David Pogue testet Gadgets für die New York Times und ist normalerweise schnell für neue Geräte zu begeistern. Der Kindle Fire, das nur 200 Dollar teure Tablet von Amazon , überzeugt ihn jedoch nicht. "Man bemerkt das Preisschild bei jeder Wischgeste", schreibt Pogue . Viele Darstellungen auf dem Display seien langsam und ruckelig, Eingaben würden vom Gerät manchmal nicht registriert. "Das wirkt alles störrisch." Nicht einmal der von Amazon so heftig beworbene Silk-Browser erfülle die Erwartungen: Von der versprochenen hohen Geschwindigkeit beim Laden der Websites jedenfalls sei nichts zu bemerken.

Wer ein iPad oder ein "echtes" Android-Tablet gewohnt sei, den würden beim Kindle Fire "die Software- Gremlins in den Wahnsinn treiben", schreibt Pogue. Er hofft, dass Amazon die Software bald nachbessert.

Auch andere Tester kitisieren diese Punkte, doch fällt ihr Urteil insgesamt gnädiger aus. Tim Stevens vom Technikblog Engadget hält den Kindle Fire für "ein großartiges Angebot und die vielleicht beste, engste Integration von Einkaufsmöglichkeiten für digitale Inhalte in einem mobilen Gerät, die es bisher gibt. Anstatt eine einzelne Shopping-App zu haben, ist das ganze Gerät selbst ein Geschäft", lautet sein Fazit.

Das ist als Lob gemeint, allerdings als ein eindimensionales. Stevens schreibt: "Es ist ein vielversprechender Ausblick in die Zukunft des Kommerzes."

Die Mängel bei der Bedienung des Tablets nerven aber auch ihn: Das "Karussell" genannte Menü, in dem zuletzt benutzte Apps und Inhalte gesammelt sind, erfordere "nervtötend präzises" Antippen mit den Finger, sonst öffne es die entsprechenden Dinge nicht. Zudem beklagt auch er die ruckelnde Darstellung. Als Ursache vermutet er den nur 512-Megabyte großen Arbeitsspeicher, oder die umfassende Modifikation des Android-Betriebssystems 2.3 durch Amazon.

Ein weiterer Nachteil ist für ihn der kleine interne Speicher von nur acht Gigabyte, der auch nicht erweitert werden könne. Zwar sei das Gerät darauf ausgelegt, alle Inhalte in einem WLAN zu streamen, sie also nicht auf dem Gerät selbst zu speichern, sondern nur abzuspielen. Doch wer offline Filme schauen oder Musik hören wolle, gelange schnell an die Grenzen des Speichers. Stevens wünscht sich Versionen mit 16 und 32 Gigabyte, für die er, schreibt er, auch gern mehr Geld zahlen würde.

Für Joshua Topolsky von The Verge ist  das Hauptproblem des Kindle Fire der Mangel an guten Apps. Derzeit stünden 10.000 davon zur Verfügung – im Vergleich zu Apple und dem Android-Market sind das wenig. Auch das vergleichsweise veraltete Betriebssystem könnte für Amazon ein Risiko sein, glaubt er. Der Konzern hatte die Version 2.3 als Basis für sein System genutzt und diese stark umgebaut.

Derzeit ist Android aber schon in der Version 3.0 (Honeycomb) verbreitet, erste Geräte haben bereits den Nachfolger mit der Nummer 4.0 (Ice Cream Sandwich) installiert . Daher sind Apps, die jetzt für neue Versionen auf den Markt kommen, mit dem Amazon-Tablet nicht nutzbar.

Dass sich Entwickler die Zusatzarbeit aufhalsen werden, ihre Apps für ein einziges Gerät noch einmal neu zu programmieren, sei fraglich, schreibt Topolsky.