E-Books : Apple attackiert Amazon mit neuer Software

Apples "iBooks Author" ist mehr als ein Werkzeug zum Erstellen von Lehrbüchern. Im Schatten seiner Bildungsinitiative startet Apple auch einen Angriff auf Amazon.
Multimediale, interaktive Bücher sind nicht nur für Bildungseinrichtungen interessant, sondern auch für den Ratgeber-, Reiseführer- und Sachbuchmarkt. © Mario Tama/Getty Images

Apple drängt in den Bildungsbereich. Das Komplettpaket der am Donnerstag vorgestellten Apple-Produkte – also die iBooks 2, das Tool zu deren Produktion sowie das erweiterte Lehrangebot in " iTunes U" – ist ein Angebot, das sich für Schulen und Hochschulen mittelfristig lohnen könnte. Und natürlich langfristig für Apple selbst. Denn der Konzern liefert nun Verlagen, Schulen, Lehrern und Schülern gute Argumente, seine teure Hardware zu kaufen. Zunächst muss Apple dafür aber möglicherweise Kompromisse eingehen.

Viele Schulen sind finanziell schlecht ausgestattet, die Preise für das iPad müssten also sinken. Lance Ulanoff vom Blog Mashable spekuliert bereits , Apple werde noch in diesem Jahr eine abgespeckte Version für 199 Dollar anbieten. Auch für die iBooks, glaubt er, wird es Mengenrabatte geben. Am Ende muss für die Schule die Rechnung aufgehen: Die Anschaffung von beispielsweise 30 iPads pro Schulklasse sowie von einem neuen Set von iBooks für jeden Jahrgang muss günstiger werden als der Kauf von gedruckten Büchern, die nach fünf Jahren ausgetauscht werden müssen, weil sie veraltet sind und zu viele Gebrauchsspuren haben.

Dazu ein Rechenbeispiel: Eines der Algebra-Bücher, die bereits als iBook 2 zum Preis von 15 US-Dollar verkauft werden, kostet in der gedruckten Fassung etwa 100 Dollar. Nach fünf Jahren muss es ausgetauscht werden. Da die iBooks 2 zwar von den Schulen gekauft, aber mit den Apple-IDs der Schüler verknüpft sein werden und deshalb nur von ihren iTunes-Konten aus zugänglich sind, müssen sie jedes Jahr neu von der Schule erworben werden. In fünf Jahren kommen da 75 Dollar zusammen. Legt man die jährliche Ersparnis von 25 Dollar für jedes Buch zugrunde, das ein Schüler braucht, kommen schnell 200 Dollar zusammen. Für die Schulen lohnt sich das also nur, wenn Bücher und iPads günstiger werden – und wenn die Hardware mehrere Jahre hält, bevor sie ersetzt werden muss.

Ende der Hochpreisstrategie ist fraglich

Was die Lehr- und Lernkultur angeht, sind die USA auf dem für Apple richtigen Weg: iPads werden bereits an vielen Schulen eingesetzt und künftige Lehrer und Schüler wachsen sowieso mit Tablets und den passenden Inhalten auf.

Für Apple müssen die Preise für Hardware und Inhalte allerdings so hoch bleiben, dass am Ende ein Gewinn herauskommt. Angesichts der bisherigen Hochpreisstrategie ist keineswegs ausgemacht, dass der Konzern wirklich Billigtablets anbietet oder große Mengenrabatte gewährt. Möglicherweise rechnet Apple aber sinkende Preise ohnehin ein, da Tablets insgesamt günstiger werden könnten, wenn diese Gerätekategorie weltweit beliebter wird.

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Kommentare

74 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

Our Daily Apple gib' uns heute...

Und diese Milchmuschirechnung ist natürlich auch fantastisch:

Warum sollten die Verlage sich nun mit 75$*70%=52,50$ Dollar zufieden geben? Soviel kostet wohl kaum ein Buchdruck, zudem entstehen zusätzliche Kosten für interaktiven Spielkram...

