügen, kommt Fortschritt zustande." (siehe Wikipedia)
Warten wir also ab, ob die Sprachsteuerung im IPhone von den Kunden in breitem Maße als Alltagstechnologie angenommen wird - und zu welchen Anstrengungen die Konkurrenten veranlasst werden.
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