Wo ist denn da die Logik?

Und in Deutschland muss ein Buch nicht nach fünf Jahren auf den Verbrennungsturm, sondern wenn es kaputt ist. Die Rechnung passt vorne und hinten nicht. Nicht zuletzt die Stromkosten und ein iPad WIRD keine 5 Jahre funktionieren, da es entweder vorher zum Schulaussenseiter-Verkloppen benutzt wird, runtergefallen, abgerippt oder einfach der Akku kaputt ist...

Ich freu' mich schon auf die Schulbücher der Zukunft: "Guttenberg - Vorerst Mathe" oder "Wulff - Deutsch kommt hintendran" kann ja jetzt jeder machen. Und auch Apple kann Zentral alle Bücher zensieren, dann fehlt in der Liste der reichsten Menschen plötzlich Bill Gates...

Monopol

Inwiefern hat Adobe ein "Monopol" auf PDF? Sie stellen die mit Abstand beliebtesten Werkzeuge zur Herstellung und zum Lesen her, das ist ja nun aber kein Monopol.

Abgesehen davon ist PDF ein katastrophal schlechtes Format für Ebooks und wird in diesem Bereich eh Probleme bekommen. Es wird dort nur noch eingesetzt, weil einige Dienstleister nur PDF können. Sobald es nicht um Printlayout geht, ist es aber einfach nur falsch, es einzusetzen.

Nicht wirklich:

Was ist den die Alternative für PDF? PS? DVI?

Wissenschaftliche Artikel sowie Bücher werden von kompetenten Autoren heutzutage in TeX oder LaTeX (oder anderen Variation) geschrieben - da sind die Ausgabeprofile DVI, PS und PDF.
Letzteres ist auf Computern nie ein Problem - wie aber richtig angemerkt wurde auf mobilen Geräten, wobei ein BlackBerry Playbook mit einem LaTeX-generiertem PDF Dokument keine Probleme hat.
(Ein Sony eReader fällt beim Reflow aber sehr schnell auf die Nase wenn es nicht aus Adobe's Acrobat kommt.)

Und zum Thema "Lesbarkeit" - hat man zwei gedruckte Dokumente vor sich, Word und LaTeX sieht letzteres besser aus. (Hat sich sogar an der Uni bestätigt wo ich aktuell LaTeX predige :D)

Es geht um Ebooks

Die wesentliche Eigenschaft von PDF ist die Erhaltung des Layouts. Das ist genau die Eigenschaft, die für Ebookreader und auch die Anzeige längerer Texte am Computer völlig irrelevant und sogar schädlich ist (ihr Sony-Reflow-Beispiel). PDF hat sich verbreitet, als Dokumente noch ausgedruckt wurden, möglichst auf einer fixen Seitengröße (bei uns A4); da ergibt diese Eigenschaft Sinn. Für Ebooks ist verpacktes HTML/CSS jeglicher Couleur (i.e. Epub, AZW) wesentlich besser geeignet (oder andere semantische Auszeichnungen, aber da gibt es sonst nicht mehr viel).

Diesen Paradigmenwechsel kapieren einige Altlayouter nicht, die der Meinung sind, man müsse immer noch pixelgenau Positionen, Schriftarten, Größen und Zeilenabstände vorgeben und daher an PDF festhalten. Das ist veraltetes Printdenken, das die Nützlichkeit solcherart erzeugter Dateien enorm einschränkt.

"Kompetente Autoren" ist übrigens ein "No true scotsman"-Argument. Wahrscheinlich gibt es eine vielfache Anzahl von fachlich kompetenten Autoren, die mit Wordvorlagen Dokumente erstellen als es überhaupt Latexbeherrscher gibt. Und es ist völlig irrelevant, welches Werkzeug genutzt wird, wenn das Ergebnis semantisch korrekte Dateien sind - was mit Word bei Vorlagennutzung genauso möglich ist.

Reflow und "look"

Ihr Reflow Argument ist sicherlich korrekt, andererseits, Reflow für Text funktioniert. Nur Tabellen oder Formeln sorgen für Chaos...

Es scheint mir insofern eher ein Problem des implementierten Algorithmus zu sein.

Zum Thema Word vs. LaTeX:
Man kann sicherlich ein ordentlich formatiertes Word Dokument erstellen, es braucht bloß mehr Zeit, kostet mehr Nerven und sieht hässlicher aus.
Die Schrift in Word ist "zu schwer". Und der Formel Editor vor Office 2007 ist eine Katastrophe.

Typographie und Erhaltung des Layouts

Typographie ist eine unterschätzte Kunst, die wesentlich zur angenehmen Lesbarkeit langer Texte beiträgt. Dazu gehört unter anderem ein guter Blocksatz. Ein wesentlicher Vorteil davon, dass pdfs das Layout erhalten, ist, dass die typographische Qualität von dem Programm abhängt, mit dem das pdf erstellt wurde und nicht von dem, mit dem es angezeigt wird. Aus dem „HTML/CSS“-verpackten Dateiformat müsste die Software des Tablets immer ein gutes Ergebnis berechnen und ich befürchte, bis die Ergebnisse so gut sind, wie es bei einem gut gesetzten Dokument der Fall sein sollte, wird es noch lange dauern.

Mir wären auf die jeweilige Display-Größe angepasste pdfs vorerst lieber.

PDF ist kein eBook-Format und das iPad ist kein eBook-Reader

PDF hat ein festgelegtes Layout und ist damit für den Druck praktisch, aber für die Anzeige am Bildschirm im Grunde ungeeignet. Es gibt ja keinen "Einheitsbildschirm", auf den man das Layout abstimmen könnte - gelesen wird mit PCs, Notebooks, Tablets, eReadern und Smartphones. Alternativen? Epub, Mobi, XML, HTML, etc.

LaTeX ist ja wieder genau auf den Druck ausgelegt und für eBooks schlicht das falsche Werkzeug. Was es allerdings schon gibt, das lässt sich auch ohne weiteres in eines der gängigen eBook-Formate konvertieren.

Desweiteren wundert es mich, dass das iPad immer in einem Atemzug mit den eReadern von Amazon, Sony und Co genannt wird - dabei handelt es sich doch um ein völlig anderes Gerät mit einer ganz anderen Displaytechnologie. Ich hätte keine Lust, längere Texte auf dem iPad zu lesen. Gleichzeitig will ich auch nicht mit dem Kindle surfen. Das sind eben völlig verschiedene Geräte für unterschiedliche Zwecke.

Typo...

Ich stimme Ihnen zu, dass guter Satz dem Leseverständnis zuträglich ist. Aber auch dies geht Steuerzeichen – auch in HTML – so sei als Beispiel [shy] genannt, eine Trennungsmöglichkeit eines Worts, so auch das Gegenteil, ein Trennunsverbot von Sinneinheiten. Im Endeffekt erhalten Sie so auf diesem Weg auch bei veränderlichen Layouts einen korrekten Satz – es macht nur viel Arbeit und der Setzer muss umlernen.
Eine optimale Zeilenlänge läßt sich über Schriftgröße, Zeichenabstand auch bei veränderlichen Layouts gewährleisten. Nur nicht klassisch über Umbrüche, bloß nicht! :)

Veraltet

Formeln sind ein sehr spezieller Fall - der eine Fall, in dem Latex Vorteile hat und genutzt wurde und wird. Außerhalb naturwissenschaftlicher Bereiche war das nie in größerem Umfang der Fall. Und diese sind ja nun nur für einen äußerst geringen Anteil aller erzeugten Texte, gerade längerer Fließtexte, verantwortlich. Und falls es Word sein soll, was ja auch nicht zwingend ist, kann man auch dort anderweitig erzeugte Formeln einfügen (Skalieren von Formeln in Latex ist ja auch frickelig).

Das Herumfriemeln mit Schriften ist genau das, was der Ersteller eines Dokumentes nicht machen soll - und braucht. Das ist genau der Gedanke, den man endlich, endlich loslassen muss. Wer Schriftarten oder Größen manuell einstellt (oder von Latexmakros einstellen lässt), macht etwas falsch, er handelt so, wie es vor Jahren, als der Ausdruck das Ziel war, notwendig war, wie es heute aber nur noch schädlich ist.

"Reflow" mit PDF funktioniert. Miserabel. Und das gilt schon für die Geräte, die daran gut sind wie die Sonys. Die Geräte, die darin schlecht sind, wie der Kindle oder Kobo... weia. Das Format ist dafür nicht gemacht, sondern für das Erhalten des Layouts. Sobald ein längerer Abschnitt in Chunks zerlegt wurde (wie es bei der Erstellung mit Latex und den nachgelagerten Werkzeugen übrigens viel zu häufig passiert), kann Software nur noch raten. Ist der Umbruch jetzt gewollt oder einfach der Technik geschuldet? Semantische Auszeichnung muss das Ziel sein, und das kann PDF schlicht nicht.

Nicht nur auf das Display

Sie brauchen nicht nur auf das jeweilige Display angepassten Satz (was schon unmöglich ist), sondern auch auf die jeweiligen Vorlieben des Nutzers. Tablets und Reader gehen jetzt schon von 5" bis 11", wenn man Handys und Computerbildschirme mitzählt, von 3,5" bis 30". Es ist schlicht und ergreifend unmöglich, dafür anzupassen.

PDF ist das Lieblingsformat derjenigen, die glauben, dass alle ihre Vorlieben bezüglich Schriftgrößen, Schriftsatz, Schriftarten teilen müssen. Dem war zu Printzeiten notgedrungen so, als ein Werkstück in einer Größe produziert wurde, das ist aber vorbei. Endlich. Glücklicherweise.

Die Arbeitsprozesse müssen angepasst werden. Diejenigen, die einfach am Alten festhalten (und es auch noch verklären), werden untergehen. Der Kodak-Moment.

Es geht

Ich bevorzuge auch E-Ink-Geräte, allerdings ist der Bildschirm des iPad so gut, dass man darauf auch schon ganz gut lesen kann (billigere Bildschirme anderer Geräte schrecken allerdings ab). Für Wenigleser (die gelegentlichen Romanleser) absolut geeignet, selbst Vielleser kommen damit ganz gut zurecht. Mal sehen, wie die nächste Bildschirmgeneration wird.

Der (technische) Autor Martin Fowler hat da neulich etwas interessantes zu geschrieben: http://martinfowler.com/a...

Hardware

Die Bücher sind auch mit dem ersten iPad kompatibel, demnächst kommt das hardwaremäßig wohl deutlich aufgebohrte iPad 3 raus. Da sind kräftige Preisabschläge beim Vorgängermodell möglich - wie beim iPhone, wo es jetzt das 3GS als günstiges Einsteigergerät gibt.

Und Apple hat schon häufig günstige Hardware für Bildungseinrichtungen angeboten, siehe Emac oder aktuell das weiße Polykarbonatmacbook, das es für Endkunden gar nicht mehr gibt. Deutliche Rabatte auf Standardhardware für Studenten und Lehrkräfte gibt es ebenfalls.

Alles was mit I (Ei) anfängt macht nur süchtig und ....

... schaltet irgenwann das Gehirn aus.

Ich werde meine Bücher ganz herkömmlich kaufen und lesen und bewahren. Schon während meines "beruflichen Lebens" für in- und ausländische Firmen und mehr als 40.000 km pro Jahr beruflich und verantwortlich im zweistelligen Millionenbereich war mein berufliches "Handy" nach dem Schließen irgendeiner Firmentür "aus" bis zum nächsten Morgen bis zum Eintritt durch irgendeine Firmentür. Seltsam .... es hat funktioniert und ich habe auch beruflich bestens überlebt.